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Voller Tatendrang: Klaus Hartwig ist der Mann hinter dem Red Castle Run

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Von: Christopher Ziermann

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Klaus Hartwig hat sich schon immer für Vögel begeistert. Unser Foto zeigt ihn mit seinen beiden Hornsittichen.
Bunter Vogel und Tierliebhaber: Klaus Hartwig hat sich schon immer für Vögel begeistert. Unser Foto zeigt ihn mit seinen beiden Hornsittichen. © Christopher Ziermann

Klaus Hartwig aus Rotenburg ist ein bunter Vogel mit Tatendrang. Wenn er für etwas brennt, gibt er alles. Und er hat schon so Einiges erlebt.

Rotenburg – In den Wochen vor dem Red Castle Run hat Klaus Hartwig kaum noch ein Privatleben. Von morgens bis abends telefoniert, organisiert und delegiert er. Wenn er für etwas brennt, gibt er alles. Der Rotenburger Hindernislauf ist ein Paradebeispiel dafür, wie der 34-Jährige auch bei seinen Mitmenschen Begeisterung entfachen kann. Der Lauf funktioniert mit ungewöhnlich großem Engagement von Sponsoren, Vereinen und vielen weiteren Freiwilligen nur in dieser Form, weil weit über hundert Menschen nicht danach fragen, wie sie selbst profitieren können, sondern weil sie von dem Projekt überzeugt sind.

Die Sinus-Kurve war ihm immer fremd

Diese Überzeugung braucht auch Hartwig, wenn er an etwas arbeiten soll. In der Hauptschule an der Jakob-Grimm-Schule ist er einmal sitzen geblieben, auch beim Fachabi in Wirtschaft und Verwaltung in Bebra hat er eine Ehrenrunde gedreht. „Ich habe Probleme damit, Dinge zu tun und Anweisungen anzunehmen, wenn ich den Sinn dahinter nicht sehe. Mit einer Sinus-Kurve hatte ich jedenfalls nie wieder was zu tun“, sagt er.

Sehr religiös aufgewachsen

Ähnlich war das auch im Privatleben. Der Russlanddeutsche, der noch keine zwei Jahre alt war, als sein Familienverbund nach Rotenburg und in die nähere Umgebung kam, ist sehr religiös aufgewachsen. „Damit konnte ich irgendwann nichts mehr anfangen. Für ein Kind ist es schrecklich, wenn alle anderen zur Klassenfahrt fahren, und man selbst darf aus ideologischen Gründen nicht mit“, sagt er. In seiner Familie hat das Bewusstsein dafür auch zugenommen.

Der heute 34-Jährige war schon immer sportbegeistert und interagiert gerne mit Menschen. Beides konnte er im Jahrespraktikum während des Fachabiturs bei Sport Schild in Rotenburg gut verbinden. Er spielte kurzzeitig mit dem Gedanken, gleich im Einzelhandel zu bleiben, und den Abschluss gar nicht erst zu machen, machte dann aber weiter.

Er lebte seine Freiheit aus

Danach lebte er seine Freiheit aus. Mit 400 Euro Startkapital flog er nach Australien und später nach Neuseeland und in die USA, um zu reisen und zu arbeiten. „Ich wollte das Einfache und Naturnahe im Outback kennenlernen. Auch die Flora und Fauna hat mich gereizt“, sagt der Tierfreund, der mit Freundin Joschi zwei Hunde und zwei Hornsittiche hat. Auch Hühner, selbst angebautes Gemüse und ein kleines Waldstück gehören zum Grundstück des Paares in Rotenburg, wo es sich erst mal ganz gut aushalten ließe, wenn die Versorgung mal zusammenbrechen sollte, meint Hartwig.

Engagement in Afrika

Es folgte eine Motorradtour durch Marokko, ein mehrmonatiges Engagement in Afrika über den Lispenhäuser Verein WuWis (Wir unterstützen Waisenkinder in Simbabwe), ein Semester Wirtschaftswissenschaften und Gelegenheitsjobs bei Conti in Bebra und dem Rotenburger Betrieb Sir William, der unter anderem Skulpturen anfertigt. Ab 2011 machte Hartwig bei der Braacher Eventmanagementfirma German Quest eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann. In dieser Zeit wurde unter anderem der Kletterwald vor den Toren Braachs gebaut.

