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Die Lispenhäuser Firma Frank Dürnfelder sorgt für Wärme

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Rohre, Schläuche, Schrauben: Wie vielfältig der Beruf von Frank Dürnfelder ist, zeigt sich nicht nur in seinem gut sortierten Lager.
Rohre, Schläuche, Schrauben: Wie vielfältig der Beruf von Frank Dürnfelder ist, zeigt sich nicht nur in seinem gut sortierten Lager. © Lea-Sophie Mollus

Die Firma Dürnfelder in Rotenburg-Lispenhausen hat sich auf Wärmepumpen spezialisiert. Die Energiekrise lässt das Geschäft brummen.

Lispenhausen – Günstiger Heizen als mit Öl und Gas, dazu noch effektiver und deutlich umweltfreundlicher? Das geht – und zwar mit einer Wärmepumpe. Auf diese Technik hat sich das Heizungs- und Sanitärtechnik-Unternehmen von Frank Dürnfelder in Lispenhausen spezialisiert – schon lange vor den Preisexplosionen durch die Energiekrise. Wer und was dahintersteckt, stellen wir anlässlich des morgigen Tags des Handwerks vor.

„Wir kaufen uns ein Auto, zwei Werkzeugkisten und fangen einfach an“, war vor ziemlich genau 25 Jahren der Plan von Frank Dürnfelder und seinem damaligen Kollegen Jörg Brandau. Beide arbeiteten als Monteure bei der Firma Völlkopf in Rotenburg und wollten gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. „Wir sind ins warme Wasser gesprungen“, sagt Dürnfelder mit Blick auf die langjährige Erfahrung beider. Am 18. September 1997 gründeten Dürnfelder und Brandau schließlich die Firma, die Ersterer seit 2008 alleine führt.

750 Pumpen schon verbaut

Gas, Öl, Solar, Pellets und Klimatechnik sind Begriffe, die im Berufsalltag des 51-Jährigen häufig fallen. Spezialisiert hat sich die Heizungs- und Sanitär-Firma 2005 aber auf Wärmepumpen. 750 haben Dürnfelders Mitarbeiter – aktuell 14 an der Zahl, darunter zwei Auszubildende – seitdem verbaut. „Das ist eine ganze Menge“, sagt Dürnfelder. Dass er sich so früh auf die damals noch eher unübliche Technik spezialisiert hat, kommt ihm bei den explodierenden Preisen für Gas und Öl nun zugute.

Auch heute schrecken viele, vor allem ältere Kollegen vor der Technik zurück, wie Dürnfelder erklärt: „Damit fangen wir nicht mehr an“, sagen sie laut dem 51-Jährigen – und so gibt es wenige Unternehmen wie seines. Hinzu kommt, dass die Wärmepumpen-Technik in der Ausbildung so gut wie keine Rolle spielt – „zumindest nicht zu meiner Zeit“, sagt der Meister.

Viele Aufträge auf der Warteliste

Dass wenige Unternehmen in der Region diese Technik verbauen, macht sich neben dem jährlichen siebenstelligen Umsatz vor allem in den Auftragsbüchern der Firma Frank Dürnfelder bemerkbar: zehn bis elf Monate Vorlauf und 28 Aufträge auf der Warteliste. Schuld sind wie in vielen anderen Bereichen Lieferengpässe.

Zwei Azubis im Betrieb

„Engpass“ ist auch beim Thema Nachwuchssuche das Stichwort. Zwar freut sich der 51-Jährige aktuell über gleich zwei junge Auszubildende in seinem Betrieb, in der Vergangenheit habe es aber auch Jahre gegeben, wo es keine einzige Bewerbung gab. Umso stolzer ist Dürnfelder, dass nun auch seine 17 Jahre alte Tochter Lara in seine Fußstapfen tritt, sich seit dem 1. August dieses Jahres zur Anlagenmechanikerin ausbilden lässt und dann „ihren Papa in Rente schickt“, wie er lachend sagt. Und das in einem deutlich männerdominierten Beruf. Dabei wünscht sich der 51-Jährige, dass sich mehr Frauen trauen, den Beruf auszuüben – schließlich hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. „Das alte Bild, bei dem die Handwerker dreckig und stinkend nach Hause kommen, nachdem sie nur Toiletten und Abflüsse montiert und gereinigt haben, ist immer noch in den Köpfen verankert. Dabei ist das gar nicht mehr so“, sagt Dürnfelder.

Zwar gehören diese Arbeiten noch immer zum Alltag, jedoch spielen Technik und Digitalisierung gerade in dem Unternehmen in Lispenhausen eine immer größere Rolle.

„So langsam dreht sich das Blatt“, sagt der 51-Jährige mit Blick auf das Nachwuchsproblem über seinen Job, den er durch den wachsenden Fokus auf die Themen Heizen und Energie für mehr als zukunftssicher hält: „Die Energiewende kommt ja jetzt erst.“

Über Umwege zum Traumjob

Über Umwege an seinen Traumjob zu gelangen, ist nicht ungewöhnlich. Während heutzutage viele junge Menschen erst einmal studieren, ist Frank Dürnfelder damals im Handwerk gelandet – und geblieben.

Mit dem Ziel der Offiziers-Laufbahn bei der Bundeswehr vor Augen – dazu war entweder das Fachabitur oder eine abgeschlossene Ausbildung notwendig – hat der 1971 geborene Dürnfelder 1989 die Lehre zum Gas-Wasser-Installateur bei Völlkopf begonnen. „Was für eine Ausbildung ich mache, war mir egal, ich wollte einfach nur zum Bund“, sagt der heute 51-Jährige. Für die Rotenburger Firma hat er sich entschieden, weil er schon immer in der Stadt an der Fulda gelebt hat und so seinen Arbeitsweg mit dem Fahrrad bewältigen konnte.

„Etwas Handwerkliches wollte ich eh machen.“ Was als Gas-Wasser-Installateur genau auf ihn zukommt, wusste er allerdings nicht: „Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht“, sagt Dürnfelder und erinnert sich, wie er an seinem ersten Arbeitstag eine verstopfte Toilette reinigen musste.

Ein Jahr Wehrdienst

Nach einem Jahr Wehrdienst bei der Bundeswehr – „da habe ich gemerkt, dass es nichts für mich ist“ – hat Dürnfelder wieder bei Völlkopf eine Ausbildung zum Heizungsbauer begonnen und nach zwei Jahren abgeschlossen. „Damals waren das noch zwei Berufe, heute ist es einer.“ Und weil er nach der Meisterschule nicht ewig Monteur bleiben wollte, gibt es heute seine Heizungs- und Sanitärfirma in Lispenhausen.

(Lea-Sophie Mollus)

So wirkt die Wärmepumpe

Wer sich zum Heizen mit einer Wärmepumpe entscheidet, hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Modellen: Außenluft, Tiefenbohrung und Luft-Wasser-Geräten. Am effizientesten ist laut Frank Dürnfelder aber die Außenluft-Wärmepumpe, die nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei älteren Häusern problemlos installiert werden kann. An der Stelle des vorhandenen Öl- oder Gaskessels im Haus wird eine Wärmepumpe verbaut. Ein sich darin befindender mit Strom betriebener Kompressor verdichtet zwei Drittel der Außenluft und ein Drittel Antriebsenergie, sodass Wärme entsteht. (lea)

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