Er sah ein Foto von ihr und verliebte sich

Rotenburg: Lotte und Karl-Heinz Knierim heirateten vor 60 Jahren

Das Fest der diamantenen Hochzeit feiern heute Lotte und Karl-Heinz Knierim in Rotenburg. Beide sind gesundheitlich beeinträchtigt. Das Foto wurde vor zehn Jahren bei der goldenen Hochzeit aufgenommen. Repro:  Vöckel

Rotenburg. Zwischen Lotte und Karl-Heinz Knierim bahnte sich die Liebe über ein Bild und einen Briefwechsel an. Heute, am 4. Mai, feiert das Paar in kleiner Runde diamantene Hochzeit.

Die Eheleute sind gesundheitlich beeinträchtigt. Karl-Heinz Knierim (89 Jahre) wird seit zwei Jahren im Kreisaltenzentrum gepflegt, Lotte Knierim (80 Jahre) ist in eine kleinere Wohnung in Rotenburg umgezogen. Umsorgt werden die Eltern von Tochter Ilka, die in Atzelrode wohnt. Die beiden Söhne, Achim und Gunther, wohnen weit entfernt, kommen aber oft zu Besuch, ebenso wie die vier Enkelkinder, deren Fotos eine Wand in der Wohnung an der Brotgasse zieren.

Gespräch unter Männern

Wie alles begann: Ein Vertreter hatte Karl-Heinz Knierim das Foto der attraktiven jungen Frau beim Gespräch über Frauen gezeigt. Das war im Haus Vaterland in Lispenhausen. Das Café und die Gaststätte sowie ein Lebensmittelgeschäft gehörten ihm und seinem Bruder Walter. Karl-Heinz Knierim verliebte sich schon bei ihrem Anblick.

Auf der Suche nach der jungen Frau war Karl-Heinz dank eines Briefträgers erfolgreich. So fand er Lotte Molter, die mit ihren Eltern in dem 600-Seelen-Dörfchen Ulm bei Wetzlar wohnte. Angestellt war sie in einer Firma in Wetzlar. Sie lernte Hauswirtschaft und später den Beruf einer Einzel- und Großhandelskauffrau. Ein langer Briefwechsel entwickelte sich vor dem ersten Treffen zwischen dem Gastwirt aus Lispenhausen und der Tochter eines Polizisten in dem kleinen Dorf bei Wetzlar. Zum ersten Besuch in Lispenhausen durfte sie nur in der Begleitung ihrer älteren Schwester kommen.

Doch schon im November 1956 feierten sie Verlobung. Die hatten Freunde eingefädelt und das ahnungslose Paar mit zwei goldenen Ringen überrascht.

Auf der Hochzeitsreise, die sie bis in die Schweiz führte, besichtigten die Frischvermählten den europaweit ersten Selbstbedienungs-Lebensmittelmarkt. Karl-Heinz Knierim hat die Stationen dieser Reise auf Fotos festgehalten, professionell und liebevoll. Fotografieren und Zeichnen war schließlich eine seiner Leidenschaften. So stammt aus seiner Feder das Logo der 1200-Jahrfeier in Lispenhausen, das als Wahrzeichen die Kirche, die Wasserburg und das Rathaus mit dem Hirsch als Wappen kombiniert.

Geschuftet ohne Ende

Lotte Knierim kam nach der Hochzeit als einzige Frau in den Männerhaushalt in Lispenhausen. Mit ihrer Ausbildung passte die junge Frau gut ins Geschäft. Doch rückblickend sagt sie: „Das waren harte Jahre. Wir haben geschuftet ohne Ende.“ Das Haus Vaterland war über Jahrzehnte bis zur Schließung 1986 für Alt und Jung ein Anziehungspunkt für Pensionsgäste, Familienfeiern, Versammlungen und Tanzvergnügen. Die Disco Badewanne zog junge Leute aus der Region an. Die Gaststätte war bald aber nicht mehr gefragt. Die Gäste blieben aus. Vereine bauten ihre eigenen Heime. Knierims gaben auf und zogen nach Rotenburg. Beide arbeiteten nun als Angestellte bis zum Eintritt in den Ruhestand.

Das leer stehende Haus Vaterland gehört noch immer der Familie, die es gern verkaufen würde.

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