Alternativer Nahverkehr

Enger Takt hat seinen Preis: Rotenburg könnte für Stadtbusse bald zehnmal mehr Geld ausgeben

Für E-Mobiliät vorbauen: Auf dem Parkplatz Altes Amtsgericht sollen drei Ladestationen entstehen, die sechs Autos gleichzeitig nutzen können. Die Anschlüsse wurden bereits installiert. Die Ladestelle am Marktplatz neben dem Rathaus soll für E-Bikes umgebaut werden, sagt Bürgermeister Christian Grunwald. Geplant ist auch, einige Zufahrten zum Marktplatz durch Poller abzusperren, zum Beispiel von der Taubengasse.
+
Für E-Mobiliät vorbauen: Auf dem Parkplatz Altes Amtsgericht sollen drei Ladestationen entstehen, die sechs Autos gleichzeitig nutzen können. Die Anschlüsse wurden bereits installiert. Die Ladestelle am Marktplatz neben dem Rathaus soll für E-Bikes umgebaut werden, sagt Bürgermeister Christian Grunwald. Geplant ist auch, einige Zufahrten zum Marktplatz durch Poller abzusperren, zum Beispiel von der Taubengasse.

Die Thematik passt zum Weltklima-Gipfel: Die Mobilitätswende in Rotenburg umzusetzen, ist für Bürgermeister Christian Grunwald Zielsetzung der Stadtentwicklung.

Rotenburg – Das betonte er im Zuge der Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs 2022. Grunwald nutzt die Einbringung stets auch für grundsätzliche Aussagen, formuliert eine Art Regierungserklärung.

Und was er zum Thema Verkehrswende zu sagen hatte, wird nicht allen gefallen: „Die Zeiten, in denen denjenigen nachgegeben wurde, die an jedem Geschäft und möglichst nah zum Arbeitsplatz in der Innenstadt einen großen, kostenfreien und möglichst unlimitierten Parkplatz forderten, sind vorbei.“ Die klare Prämisse, die auch durch das in der jüngst von den Stadtverordneten beschlossene Verkehrskonzept deutlich werde, sei: „Die Innenstadt soll den Menschen gehören, nicht den Autos.“

Allerdings funktioniert das nach seiner Einschätzung nur dann, wenn eine Infrastruktur für alternative Mobilitätsformen, für Fußgänger, Radfahrer und andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer geschaffen wird. „Das kostet auch Geld, das wir in unserem Haushalt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln finanzieren müssen.“

Zusammen mit einem Fachbüro sowie unter Beteiligung der Öffentlichkeit und unter Nutzung des Förderprogramms Nahmobilität Hessen soll demnach ein Konzept entwickelt werden, erklärte der Bürgermeister. Vor allem geht es um den Ausbau von sicheren Rad- und Fußwegen. Für eine Verkehrswende sei auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs unabdingbar, besonders bei der Verbindung der Innenstadt mit den Stadtteilen und Stadtquartieren wie der Hochmahle.

Ziel ist, bereits zum nächsten Fahrplanwechsel ein attraktives und möglichst kurztaktiges städtisches ÖPNV-Netz aufzubauen, sodass die Entscheidung leicht falle, statt des Autos den Bus zu nehmen. Ein Konzept wird mit dem NVV erarbeitet und soll in den kommenden Monaten vorgelegt werden, kündigte Grunwald an.

Und er nannte Zahlen: Aktuell zahlt die Stadt demnach 25.000 Euro jährlich für die Stadtbuslinie. Künftig könnten das durch kleine, eng getaktete Linien 250.000 Euro werden.

Mobilitätswende und Klimawandel gehören – übrigens nicht nur für Grunwald – zusammen. „Nichts davon kann zum Nulltarif bewältigt werden“, sagt der Rathauschef und weist darauf hin, dass dazu wieder finanzielle Spielräume nötig sind.

Wie sehr Geld und Klimawandel zusammenhängen, zeigt auch der Blick auf den 1000 Hektar großen Stadtwald. Statt die Stadtkasse jedes Jahr getreulich ordentlich, mit etwa einer halben Millionen Euro, zu füllen, wird eine solche Summe nun jedes Jahr benötigt, um die Schäden auszugleichen, die durch Orkane, Dürre und Borkenkäfer entstanden sind.

Ein Beispiel im Kleinen für den Zwang zum Erfolg des großen Weltklima-Gipfels. (Silke Schäfer-Marg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.