Nicht durch Beton und Traurigkeit laufen

2014 war dann ein neuer Lebensschritt an der Reihe. „Ich wollte nicht mehr, dass die Leute mich immer mit meinem Job verbinden“, sagt Hartwig, der in Braach aufgewachsen ist. Also ging er zur Kasseler Agentur Tigertatze, die deutschlandweit im Bereich Kinderevents und Familienmarketing tätig ist. In Kassel lernte er auch seine Freundin kennen. Er blieb aber stets Pendler. „In eine Großstadt zu ziehen, das kam für mich nie in Frage. Da wäre ich ja mit meinem Hund durch Beton und Traurigkeit gelaufen.“ An der Arbeit wurde Hartwig nach einem Jahr Teamleiter und konzipierte zum Beispiel Familienfeste von Firmen. „Dort habe ich gelernt, mit der Sichtweise anderer Menschen zu denken und individuell nach ihren Vorstellungen Themen aufzubereiten.“

Agentur stellt Hartwig ein

Und er war vorbereitet für sein eigenes Baby, mit dem er 2018 schwanger wurde und das 2019 zur Welt kam. Die MER überlegte gemeinsam mit der Heinebacher Werbeagentur B3Plus, wie man in Rotenburg neue Attraktionen für junge Menschen schaffen könnte. Die Entwicklung solcher Konzepte war Hartwigs Tagesgeschäft, Olga Götzner von B3Plus lud ihn zu einem Brainstorming ein. Die Idee eines Hindernislaufs in der mittelalterlichen Innenstadt nahm schnell Auswüchse an, die für B3Plus und die MER weder personell zu stemmen gewesen wären noch dem jeweiligen Profil auf den Leib geschneidert waren. Das galt und gilt aber für die Neuensteiner Sportagentur Speed von Heide Aust, die Hartwig vom Volleyball bei der TG Rotenburg kannte. Die stellte Hartwig ein.

Idee mehrere hundert Male vorgestellt

Unter seiner Federführung wurden monatelang Sponsoren, Helfer und Genehmigungen an Land gezogen. „Ich habe die Idee mehrere hundert Male vorgestellt. Wir hatten ja schon beim ersten Mal 40 Sponsoren. Dabei habe ich ganz wenig Widerstand erlebt. Es war so, als ob Rotenburg und die Region nur auf so etwas gewartet haben“, erinnert sich Hartwig.

Selbst anpacken statt beschweren

Dabei kam dem Red Castle Run sein Wesen zugute. „Ich verstehe mich eigentlich mit den meisten Menschen“, sagt Hartwig. Er freut sich besonders darüber, wenn er zum gesellschaftlichen Leben in seiner Heimatstadt beitragen kann. Er wolle nicht zu den Menschen gehören, die sich beschweren, dass zu wenig los sei. „Dann kann man selber die Initiative ergreifen“, sagt er.

(Christopher Ziermann)

ZUR PERSON

Klaus Hartwig (34) wurde 1987 in einem kleinen Dorf im Süd-ural in Russland geboren. Nach dem Mauerfall kam die Familie 1989 nach Deutschland, zunächst in eine Flüchtlingsunterkunft in Rosenthal (Waldeck-Frankenberg). Ab seinem fünften Lebensjahr wuchs er in Braach auf. Hartwig schaffte den Sprung von der Haupt- auf die Realschule in Rotenburg, die er 2005 abschloss. Es folgten Fachabitur (2008) und eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann (2014). Er spielt – früher im Wettkampfbetrieb, heute hobbymäßig – bei der TG Rotenburg Volleyball und engagiert sich im Ukraine Hilfe- und Kulturverein Bad Hersfeld-Rotenburg. Seine Freizeit verbringt er gerne im Garten und in der Natur. Hartwig lebt mit seiner Freundin in Rotenburg und hat keine Kinder. (czi)

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