Viel Lob für Organisatoren und Team

Ein Tag, der Hoffnung weckt: Impfzentrum in Rotenburg hat Arbeit aufgenommen

Nach langem Warten und vielen Vorbereitungen ist das Impfzentrum in Rotenburg gestartet. Wir haben Eindrücke von der Premiere gesammelt.

Rotenburg – Jürgen Reichardt öffnet einer alten Dame aus Heringen die Tür seines Taxis, das er gerade direkt vor die Göbel Hotels Arena in Rotenburg gesteuert hat. Er legt sanft seinen Arm um sie und begleitet sie und ihren Mann bis zur Eingangstür der Arena, wo das Impfzentrum des Kreises Hersfeld-Rotenburg Premierentag hat.

Die Schneemassen sind zur Seite geschoben. Der Weg nach Rotenburg und auf den Berg ist freigeräumt. „Top“, urteilt der erfahrene Taxifahrer. Die Sorgen, die sich seine Fahrgäste zuvor wegen des Wintereinbruchs gemacht hatten, erweisen sich als unbegründet. Und noch dazu empfangen strahlender Sonnenschein und ein traumhafter Blick über das verschneite Rotenburg die Impflinge.

Lachende Gesichter danach: Für Margrit und Günter Schaub aus Bad Hersfeld war es keine Frage, sich impfen zu lassen. Tochter Imke Leipold (rechts) konnte ihnen einen gemeinsamen Termin organisieren.

Genug freie Parkplätze

Auch der Taxifahrer erhält das Angebot, im großen Wartebereich in der angenehm warmen Eingangshalle die knappe Stunde zu verbringen, die er warten muss. Doch er setzt sich lieber in seinen Wagen. Freie Parkplätze vor der Halle gibt es genug.

Und so aufmerksam und liebevoll wie der Heringer Taxifahrer seine Fahrgäste begleitet, so geht es auch hinter der Eingangstür weiter. Das bescheinigen viele Besucher den Organisatoren und dem Impfteam, nachdem sie sich im „Impfstraßen-Labyrinth“ den Piks abgeholt haben.

Lotsen helfen weiter

Blaue Pfeile auf dem Boden weisen den Weg. An jeder Ecke stehen Lotsen, die weiterhelfen. An der ersten Station werden die Unterlagen der Besucher gecheckt. Dann geht es kurz in den Wartebereich oder direkt zur Anmeldung, die Temperatur wird gemessen, das Gespräch mit dem Arzt steht an und schon geht es ans Impfen in einer der Kabinen.

Zu den ersten Impflingen des Tages gehören Margrit und Günter Schaub aus Bad Hersfeld. Ihre Tochter Imke Leipold begleitet sie. Günter Schaub war über 30 Jahre lang Pfarrer in Morschen. Ein beeindruckender Pfarrer, den man nicht so schnell vergisst, wenn man ihn mal kennengelernt hat. Jetzt sitzt er nach dem kleinen Piks noch kurz im Wartebereich und erzählt.

Lob für die Betreuung

„Herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind.“ So hatte Dr. Bardo Kürten, der ärztliche Leiter des Impfzentrums, das Ehepaar begrüßt. Er stand zufällig an der Anmeldung. „Wir sind von allen super und sehr menschlich betreut worden“, sind sich die Schaubs einig.

Kontakt zu Kindern eingeschränkt

Sie hoffen, dass sie und alle anderen Menschen nach der Impfung „wieder ein bisschen freier leben können.“ Der 83-jährige Günter Schaub vermisst auch die jährlichen Klassentreffen und die „normalen“ Festspiele. Auch ihre zwei Töchter samt vier Enkeln haben den Kontakt eingeschränkt. „Wir haben einfach Angst, sie anzustecken“, erzählt Tochter Imke Leipold, die selbst Pfarrerin in Wippershain ist. „Aber heute ist ein Tag der Hoffnung“, ist sich die ganze Familie Schaub einig.

Über 20 Mitarbeiter stark ist das Team am Dienstag. Für den Start sind es sicherheitshalber ein paar Leute mehr, als eigentlich gebraucht würden. Am ersten Tag hat das Zentrum von 10 bis 14 Uhr offen. 50 Impfdosen stehen zur Verfügung. 12 bis 13 Impflinge pro Stunde. Überall geht es ruhig zu, gelassen, konzentriert, professionell. Und das tut den alten Herrschaften sichtlich gut, die alle 80 Jahre oder älter sind. Die meisten können noch selbst laufen. Aber auch Rollstühle stehen bereit.

Sein Ärger ist verflogen: Viel Lob gab es für den Impfstart auch von Robert Hahn aus Sorga. Er wurde begleitet von seiner Frau Gudrun.

Eine besondere Vorgeschichte hat Robert Hahn aus Sorga mitgebracht zu seinem Impftermin um 10.30 Uhr. Ihm war versehentlich eine Einladung für einen Impftermin in Wiesbaden ins Haus geflattert. Wo er auch anrief, keiner konnte ihm so richtig weiterhelfen. Für ihn eine Odyssee. Auch dank eines Presseberichts in unserer Zeitung erhielt der 81-Jährige einen Impftermin in Rotenburg gleich am ersten Tag.

Keine Angst vor Nebenwirkungen

Sein Ärger ist längst verraucht. Heute ist auch für ihn ein guter Tag. „Viel Personal, kompetente Mitarbeiter, alles bestens durchorganisiert“, lautet das Fazit des 81-Jährigen. Im Gespräch mit der Ärztin erhält er den Rat, sich an seinen Hausarzt zu wenden, falls die Impfung Nebenwirkungen haben sollte. Doch damit rechnet er nicht, höchstens mit Kleinigkeiten. Der Rat von Robert Hahn und seiner Frau Gudrun, die ihn begleitet, an alle Menschen lautet: „Lassen Sie sich impfen.“ Die beiden haben bei einem befreundeten Ehepaar erlebt, was Corona bedeutet. „Das Paar war plötzlich müde, lethargisch, hat seinen Haushalt nicht mehr versorgt. Dann stellte sich heraus, dass die beiden Corona haben und ins Krankenhaus müssen“, so ihre bittere Erfahrung.

Urlaub mit Enkel schon gebucht

Auch für Gudrun und Robert Hahn aus dem Bad Hersfelder Stadtteil Sorga ist die Impfung ein Licht am Ende des Tunnels. An diesem Nachmittag wollen sie auf jeden Fall noch spazieren gehen und den Sonnenschein genießen. Auch der Urlaub mit ihrem zwölfjährigen Enkel Fabian an der Ostsee im August ist längst gebucht. (René Dupont)

Rubriklistenbild: © René Dupont

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