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Grunwald schlägt ÖPNV-Ausbau für Rotenburg vor: Mehr Haltestellen, mehr Busse

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Von: Christopher Ziermann

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Bushaltestelle Bahnhof Rotenburg
Alle nötigen Wege im Alltag mit Bus und Zug (und wo nötig AST) machen: Das soll in Rotenburg bald möglich sein. Unser Bild zeigt die Bushaltestelle am Bahnhof. © Christopher Ziermann

In Rotenburg könnte es ab Dezember viele Neuerungen im Stadtverkehr geben.

Rotenburg – Halbstunden-Takt beim Busverkehr, übersichtlichere Fahrpläne und eine Anbindung der „topografisch anspruchsvollen Wohngebiete“ in der Kernstadt an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): All das könnte in Rotenburg ab dem Fahrplanwechsel im Dezember angeboten werden. Das schlägt Bürgermeister Christian Grunwald vor. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hat auf sein Bitten hin ein entsprechendes Konzept erarbeitet.

Veranschlagt werden 250.000 Euro jährlich im Stadthaushalt. Stand heute lässt sich die Stadt Rotenburg den Busverkehr lediglich 25.000 Euro aus Eigenmitteln kosten. Grundsätzlich ist der vom Land und den Landkreisen getragene NVV für den ÖPNV zuständig.

Grob umrissen hatte Grunwald seine Pläne schon im Rahmen seiner Haushaltsrede im November 2021, also vor dem Ukraine-Krieg. „Das Thema passt absolut in die Zeit. Der Sprit wird nicht günstiger und in Rotenburg arbeiten wir ja schon länger daran, die Autos künftig weitestgehend aus der Innenstadt herauszuhalten. Wenn wir das Angebot von Parkplätzen verknappen, müssen wir dafür einen Ausgleich schaffen“, sagt der Bürgermeister.

Das Ziel: Alle Wege des Alltags sollen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen sein. Warum ist das heute noch nicht so beziehungsweise warum nutzen die Menschen das vorhandene Angebot bislang so wenig? Dafür gibt es mehrere Gründe, und dabei ist die Gewohnheit nur einer. „Der Fahrplan ist aktuell ziemlich zerfleddert. Er muss übersichtlich und verlässlich sein“, nennt Grunwald einen der Punkte, die im neuen Konzept Berücksichtigung finden.

Wer zum Beispiel im Weihersgrund wohnt oder auf den Hängen der Hochmahle im Bereich der Straße „Zur Hexenlinde“, für den ist die nächste Haltestelle einfach zu weit weg. Ein Busverkehr ist in engen Straßen mit engen Kurven auch nicht überall möglich. Die Lösung: zehn neue Haltestellen für Anrufsammeltaxis (AST) – zum Beispiel auch einer unmittelbar am Haupteingang des Kreiskrankenhauses.

Diese Halte werden von Taxis bedient, die vorab bestellt werden müssen – aber nicht den üblichen Taxi-Preis kosten, sondern den Preis einer Busfahrt plus ein Euro. Eine Einzelfahrt mit dem Bus schlägt derzeit mit 2,30 Euro zu Buche (Jugendliche 1,50 Euro), ein Single-Multiticket für den Stadtverkehr (24 Stunden) mit 4,80 Euro. Das Multiticket (zwei Erwachsene plus drei Kinder oder Jugendliche) kostet 6,80 Euro.

Allerdings sind nicht nur der Preis und die Nähe zur nächsten Haltestelle eine wichtige Basis für die Nutzung des ÖPNV, sondern auch die Frequenz. Am Marktplatz könnte man werktags zur Schulzeit künftig 100 statt bisher 44 Mal in einen Bus einsteigen, in den Ferien sogar 75 statt bisher 16 Mal. Auch der Umstieg in den Zug am Bahnhof wird in vielen Fällen kundenfreundlicher. Wenn alle 30 Minuten ein Bus fährt, sorgt das auch für mehr Kunden, weil Spontanität und Flexibilität zunehmen, ist im Konzept des NVV zu lesen. So erklärt Grunwald auch den vermeintlichen Widerspruch, dass man aus dem Stadtbild viele oft leer herumfahrende Busse kennt, nun aber trotzdem noch mehr Busse fahren sollen.

Das neue ÖPNV-Konzept für Rotenburg
Zu den Bushaltestellen sollen in Rotenburg zehn AST-Haltestellen hinzukommen. © HNA-Grafik

Die Erfahrungen aus anderen Städten in Nordhessen untermauern diese Erwartung. In Bad Hersfeld ist Christian Scholz, Leiter der städtischen Wirtschaftsbetriebe, für den Stadtbus zuständig. 500.000 Euro jährlich werden in der Kreisstadt in den Halbstundentakt investiert, der zum Beispiel die Hohe Luft, den Johannesberg und Sorga abdeckt. Alle 30 Minuten treffen die Linien am Knotenpunkt Breitenstraße aufeinander, wo man umsteigen kann. „Ein höherer Takt schafft höhere Nachfrage, wenn eine gewisse Bevölkerungsdichte da ist“, sagt Scholz. Er erklärt auch, warum es wirtschaftlich ist, auch für die nur sehr gering frequentierten Fahrten große Busse einzusetzen. Die seien für den Schulbetrieb notwendig – zusätzlich kleinere Fahrzeuge bereitzuhalten wäre teurer.

Einen sehr hohen Stellenwert hat der ÖPNV in Melsungen. Die Stadt ist etwas kleiner als Rotenburg, hat also weniger als halb so viele Einwohner wie Bad Hersfeld und lässt sich den Stadtbus ebenfalls 500.000 Euro kosten, dazu kommen 365.000 Euro für zusätzlichen AST-Verkehr und Schul- und Kindergartenfahrten, heißt es aus dem Rathaus auf Nachfrage.

In Rotenburg sollen künftig auch das Waldschwimmbad und das Wildgehege mit Bussen bedient werden. Insgesamt würde der Busverkehr stark zunehmen. Die Buskilometer würden um 72.000 pro Jahr steigen, die Fahrtstunden um 3200. Dafür wäre ein weiterer Linienbus nötig. Bei den Anrufsammeltaxen wird mit rund 10.000 zusätzlichen Fahrtkilometern kalkuliert (Kosten: 18.000 Euro).

Der NVV rechnet mit einer Verdopplung der Fahrgastzahlen (außerhalb des Schulverkehrs) in kurzer Zeit. Gesamtkosten von jährlich 264.000 Euro stehen – laut Grunwald konservativ kalkulierte – Einnahmeerwartungen von 53.000 Euro gegenüber. Das ergäbe ein Defizit von 211.000 Euro. Als Posten für den Haushalt werden 250.000 Euro vorgeschlagen.

Bürgermeister Grunwald, der den NVV für das „professionell und mit viel Detailliebe ausgearbeitete Konzept“ lobt, freut sich auch darüber, dass die Bedeutung des Rotenburger Bahnhofs durch die zahlreichen neuen Busverbindungen zunehmen würde.

Für die Ortsteile, wo die Fahrgastzahlen niedriger sind, wird derzeit der Einsatz von Bürgerbussen erwogen.

Die Entscheidung, ob das Konzept umgesetzt wird, obliegt der Stadtverordnetenversammlung. Sie tagt am Donnerstag, 22. September, ab 19.30 Uhr im Bürgersaal am Bahnhof, der vorbereitende Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. (Christopher Ziermann)

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