Viel Trubel um Lyrikerin

Maren Kames mit „Luna Luna“ für Preis der Leipziger Buchmesse nominiert

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Kann man sich „lunar“ fühlen? Maren Kames wählte auch dieses Wort aus einem Liedtext als Baustein für ihr Buch „Luna Luna“. Die 36-jährige Autorin ist in Rotenburg aufgewachsen. 

Liedtexte, Lyrik und das Leichte - so kann man das Werk von Maren Kames umschreiben, die in Rotenburg aufgewachsen ist und in Berlin lebt. 

Wann hat man den letzten Satz geschrieben? Wann ist ein literarischer Text fertig? Diese Frage treibt auch Maren Kames um. Doch offenbar hat die in Rotenburg aufgewachsene und in Berlin lebende mehrfach preisgekrönte Lyrikerin bisher die richtigen Schlusspunkte gesetzt. Ihr zweites Buch „Luna Luna“ wurde zuletzt für den Preis der Leipziger Buchmesse 2020 nominiert.

Sie stand die ganze Zeit unter Strom

Damit wurde eine sehr viel breitere Öffentlichkeit als allein das Feuilleton auf die 36-Jährige aufmerksam. Es gab offenbar noch eine Steigerung des Trubels, der bereits kurz nach der Veröffentlichung des Werkes im Sommer 2019 eingesetzt hatte. „Das war schon alles sehr viel“, erzählt Maren Kames am Telefon. Sie habe die ganze Zeit unter Strom gestanden. Interviews, Lesungen, Absprachen folgten auf die erste, grundlegende Anspannung: Wie wird „Luna Luna“ überhaupt aufgenommen?

Auf Verriss eingestellt

„Ich hatte mich eigentlich auf einen Verriss eingestellt“, räumt Maren Kames ein. „Und dann habe ich mich gewundert, dass sich das deutsche Feuilleton offenbar auf eine positive Besprechung des Buchs geeinigt hatte.“ Berauschend, furios, erhellend waren Attribute, die Kames’ Text, einer Art Langgedicht, zugeschrieben wurden.

Wann ist ein Text eingängig?

Jetzt also hat sich der erste Rausch gelegt. Maren Kames verbringt, auch Corona-bedingt, viel Zeit in ihrer Wohnung in Berlin, atmet durch und nimmt sich Zeit für das Gespräch und eine kleine Debatte darüber, wann ein Text eingängig ist.

Dass Lyrik schwer, kryptisch oder hochgeistig sein soll, hält Kames für Vorurteile aus der Schulzeit. Die Eingängigkeit eines Textes lasse sich nicht nach einem Genre einordnen. „Ich mache auch keine klassische Lyrik“, sagt sie. In der Berliner Lyrikszene heiße es sogar, ihre Texte seien zu eingängig, taugten eher für Poetry-Slam.

Pathos und Humor

„Luna Luna“, das wie ihr erstes Buch „Halb Taube, halb Pfau“ auch als Hörspiel umgesetzt wurde, ist für Maren Kames keine reine Lyrik, sondern eher eine Geschichte, in der es Dialoge und verschiedene Charaktere gibt. Sie hat sich an einem subtilen Wechselspiel zwischen Pathos und Humor versucht, erzählt Maren Kames. Den Buchpreis hat sie letztendlich nicht dafür bekommen, aber eine Welle von Aufmerksamkeit.

Die Jugend in Rotenburg verbracht

Ihre Jugend hat die Autorin in Rotenburg verbracht, lebte mit ihrer Familie im Stadtteil Braach. Ihre Eltern sind Ärzte, sie hat noch zwei Geschwister. Ihr Zuhause in Braach, „nah einer Kuhwiese“, bedeutet ihr noch immer viel als schöner Ausgleich zum durchaus auch geliebten Moloch Berlin.

Schon vom Grundschulalter an war Maren Kames klar, dass Schreiben, der Umgang mit Sprache, für sie wesentlich ist. Noch während des Abiturs musste sie einem guten Freund und Mitschüler schwören, dass sie aus ihrem schriftstellerischen Talent „etwas macht“ und sich am Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim bewirbt. Das tat sie auch – beim ersten Mal noch ohne Erfolg, später konnte sie dort ihre dreijährige „Schreibschule“ absolvieren. Ob sie sich anschließend mit Literatur durchsetzen kann, war da noch unklar, ist es jetzt nicht mehr. Sie hat inzwischen eine Reihe von Auszeichnungen und Stipendien gewonnen.

Dozentin in Wien

Dass sie es auf die Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse geschafft hat, erfuhr Maren Kames in Wien, wo sie noch als Dozentin im Studiengang Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst lehrte. Sich so sehr zu freuen und gleichzeitig nicht darüber sprechen zu dürfen, wie es bei Nominierungen üblich ist, funktionierte in Wien noch ganz gut.

Auch ihre Eltern im heimischen Braach erfuhren erst später davon. Marens Mutter, deren Bodenständigkeit die Literatin so schätzt, sagt „Man ist ja so stolz.“ Auch, wenn ihr der Zugang zu den Texten ihrer Tochter nicht leicht fällt.

Sie zitiert auch Liedtexte von Helene Fischer

Da sind wir also wieder bei der These, Lyrik sei nicht eingängig. Maren Kames widerspricht erneut. Sie zitiert in ihren Texten auch Liedtexte von Tom Waits bis Helene Fischer, von Annie Lennox bis David Bowie. „Die Hemmschwelle zu meinen Texten sinkt automatisch, wenn die zitierten Lieder aus der eigenen Playlist stammen könnten“, findet sie. Und: „Menschen sagen mir hin und wieder nach einer Lesung, sie hätten gelacht und geweint.“

So hat sie ihr Ziel erreicht. Literatur muss berühren. Besonders vor dem letzten Satz.

Zur Person

Maren Kames (36) wurde in Überlingen geboren und kam mit ihren Eltern (beide Ärzte) und zwei Geschwistern im Alter von zehn Jahren nach Rotenburg. Sie machte Abitur an der Jakob-Grimm-Schule, studierte anschließend unter anderem Kulturwissenschaften und in Hildesheim Literarisches Schreiben. 2016 veröffentlichte sie „Halb Taube, halb Pfau“, 2019 „Luna Luna“. Unter anderem wurde sie ausgezeichnet mit dem Anna- Seghers-Preis und dem Kranichsteiner Literaturförderpreis. Maren Kames lebt in Berlin. 

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