1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Rotenburg (an der Fulda)

Rotenburg arbeitet an Nahmobilitätskonzept – Bürger sind gefragt

Erstellt:

Von: Gudrun Schankweiler-Ziermann

Kommentare

Gefahrenstelle: Der Radweg an der Fulda mit sogenanntem Drängelgitter.
Gefahrenstelle: Der Radweg an der Fulda in Rotenburg mit sogenanntem Drängelgitter. © Gudrun Schankweiler-Ziermann

Kurze Wege ohne Auto sollen in Rotenburg für Radler und Fußgänger attraktiver werden. Gefahrenpunkte sollen beseitigt werden. Auch neue Angebote zum Ausprobieren sind denkbar.

Rotenburg – Viele Menschen legen kurze Strecken von bis zu fünf Kilometern zu Fuß oder mit dem Rad zurück. Doch für die Hälfte dieser Wege steigen sie immer noch ins Auto. Können attraktivere Verbindungen für Fußgänger und Radler mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen? Die Stärkung des alltäglichen Fuß- und Radverkehrs ist das vom Land Hessen geförderte Ziel des Nahmobilitätskonzepts der Stadt Rotenburg, erläuterte Maurice Riesche von der MER (Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg).

In einer ersten Bürgerbeteiligung haben am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses knapp 30 Bürger die Gelegenheit genutzt, sich informiert und ihre Anregungen mitgeteilt. Jürgen Felmeden vom Büro Cooperative aus Kassel stellte das Projekt Nahmobilität samt der erstellten Bestandsanalyse vor. Dabei geht es diesmal nicht um Tourismus, sondern um den alltäglichen Rad- und Fußverkehr. Beispiele hierfür seien der Weg von Schwarzenhasel zur Arbeit im HKZ, von der Hochmahle zum Einkauf in den Supermarkt oder von Atzelrode in die Schule, zum Bahnhof oder zum Friedhof. Felmeden sprach von „Quellen“ und „Zielen“, wobei über 180 Ziele berücksichtigt worden sind, auch die Wege nach Bebra, Breitenbach, Heinebach oder Baumbach. Quellen sind die Stadtteile.

Die wenigsten Radfahrer nehmen so wie dieser den Weg an der Breitenstraße in Rotenburg, obwohl das Verkehrsschild dies nahelegt – gefährlich, denn hier laufen auch Fußgänger.
Die wenigsten Radfahrer nehmen so wie dieser den Weg an der Breitenstraße in Rotenburg, obwohl das Verkehrsschild dies nahelegt – gefährlich, denn hier laufen auch Fußgänger. © Gudrun Schankweiler-Ziermann

Vieles ist den Fachleuten bei der Bestandsaufnahme aufgefallen: Ein Schild „Durchfahrt verboten“ am Radweg, gefährliche Poller, schadhafte Gehwege oder fehlende Ruhebänke. Nun werden die zu ergreifenden Maßnahmen aufgelistet, priorisiert und die Kosten geschätzt, um der Stadt ein Instrument an die Hand zu geben. Auch Anregungen sollen gegeben werden. Etwa zur Förderung des Radfahrens könnte die Stadt kostenlose E-Bikes und Lastenräder zum Ausprobieren zur Verfügung stellen. Diese Möglichkeit werde vom Land Hessen gefördert. Fahrrad-Rikschas für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, wären denkbar. Ähnliches gelte für Aktionen wie das sogenannte Stadtradeln.

Viele Hinweise und Anregungen

Schon im Vorfeld war etwa der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in das Projekt eingebunden, ebenso der Seniorenbeirat, der Behindertenbeirat und viele andere. Unter den Rotenburger Bürgern, die den Weg ins Rathaus gefunden hatten, gab es zahlreiche Hinweise, Anregungen und Kritik an den bestehenden Wegen. Auf die Frage nach der Einbindung der Schulen erklärte Maurice Riesche, hier laufe gerade das ebenfalls vom Land Hessen geförderte Programm „Besser zur Schule“ an. Thomas Mühlhausen (Lispenhausen) brachte die Idee von Fahrradstraßen in die Diskussion. „Ausprobieren“ in Form eines Pilotprojekts schlug Fachmann Felmeden vor, Erfahrung sammeln und das ohne bedeutende Kosten.

Vorrang für Fußgänger an Ampeln?

Jürgen Schulz (Braach) wies auf eine Gefahrenstelle am Ortseingang Braach von Rotenburg aus gesehen hin. Dort müsse linksseitig der Gehweg auch wieder für Radler ausgeschildert werden, die derzeit korrekterweise auf der Straße fahren müssten, darunter seien zahlreiche Schüler. Lena Heilmann (Alheim) sprach sich an den Kreuzungsampeln für den Vorrang von Fußgängern aus. Sie müssten zu lange in Hitze oder Regen stehen bleiben, um auf Grün zu warten. „Wir brauchen eine Mobilitätswende, nicht nur ein bisschen Fahrrad“, sagte sie.

Bitte um weitere Anregungen

Auch alle anderen Bürger sind jetzt gefragt. Sie werden darum gebeten, ihre Anregungen mitzuteilen. Diese werden in das Konzept einbezogen. Wenn das Büro aus Kassel die Maßnahmen erarbeitet hat, findet zum Jahreswechsel eine zweite Bürgerbeteiligung statt. Bis Mitte und spätestens im Herbst 2023, soll das neue Nahmobilitätskonzept vorliegen.
(Gudrun Schankweiler-Ziermann)

Die Analyse

Die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rotenburg (MER) erstellt derzeit mit dem Büro Cooperative Infrastruktur und Umwelt (Kassel) ein Nahmobilitätskonzept für den Alltagsrad- und -fußverkehr. Bisher hat das Büro eine Bestandsanalyse für die Kernstadt und die Stadtteile erarbeitet und erste Ergebnisse vorgestellt. Noch bis zum 5. August können die Rotenburger ihre Anregungen auf den Stellwänden im Rathaus hinterlassen oder an die Mailadresse der Marketing- und Stadtentwicklung MER senden. Die MER wird laut Maurice Riesche auf ihrer Internetseite auch die Folien des Vortrags von Jürgen Felmeden vom Büro Cooperative einstellen, zu finden unter dem Stichwort „Stadtentwicklung“ auf mer-rotenburg.de (ank)

Auch interessant

Kommentare