Unternehmer im Landkreis werben für Touren und sind in Not

Reisebusse im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bleiben leer

Das Bild zeigt von links Waldemar Korneck (Rotenburg), Carsten Arndt (Breitenbach am Herzberg) und Hanni Haar (Rotenburg). Sie sind Busunternehmer im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
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Regeln einhalten, dann sind auch Busreisen möglich: Davon überzeugt sind Busunternehmer aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg. Das Bild zeigt von links Waldemar Korneck (Rotenburg), Carsten Arndt (Breitenbach am Herzberg) und Hanni Haar (Rotenburg). Sie sehen die Existenz ihrer Unternehmen bedroht.

Die Reisebus-Branche ächzt unter den Folgen von Corona. Das ist auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg so. Ein Gespräch mit Busunternehmern.

Hersfeld-Rotenburg - „Die meisten Kunden wissen nicht, dass wir wieder fahren dürfen“, sagt Waldemar Korneck, Reisebusunternehmer aus Rotenburg. Und selbst wenn sie es wissen, sind sie noch zögerlich bei der Buchung. Ein Umstand, der sich für die Busunternehmen in der Corona-Pandemie zur Existenzbedrohung ausgewachsen hat.

Waldemar Korneck ist ein seit Jahrzehnten erfahrener Busfahrer, der sich erst vor wenigen Jahren selbstständig gemacht hat. Er sowie Carsten Arndt, der mit seiner Frau ein Unternehmen in Breitenbach am Herzberg hat, und Hanni Haar, Reisebusunternehmerin aus Rotenburg, wollen im HNA-Gespräch nicht jammern, sondern deutlich machen, dass Busreisen nicht gefährlicher sei als der Umgang mit dem Corona-Virus in heimischen Gefilden: Wenn man sich an die Regeln und Hygienekonzepte halte, könne man durchaus mit dem Bus verreisen.

Seit Mitte Juni müsse man im Bus nicht mehr den Mindestabstand von 1,50 einhalten, wenn die Reisenden einen Mund-Nase-Bedeckung tragen. Wenn der Abstand eingehalten werden kann, brauche man auch die Maske nicht zu tragen, zitieren sie neue Vorgaben. Außerdem verfügten die modernen Reisebusse über einen eng getakteten Frischluftaustausch während der Fahrt.

Die Busunternehmer werben naturgemäß für ihre Branche. Waldemar Korneck hat seit den Mitte Juni eingeführten Reiseerleichtungen zwei Touren unternommen – mit sehr viel weniger Teilnehmern als üblich: Einmal zwölf und einmal knapp über 20 Reisende hatten die in Kornecks Katalog angebotenen Fahrten an die Nordsee und nach Zittau und Polen angetreten. Gruppenuntergrenzen, die eigentlich die Rentabilität einer Fahrt sichern sollen, hat Korneck bewusst ignoriert, einfach, um bei seinen Kunden eine positive Resonanz zu erzeugen: „Die sollten eine schöne Zeit haben und erzählen, wie angenehm die Tour war.“

Katalog-Touren bietet das Omnibus- und Mietwagenunternehmen von Carsten Arndt nicht an. Er fährt traditionell Gruppen und Vereine auf Anfrage und hat eigentlich viele Stammkunden. „Aber das Telefon ist derzeit wie tot“, sagt er. Immerhin: Er hat für eine Hausfrauengruppe einen Tagesausflug organisiert und hofft, dass alle zu ihren Anmeldungen stehen. Auch Hanni Haar setzt derzeit auf Tagestouren in die nähere Umgebung.

Alle erzählen von einem finanziell verlorenen Jahr. Die Saison startet im Frühjahr, doch da kam der Lockdown. Wochenlang waren sie alle nur damit beschäftigt Stornierungen zu bearbeiten und Anzahlungen zurück zu überweisen. Und zu telefonieren: Kunden riefen auch voller Anteilnahme an und erkundigten sich nach dem Befinden von Unternehmern und Unternehmen. „Viele hatten Mitleid, wollten auch die Anzahlungen nicht zurück“, erzählt Arndt. Doch er habe reinen Tisch gemacht und alles zurückgezahlt, auch wenn umgekehrt ihm zunächst keine Anzahlungen erstattet wurden – etwa durch Hotels, die lieber mit Gutscheinen arbeiten wollten.

„Ich war völlig fertig, richtig hohl im Kopf“, sagt die 70-jährige Hanni Haar über die schwere Zeit des Lockdowns. Und setzt dann energisch nach: „Aber ich kann nicht aufgeben. Ich kämpfe weiter.“

Waldemar Korneck hat in seinem Familienunternehmen drei Mitarbeiter beschäftigte, Hanni Haar hatte fünf. Die sind in Kurzarbeit. Und schon stehen die Busunternehmen vor neuen Problemen: Zuverlässige Busfahrer sind unter normalen Umständen gesucht. Wenn sie zu lange in Kurzarbeit sind, suchten sie sich aus finanziellen Gründen häufig eine andere Arbeit: „Die sind dann weg“, sagt Carsten Arndt.

Die Krise setzt sich jetzt fort, weil Reisen nicht gebucht oder gebuchte Reisen wieder storniert wurden. Wenn jetzt auch noch die Fahrten zu den Weihnachsmärkten wegfielen, sehe es ganz düster aus. „Ein Jahr ohne Einnahmen – wer kann das schaffen?“ fragen die Unternehmer. Die Corona-Hilfen des Staates („Die Soforthilfe hat vier Wochen gebraucht, bis sie bei mir war.“) seien vorübergehend eine Erleichterung gewesen, aber keine Lösung.

Die großen Reisebusse sind derweil abgemeldet und stehen auf dem Hof. Sie verlieren mehrere zehntausend Euro im Jahr an Wert – egal ob sie fahren oder stehen. (Silke Schäfer-Marg)

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