Analyse fordert Entscheidung

Rotenburg: Verkehrs- und Parksituation untersucht

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Braucht die Stadt Rotenburg noch mehr Parkplätze in der historischen Innenstadt? Wie soll sich der Verkehr entwickeln, zum Beispiel in der Breitenstraße?

Eng ist sie, voller Fahrzeuge, gefährlich für Radfahrer, unzulänglich für Fußgänger und Menschen mit Gehbehinderungen. Das sind nur zwei der Themen, die die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft (MER) in ihrer Parkraum- und Verkehrsanalyse aufgegriffen hat.

MER-Geschäftsführer Torben Schäfer hatte das 45-seitige Konzept, das auch auf der MER-Homepage eingesehen werden kann, in groben Zügen im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt. Nicht ohne die Mahnung an die Kommunalpolitiker: „Der politische Wunsch fehlt“.

 Bald barrierefrei: Die Bushaltestelle an der Breitenstraße/Marktplatz, wird künftig keine Haltebucht mehr haben.   

Endlich entscheiden

Soll heißen, es müsste endlich entschieden werden – was etwa aus dem Parkplatz Altes Amtsgericht werden soll. Allein dazu gab es in den vergangenen drei Jahren eine Reihe von Vorschlägen, die jedoch nicht in Handlungen mündeten: Einkaufszentrum mit Drogeriemarkt, Gastronomie, Parkhaus, Parkplatz, Gästehaus und das alles gern auch mit einer Kreisellösung – alles mal gehört, aber nichts festgelegt.

Parksituation

Insgesamt stehen 1300 Parkplätze in der Stadt zur Verfügung, 534 sind frei nutzbar und ohne Parkzeitbegrenzung. 192 Anwohnerparkplätze sind zeitlich begrenzt nutzbar, es gibt 91 reine Anwohnerparkplätze. Es gibt nur 21 Behindertenparkplätze. Das sind 1,8 Prozent, empfohlen werden drei Prozent. Erhoben wurden zudem Belegungsdauer und Belegungszeiten. Im Erhebungszeitraum betrug die Auslastung 60 Prozent. In einigen Stadtbereichen fehlen Anwohnerparkplätze.

Lösungsvorschläge

Durch Parkraumkonzeption, Parkleitsysteme, Parkraumbewirtschaftung (sprich Gebühren), Kontrolle und Änderungen des Verkehrsverhaltens könnte man die Probleme in der Stellplatzfrage angehen, heißt es in der Em-pfehlung.

Es könnten auch außerhalb der Innenstadt Parkraumflächen geschaffen werden. Mit dem öffentlichen Nahverkehr, durch Fahrradverleih oder zu Fuß könnte man dann in die Innenstadt gelangen. Dadurch könnte der Gästeverkehr aus der Stadt gehalten werden.

Parkraum gibt es reichlich in Rotenburg, aber nicht überall und für alle: Unser linkes Bild zeigt Plätze für die Anwohner an der Löbergasse sowie den Parkplatz an der Webergasse (oben), der eher von einheimischen Kennern genutzt wird. 

Tempo 30

Auch für die Breitenstraßemuss entschieden werden, zumal sich die Situation noch zuspitzen könnte. Nämlich dann, wenn die Bushaltestellen zwecks Barrierefreiheit angehoben und die Haltebuchten für Busse wegfallen werden. Das wird kommen, weil die Stadt dazu verpflichtet ist.

Die MER sieht die Einführung von Tempo 30 als einen Schritt zur Lösung: Rechnerisch habe die Verringerung von Tempo 50 auf 30 keine Kapazitätseinbußen. Durch die Geschwindigkeitsreduzierung werde auch der Abstand zueinander verringert, was bedeute, weniger Geschwindigkeit, aber mehr Verkehrsteilnehmer gleichzeitig.

Konkret bedeutet das:

.  Einrichtung einer Tempo-30-Zone,

. Gestaltung des Straßenraums mit hellem Pflaster anstelle der Asphaltdecke,

. Abflachen der Bordsteinkante, Angleichung an das Straßenpflaster,

. Stadtgrün, also Bäume,

. der Verkehrsraum soll für alle Teilnehmer freigegeben werden.

Das Konzept müsste mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil abgestimmt werden, weil die Breitenstraße gleichzeitig Landesstraße ist.

Die Analyse befasst sich außerdem mit alternativen Verkehrsmitteln wie Bus- und Radverkehr sowie Carsharing. Mehr Infos: rotenburg-erleben.de

Der Ausschuss hat empfohlen, das Konzept nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern in den Fraktionen auch weiterführende Anträge dazuzuformulieren.

Hintergrund: Touristenbusse an den Bahnhof

Ein einfacher Schritt mit mehrfacher Wirkung könnte sein, die Touristenbusse künftig am Bahnhof zum Ein- und Aussteigen halten zu lassen. Die Stadtführer könnten die Gäste dort in Empfang nehmen, sie durch Steinweg, Neustadt und Altstadt zum Marktplatz führen. Die Gäste könnten anschließend bummeln oder die Gastronomie nutzen und zurück zum Bus gehen. Dadurch würde der Steinweg belebt und der Reisebus blockiere nicht mehr den Marktplatz, erklärte Torben Schäfer.

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