Polizeidienst in Rotenburg nicht nötig

Rotenburg. Die Einführung eines freiwilligen Polizeidiensts in Rotenburg wird zumindest vom Präventionsrat der Stadt als derzeit nicht erforderlich angesehen.

Bürgermeister Christian Grunwald hatte das Thema zur Diskussion gestellt, weil im Zusammenhang mit der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge von einigen Bürgern eine wie auch immer geartete Bedrohung empfunden wird. Grunwald selbst sieht allerdings aktuell auch keine Veranlassung, das Thema zu konkretisieren, will aber Äußerungen über vermeintliche Bedrohungslagen nicht ignorieren. Statt eines freiwilligen Polizeidienstes, der ohnehin mit nur wenigen Befugnissen ausgestattet wäre, wurde in der Debatte mehrfach Zivilcourage gefordert. Zu Beispiel von Ladeninhabern, die Diebstähle nicht anzeigten. Sie setzten damit auch die Glaubwürdigkeit der Polizei aufs Spiel. Denn diese könne in den regelmäßigen Bürgerforen oder auch gegenüber der Presse nur über die Anzahl von Diebstählen berichten, von denen sie Kenntnis habe. Wenn Bürger Diebstähle beobachteten und dann sähen, dass den Tätern nichts passiere, sei dies ein falsches Signal - auch für die Täter.

Zivilcourage zeigen

Da ein freiwilliger Polizeidienst grundsätzlich auf das gesamte Geschehen in der Stadt achten müsse, könne es passieren, dass die Bürger selbst nicht mehr bei Fehlverhalten einschritten, sondern nach „Zuständigen“ riefen. Ganz banal: Wenn ein Radfahrer über einen Bürgersteig rast und ältere Passanten gefährdet, sei jeder aufgerufen, den Radfahrer zur Räson zu bringen oder anzuzeigen - und nicht nach Polizeihelfern zu rufen.

Vertrauen zurückgewinnen

Es gab Stimmen, die Verständnis für ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis von Bürgern zeigten. Ein freiwilliger Polizeidienst könnte helfen, das Vertrauen von Bürgern zurückgewinnen, meinte ein Diskussionsteilnehmer, der von vermehrter Randale im Stadtgebiet Hochmale berichtete - von abgerissenen Papierkörben, Ladendiebstählen und provozierenden Sprüngen auf die Fahrbahn der Mündershäuser Straße. Ihm wurde entgegnet, das es für tatsächliche Straftaten nunmal die Polizei gebe.

Deutlich wurde aber auch: Das Sicherheitsgefühl ist individuell sehr verschieden. Man könne nicht auf alle Forderungen reagieren. Ein paar Zitate aus der Diskussion: „Es hat bisher ganz gut geklappt in Rotenburg. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem an jeder Ecke ein Uniformierter stehen muss.“ Und: „Der Ruf nach Hilfspolizei ist vorauseilender Gehorsam gegenüber einer Rogida, die esnoch gar nicht gibt.“ Rogida wurde in dem Zusammenhang als Rotenburger Verballhornung zur Dresdner Pegida genannt.

Im Präventionsrat beraten Vertreter von Kirche, Polizei, Stadt, Vereinen und Einrichtungen, die erzieherisch arbeiten, zum Beispiel über Themen, die mit Vorbeugung gegen Gewalt oder Sucht zusammenhängen.

Rubriklistenbild: © dpa

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