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Gastronomen-Familie Hanstein tritt beim Rotenburger Strandfest kürzer

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Von: Susanne Kanngieser

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So kennen es die Rotenburger: Im sogenannten Bermudadreieck an der Alten Fuldabrücke hat am Strandfest immer reges Treiben geherrscht.
So kennen es die Rotenburger: Im sogenannten Bermudadreieck an der Alten Fuldabrücke hat am Strandfest immer reges Treiben geherrscht. Unser Foto entstand 2018. © Laura Böhnert

Bis zu 1000 Menschen haben in den vergangenen Jahren im Rotenburger „Bermudadreieck“ beim Strandfest gefeiert. Jetzt wird Einiges anders.

Rotenburg – Mit einem kleinen Bier-Pilzchen und zwei Zapfern hatte alles begonnen. Anfang der 1980er-Jahre traf sich eine kleine Gruppe vor dem Schlosstor und läutete freitags gut gelaunt das Strandfest ein. Es wurde gesungen, Musik mit Hand gemacht und geschunkelt. Die Wirtsleute Ruth Hanstein, geborene Thrän, Ehemann Reiner und Bruder Bernd Thrän servierten die Getränke.

Es war eine gemütliche, fröhliche Atmosphäre, die selbst starke Regenschauer und nasse Hosen nicht vertreiben konnte. Zwischen Alter Fuldabrücke und Brückengasse sah es in den vergangenen Jahren anders aus. Aus dem Pilzchen wurde ein großer, stattlicher Bier-Pilz mit acht Männern und Frauen an den Zapfhähnen. Bis zu 1000 Menschen feierten in den vergangenen Jahren im sogenannten Bermudadreieck. Damit ist jetzt Schluss. Zumindest für Ehepaar Hanstein, das in diesem Jahr erstmals nur in der Schlossklause Gäste bewirten wird. Und da sind bereits jetzt schon alle Außentische für Strandfest-Freitag reserviert.

„Wir haben unsere Entscheidung gründlich überlegt und nachgedacht, ob es richtig ist“, sagt Ruth Hanstein, die 1994 das Gasthaus ihrer Eltern Hans und Marie-Luise gemeinsam mit Ehemann Reiner übernahm.

Ein Schlägerei gab es nie

Nach 39 Jahren, in denen es niemals eine Schlägerei oder Randale gab und nie die Polizei gerufen werden musste, zieht das Paar eine positive Bilanz. „Strandfest war für uns eine Herzensangelegenheit. Es hat uns in all den Jahren sehr viel Spaß gemacht“, betont die 61-jährige Wirtin, die von vielen Gästen liebevoll Ruthchen genannt wird. Darum wolle man lieber die vergangene Zeit in guter Erinnerung behalten. Dann aufhören, wenn man nichts bereuen muss. Denn der Stress wurde in all den Jahren zunehmend stärker. Jetzt freut sich die Familie, wenn man am traditionellen Rotenburger Feier-Wochenende länger schlafen oder endlich mal mit den Enkelkindern Teelichter im Schlosspark anzünden kann.

Mehr Zeit für die Familie: Ruth und Reiner Hanstein wollen künftig auch mal mit ihren Enkeln ein Teelicht im Schlosspark anzünden. Das wird auch die fünf Enkelkinder freuen. Von links: Ida, Tilda, Luise, Henry und Joris.
Mehr Zeit für die Familie: Ruth und Reiner Hanstein wollen künftig auch mal mit ihren Enkeln ein Teelicht im Schlosspark anzünden. Das wird auch die fünf Enkelkinder freuen. Von links: Ida, Tilda, Luise, Henry und Joris. © Familie Hanstein

Zwei Stunden Schlaf mussten reichen

14 Tage seien nach den Strandfest-Wochenenden nötig gewesen, um wieder alles auf die Reihe zu bekommen. Die beiden Gastronomen sind Perfektionisten. „Wir haben den Anspruch, dass alles rund laufen muss.“ Und es gab ja auch die Schattenseiten im Bermudadreieck. Jedes Jahr sind 1300 bis 1400 Gläser verschwunden oder kaputt gegangen. Zwei Stunden Schlaf mussten in der Nacht zum Samstag reichen. Denn dann ging es ja weiter mit dem Saubermachen und den Vorbereitungen in der Küche. Ruth Hanstein hofft, dass sie jetzt auch mehr Zeit hat für das ein oder andere Gespräch mit den Gästen. „Die zwischenmenschlichen Kontakte haben mir in den vergangenen Jahren mehr und mehr gefehlt“, sagt sie.

Viele schöne Erinnerungen

Erinnerungen gibt es viele. Zum Beispiel fiel einmal die Klimaanlage aus – bei 30 bis 34 Grad Außentemperatur. Nachts um drei Uhr, wenn die Gäste verschwunden sind und aufgeräumt und geputzt war, versammelte sich die ganze Familie und die engagierten Helferinnen und Helfer bei Kuchen, Kaffee und ahler Worscht, „um den Tag sacken zu lassen“. Auch das Wettschwimmen in der Fulda, die kurze Raucherpause auf dem Bierfass oder das gegrillte Schwein am Spieß, das fertig zubereitet war, als es zu regnen begann, gehören zu den unvergessenen Ereignissen.

Immer viele Helfer dabei

Viele Hände hätten geholfen in den vergangenen 39 Jahren, das hat Ehepaar Hanstein sehr berührt. Gäste bedankten sich in Briefen „für das tolle Strandfest“ oder drückten die Wirtin innig ans Herz. Die Teams in Küche und am Bier-Pilz seien standfest geblieben und hätten immer hinter den Wirtsleuten gestanden. Gemeinsam habe man Hand in Hand gearbeitet. Nie haben sie es bereut, fester Bestandteil im Strandfest-Programm zu sein. Und sie haben alles mit Bravour bestanden. Doch jetzt sollen sich die anderen Kollegen an künftigen Strandfesten engagieren. Für ein gutes und friedliches Gelingen drückt Ehepaar Hanstein jedenfalls fest die Daumen.

Für Bier im Bermuda-Dreieck sorgt dieses Jahr das Bacco-Team von Giancarlo Esposito.
Für Bier im Bermuda-Dreieck sorgt dieses Jahr das Bacco-Team von Giancarlo Esposito. © Christopher Ziermann

Und es geht natürlich weiter: Das Pappa Joe sorgt wie üblich für Bier im Bermudadreieck – zusätzlich ist das Bacco-Team von Giancarlo Esposito mit einem Bier-Pilz vertreten. „Ich freue mich sehr, zu einem Stück Rotenburger Tradition beizutragen“, sagt Esposito. (Susanne Kanngieser)

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