Ein Markt voller Originale

Rotenburg-Braach: Kuckucksmarktsaison ist eröffnet

Himmlischer Duft, lockere Sprüche und leckere Waffeln: Ein Urgestein des Kuckucksmarktes ist Gerlinde Casper aus Braach, die Omis Waffeln anbietet. Das Foto zeigt links Gerlinde Casper, rechts ihre Tochter Simone Agel-Wilhelm, daneben Enkelin Sandrina Agel und Nina Bernhardt. Fotos: Ernst

Braach. Seit 24 Jahren und insgesamt 278 Markttagen lockt der Kuckucksmarkt unzählige Besucher zum Erleben, Einkaufen und Tratschen nach Braach. Das macht den Markt nicht nur zu einer festen Institution, sondern auch überregional zu etwas ganz Besonderem. Am Wochenende startete der Markt in die neue Saison.

Geboren wurde die Idee zu Beginn der 90er-Jahre von dem damaligen Bürgermeister Hans Otto Gleim. Im Rahmen der Dorferneuerung entstand das Konzept. Der Platz hinter dem Gemeinschaftshaus erwies sich als ein idealer Standort. Mit der Gründung des Vereins „Kuckucksmarkt Braach e.V.“ 1994 nahm das Projekt konkrete Formen an. Alles gipfelte im ersten Markt am 20. und 21. Mai 1995. Damals öffnete der Markt mit 20 Anbietern.

Kritischen Stimmen zum Trotz, die sagten „Der Markt hält sich doch sowieso nicht lange“, manifestierte sich die Einrichtung. Mit dem Erfolg kam das Wachstum. Nach nur einem Jahr wurde die Größe des Marktes mit 48 Ständen mehr als verdoppelt.

Erfolgsrezept

Heute sind es 90 Stände – handverlesen, versteht sich. Darauf achtet der Verein rund um Hartmut Freitag: „Wir sprechen den Erfolg des Marktes vor allem der tollen Arbeit, der guten Auswahl der Aussteller und der dadurch resultierenden Qualität zu“, erklärt der erste Vorsitzende des Vereins. Das Bewerbungsverfahren ist mitunter streng, aber fair. Dabei ist vor allem wichtig, dass das Angebot breit gefächert ist. An den Ständen soll sich nicht zu viel doppeln. Wichtig ist neben der Qualität auch die Originalität, Handarbeit und der regionale Bezug. Gewählt werden die Produkte dann unter dem Motto „Das würde uns auch gefallen“.

In den vergangenen 24 Jahren ist viel geschehen. An vieles denken Hartmut Freitag und Gerhard Klöpfel gern zurück. So wurde im ersten Jahr viel improvisiert und alles war etwas chaotischer. Das spielte sich mit den Jahren ein. In Braach gibt es mittlerweile den Spruch: „Wenn du ein Fest feiern willst, feiere es am Marktwochenende“. Das Wetter ist einfach immer gut.

Lehrgeld

Lehrgeld musste der Verein 2005 zahlen. Da sollte das Angebot auf über 90 Stände erweitert werden. Auf Kosten der Qualität: „Da waren einige Nieten dabei. Das haben uns die Kunden dann noch zwei Jahre spüren lassen“, berichtet Freitag. Aus diesem Grund sei es gut, dass der Markt durch den Platz begrenzt sei. Das sichere die Qualität, findet Klöpfel.

Treue Seelen

Treue Seelen gibt es unter den Ausstellern viele. Der feste Kern bestehe aus etwa 35 Ständen, erklärt Freitag. Ein Urgestein ist weit über die Region hinweg bekannt. Was ihren Stand ausmacht? Ein himmlischer Duft, lockere Sprüche und unbeschreiblich leckere Waffeln. Gerlinde Casper aus Braach war Vorstandsmitglied und ist seit dem ersten Markt dabei. Sie backt immer nach dem Rezept ihrer Großmutter. Und nur mit frischen Produkten. Das macht „Omis Waffeln“ aus. 

Sie hatte keinen leichten Start auf dem Kuckucksmarkt: Renate Otter aus Felsberg mit ihrer Floristik.

Einen nicht ganz einfachen Start in das Marktleben in Braach hatte Renate Otter aus Felsberg. Drei Bewerbungen hatte sie rausgeschickt und wurde trotzdem nicht aufgenommen. Vor 20 Jahren wurde ihr Floristik-Stand dann auf dem Hessentag entdeckt und schließlich eingeladen. Seitdem ist sie dabei. Eine Marktberühmtheit ist „Oma Toni“. Antonie Frenzel aus Atzelrode ist seit 24 Jahren mit ihren Stick-, Strick und Häkelwaren dabei: „Ich freue mich den ganzen Winter über auf den Markt. Hier erlebt man die tollsten Sachen, und so viele Leute kommen zu mir, trinken Kaffee und sprechen mit mir“, erklärt die rüstige 92-Jährige. Ihre Stickereien haben es über die Jahre sogar bis nach Amerika geschafft. Eine Kundin aus Gilfershausen hatte einige nach Übersee verschickt.

Hartmut Freitag beschreibt den Markt mit den Worten „Qualität steht über allem“. Doch beim Gang mit ihm über den Platz wird klar, dass Qualität nicht nur die Produkte beschreibt. Das ist auch das Herzblut, das Engagement des Vereins und die vielen Originale unter den Ausstellern. Die Mitglieder des Vereins sind stolz auf ihr Werk. Zu Recht.

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