Klimaneutralität angestrebt

Neubaugebiet mit grünen Zielen: Besondere Auflagen in Lispenhausen

45 Baugrundstücke, ein Spielplatz und eine Kita sind im Neubaugebiet in Lispenhausen geplant. Das zeigt diese Skizze.
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45 Baugrundstücke, ein Spielplatz und eine Kita sind im Neubaugebiet in Lispenhausen geplant.

Im Neubaugebiet in Lispenhausen sind 45 Baugrundstücke geplant. Kiesgärten sind tabu. Sogar ein Carsharing-Projekt ist Teil des Konzepts.

Rotenburg – Auf dem 40 Hektar großen Gelände oberhalb des Norma-Marktes in Lispenhausen soll eine besondere Siedlung entstehen. Klimaneutral soll sie bebaut und gestaltet werden. Die Stadtverordneten haben jetzt die Bauleitplanung auf den Weg gebracht. Die moderne Bauweise war von der SPD-Fraktion angestoßen worden. Bislang wurde die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Gehölze gab es nicht.

„In Region einmalig“

„Die Planung dürfte in der Region einmalig sein“, sagte Bürgermeister Christian Grunwald. Künftige Bauherren müssen sich allerdings strengen Auflagen unterwerfen. „Möglicherweise nehmen deshalb Interessenten Abstand von einem Kauf. Aber junge Familien könnten den zukunftsweisenden Weg erkennen und begrüßen“, ergänzte Grunwald. Die Stadtverwaltung werde die Interessierten auf geeignete Förderprogramme hinweisen.

Geplant sind 45 Baugrundstücke sowie eine Kita und ein Spielplatz. Alle Eingriffe in die Fläche, die nicht vor Ort ausgeglichen werden können, sollen durch anschließend aufgewertete Flächen im Landschaftsschutzgebiet Fuldaaue ausgeglichen werden.

Die Walter-Lübcke-Straße wird durch das neue Wohngebiet führen. Ziel ist, auch sie mit wassergebundener Deck zu versehen. Die einzelnen Grundstücke erreicht man über Wege mit wassergebundener Decke. Dadurch soll Regenwasser leichter versickern können.

Luft-Wärme-Pumpen

Für das auf Dachflächen anfallende Regenwasser sollen auf jedem Grundstück Zisternen installiert werden, die mindestens 5000 Liter fassen. Flachdächer sollen extensiv begrünt werden. Erlaubt sind asymmetrische Satteldächer und Flachdächer. Vorgeschrieben sind Aufbauten zur Nutzung von erneuerbaren Energien wie Dach-Fotovoltaikanlagen, Luft-Wärme-Pumpen oder Solarthermie.

Nur ein Stellplatz pro Grundstück

Freiflächen außerhalb von Gebäuden oder Zufahrten müssen als vegetationsfähige Fläche hergerichtet werden. Nur ein Stellplatz pro Grundstück ist jeweils auf der Nordseite der Gebäude erlaubt. Schotter- und Kiesgärten sind nicht erlaubt. Mindestens ein großkroniger Laubbaum soll auf der Nordseite der Gebäude unter Berücksichtigung benachbarter Fotovoltaikanlagen gepflanzt werden. Auf mindestens zehn Prozent der Vegetationsflächen müssen Wildstauden als Insektenfutter angelegt werden.

Carsharing-Projekt

Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang. Unterstützt werden soll ein Carsharing-Projekt, also die geteilte Nutzung von Autos. Vor dem Kindergarten könnten dafür zehn Parkplätze entstehen, zehn weitere sind fürs Personal und noch einmal zehn Plätze für Eltern vorgesehen.

Bedenken wegen Starkregen

Einen Konflikt hatte SPD-Stadtverordneter und Mitglied der Betriebskommission der Stadtwerke, Reiner Wollrath, bereits im Ausschuss geschildert: Bei Starkregen komme es schon jetzt zu vollgelaufenen Kellern im Börnerweg. Anwohner befürchteten eine Zunahme durch das Neubaugebiet. Dennoch werde auf den Bau eines Stauraumkanals verzichtet, mahnte er. Bürgermeister Christian Grunwald erklärte, die Ingenieure der Stadtwerke hätten dies geprüft und für nicht notwendig erachtet. Es werde nichts gebaut, was andere Lispenhäuser gefährden könne, betonte Grunwald.

Etwas Essig goss UBR-Stadtverordneter Wilfried Ross in den Wein der Freude über das innovative Projekt: Alle 31 Stadtverordneten hatten die Chance, ihre Ideen für das klimaneutrale Baugebiet zu benennen. Gerade mal 14 hätten sich beteiligt, kritisierte er. CDU-Fraktionsvorsitzender Jonas Rudolph dagegen war euphorisch: „Wir reden nicht nur über den Klimawandel, sondern lassen Taten folgen.“ (Silke Schäfer-Marg)

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