Jakob-Grimm-Schule ist richtiger Ort für Geschichte

Rotenburg: "Hochschule hinter Stacheldraht" wird Dauerausstellung 

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Lange war sie eingelagert, nun bekommt die Ausstellung "Hochschule hinter Stacheldraht" ihr endgültiges Domizil: Sie wird künftig in der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule (JGS) aufgebaut. 

Konzipiert wurde die Ausstellung von dem Rotenburger Historiker Dr. Heinrich Nuhn. Derzeit wird sie als Dauerausstellung erweitert und Teil des jüdischen Museums in einem Untergeschossraum der JGS.  

Ermöglicht wurde die Dauerausstellung nicht zuletzt mit einer Spende der Bürgerstiftung, die 2500 Euro zusteuerte, ebenso wie der Förderkreis Jüdisches Museum, der mit der gleichen Summe mit im Boot ist. Weitere Spenden werden benötigt.

Wenn alles glatt läuft, so erklärte Nuhn, soll die Ausstellung im Dezember diesen Jahres offiziell eröffnet werden. Dann nämlich, wenn sich die Inhaftierung der ersten polnischen Offiziere in der 1939 zum Offiziersgefangenenlager umfunktionierten Schule zum 80. Mal jährt. Bis März 1945 waren hier Offiziere nicht nur aus Polen, sondern auch aus Belgien, Großbritannien und dem Commonwealth sowie den USA inhaftiert.

Unter den britischen Offizieren waren auch fünf jüdischen Glaubens, für die die Gefangenschaft zynischerweise das Überleben sicherte. Vier von ihnen waren aus Rumänien und Weißrussland zunächst nach Palästina geflüchtet. Von dort aus hatten sie sich in British Brigades dem Krieg gegen Nazi-Deutschland angeschlossen. Im Offizierslager waren sie vor dem Zugriff der Gestapo sicher, berichtete Nuhn.

An den Aufbauarbeiten beteiligt sind Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses von Dr. Dietrich Karpa, die es spannend finden, was sich vor Jahrzehnten in ihrer Schule abgespielt hat. Schulleiterin Sabine Amlung, die sich nach den Worten Nuhns sehr dafür eingesetzt hat, in den ehemaligen Lehrerwohnungen das Archiv einzurichten und damit Platz für die Dauerausstellung zu schaffen, ist sicher, dass die künftige Ausstellung auch im Unterricht gut genutzt werden kann.

Die Ausstellung war im Dezember 2014 im Kreisheimatmuseum eröffnet worden und konnte bis Februar 2015 besucht werden. Der Titel „Hochschule hinter Stacheldraht“ rührt daher, dass den Offizieren laut Genfer Konvention das Recht auf Bildung, Kunst und Unterhaltungstätigkeiten zustand sowie das Praktizieren von religiösem Leben und auf Korrespondenz. 

So nutzten die Gefangenen die Zeit nicht nur für Schauspiel und Malerei, sondern auch für richtige Studien: Unter den Reserveoffizieren gab es eine Reihe von Wissenschaftlern, die regelrechte Lehrveranstaltungen anboten und berechtigt waren, Prüfungen abzunehmen. Für das Lehrmaterial und die Weiterleitung der Prüfungsleistungen an britische Hochschulen sorgte das Internationale Rote Kreuz, berichtete Dr. Nuhn schon 2014.

Zu den Exponaten gehören nicht nur Lebensläufe von Gefangenen sowie spannende Berichte über Fluchtversuche, sondern auch Exponate wie ein selbstgebasteltes Radio samt Gymnastiklederball, in dem die Radioteile versteckt waren oder ein Handwagen, mit dem die Flucht versucht wurde.

Spendenkonto

Kontoname: „Hochschule hinter Stacheldraht“, IBAN: DE 87 532500000050063640, SWIFT-BIC: HELADEF1HER

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