Ton wird rauer

Prozess gegen den Todesfahrer von Rotenburg: Anwalt attackiert Sachverständige

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Trümmerfeld: So sah die Unfallstelle am Morgen des 3. Februar aus.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Todesfahrer von Rotenburg wird der Umgangston rauer: Verteidiger Prof. Dr. Ulrich Sommer stellte mehrfach die Kompetenz von Sachverständigen in Frage. 

Diese hatten sich mit der Alkoholisierung des 31-jährigen Angeklagten und den DNA-Spuren im Unfallauto beschäftigt.

In dem Verfahren vor der 4. Strafkammer des Fuldaer Landgerichts geht es um den tödlichen Verkehrsunfall vom 3. Februar 2018, bei dem auf der Straße „Im Alten Feld“ in Rotenburg eine 49 Jahre alte Frau gestorben war. Laut Anklage hatte der Sozialversicherungskaufmann aus Euskirchen in Begleitung eines 25-jährigen Kollegen nach Alkohol- und Rauschgiftgenuss bei deutlich zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle verloren und war mit dem entgegenkommenden Pkw der Rotenburgerin kollidiert. 

31-Jähriger bezichtigte seinen schwer verletzten Beifahrer

Der 31-Jährige hatte danach seinen schwer verletzten und bewusstlosen Beifahrer bezichtigt, am Steuer gesessen zu haben. Außerdem leistete er bei der Blutentnahme im Krankenhaus erheblichen Widerstand und beleidigte die Polizisten.

Dafür war er in erster Instanz vom Einzelrichter des Amtsgerichts Bad Hersfeld zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dagegen war der Euskirchener in Berufung gegangen, die nun in Fulda wie ein ganz neuer Prozess verhandelt wird.

Für den DNA-Experten von der Gießener Rechtsmedizin war die Spurenlage eindeutig

Mittig auf dem Fahrer-Airbag und auf einem Knie-Airbag fanden sich in 16 Punkten zutreffende Einzelspuren des Angeklagten, auf dem Beifahrer-Airbag eine Blutspur des 25-jährigen Mitfahrers. Weil im Umfeld dieser Spuren aus dem „Grundrauschen“ herumschwirrender Teilchen auch Einzelsignale unterschiedlicher Intensität registriert worden waren, versuchte Verteidiger Sommer, die Eindeutigkeit der Aussage in Zweifel zu ziehen.

 Schon am ersten Prozesstag war es ihm darum gegangen, die Möglichkeit, dass der 25-Jährige den Mercedes des Euskircheners gefahren hat, nicht auszuschließen. Der Sachverständige wehrte sich nach Kräften gegen diese Über-Interpretationen der Mischspuren.

Anwalt attackiert die Rechtsmedizinerin scharf

Noch schärfer attackierte der Anwalt die Rechtsmedizinerin, die aufgrund von maximal 2,1 Promille Alkohol plus Cannabis zwar eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen konnte, dem Angeklagten aber ansonsten ein „adäquates“ und damit kontrolliertes Verhalten bescheinigte. Der Prozess wird am Mittwoch ab neun Uhr fortgesetzt.

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