Schmutzwasser teurer - Niederschlagswasser preiswerter

Stadtwerke Rotenburg machen Schulden für ein gutes Leitungsnetz

Großprojekt Nachtigallenstraße: Die Straße im Rotenburger Stadtquartier Hochmahle wird derzeit grunderneuert. Die Stadtwerke tauschen zudem Wasser- und Kanalleitungen aus. Christian Wassermann (vorn) und seine Kollegen von der Baufirma Fritz Franke haben gut zu tun. Auch die benachbarte Hermann-Löns-Straße ist noch Baustelle. Im nächsten Jahr sollen 830 000 Euro in die Netzerneuerung von Wasserleitungen fließen. Im Bereich Abwasser sind es 1,2 Millionen Euro.
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Großprojekt Nachtigallenstraße: Die Straße im Rotenburger Stadtquartier Hochmahle wird derzeit grunderneuert. Die Stadtwerke tauschen zudem Wasser- und Kanalleitungen aus. Christian Wassermann (vorn) und seine Kollegen von der Baufirma Fritz Franke haben gut zu tun. Auch die benachbarte Hermann-Löns-Straße ist noch Baustelle. Im nächsten Jahr sollen 830 000 Euro in die Netzerneuerung von Wasserleitungen fließen. Im Bereich Abwasser sind es 1,2 Millionen Euro.

Die Stadtwerke in Rotenburg können die Preise für ihre Bürger einigermaßen stabil halten.

Bürgermeister Christian Grunwald hat im Stadtparlament den Wirtschaftsplan der Stadtwerke vorgestellt. Der Wasserpreis bleibt bei 3,25 Euro brutto pro Kubikmeter. Der Preis zur Entsorgung von Schmutzwasser steigt allerdings um 18 Cent pro Kubikmeter auf 2,97 Euro. Drei Jahre lang war der Preis stabil geblieben. Die Niederschlagsgebühr sinkt um fünf Cent auf 78 Cent pro Kubikmeter.

Grunwald sparte nicht mit Kritik: Die richtete sich zum einen an die SPD, die in einer Wahlkampfzeitung im Frühjahr die Verschuldung der Stadtwerke kritisiert hatte. Und sie richtete sich gegen die Tarifpartner im öffentlichen Dienst, die ein „unfassbar starres Korsett“ entwickelt hätten, um angemessen auf Personalmangel reagieren zu können. „In der öffentlichen Verwaltung ist ein Wettbewerb um Ressourcen und Mitarbeiter in vollem Gange“, sagte Grunwald. Das Korsett bedürfe dringend einer Reform, um eine marktgerechte und adäquate Bezahlung zu ermöglichen. „Das wird nicht billiger für die Kommunen“, prophezeite Grunwald.

Vier Millionen Euro neue Schulden

Für das kommende Jahr ist eine Nettoneuverschuldung von rund vier Millionen Euro geplant. Grunwald reagierte auf die SPD-Kritik: Das kommunale Infrastrukturvermögen müsse für kommende Generationen erhalten werden und dürfe nicht, wie bei den Straßen geschehen, durch Unterlassung von Unterhaltung kaputtgespart werden.

Die Stadtwerke als Eigenbetrieb der Stadt selbst hätten aber aufgrund des Kommunalen Abgabengesetzes (KAG) nicht die Möglichkeit, Investitionen durch reichlich Überschüsse zu finanzieren. Denn das Gebührenaufkommen dürfe die Kosten nicht übersteigen. Deshalb müssten auch Gewinne von den Vorjahren wieder zu Gebührensenkungen eingesetzt werden. Die Aufnahme von langfristigen Krediten sei das einzige Mittel, um Infrastruktur zu erneuern, um auch die gesetzlichen Anforderungen im Wasser- und Abwasserbereich zu erfüllen und dabei den Gebührenzahler nur in geringem Maß zu belasten. Grunwald glaubt, dass weder die Alternative von wiederkehrenden Erneuerungsbeiträgen noch ein Ansatz von kalkulatorischen Kosten in der Gebührenkalkulation mehrheitsfähig im Parlament sind, weil gerade Letzteres mit erheblichen Gebührenerhöhungen verbunden sei. (Silke Schäfer-Marg)

Hier investieren die Rotenburger Stadtwerke

Wie das Geld der Stadtwerke 2022 eingesetzt werden soll, zeigen die folgenden Beispiele in einer Übersicht.

Vermögensplan Wasser

Netzerneuerung: 830 000 Euro.
Erschließung Baugebiet Lispenhausen: 455 000 Euro.
Planungskosten: 45 000 Euro.
Erweiterung Leitungsnetz: 25 000 Euro.
Digitalisierung Netzpläne: 20 000 Euro.
Wasserzähler und Zubehör: 20 000 Euro.
Tilgung von Krediten: 650 000 Euro.
Verzinsung von Eigenkapital: 248 000 Euro.

Vermögensplan Abwasser

Bereich Kanal: Baugebiet Lispenhausen: 1,4 Mio. Euro.
Baugebiet Kita Braach: 1,2 Mio. Euro.
Hauptsammler Schwarzenhasel-Stauraumkanal: 1,3 Mio. Euro. Planungskosten:
100 000 Euro.
Digitalisierung Netzpläne: 40 000 Euro.
Rattenfangstationen: 22 500 Euro.
Bereich Kläranlage: 550 000 Euro Schalt- und Steueranlagen.
Gebläse Kläranlage 140 000 Euro.
Membranbelüfter am Pumpwerk alte Kläranlage Lispenhausen: 50 000 Euro.
Trafo Stromversorgung Kläranlage: 30 000 Euro.
Motor Blockheizkraftwerk 50 000 Euro. Tilgung von Krediten: eine Mio. Euro. Verzinsung Eigenkapital: 356 000 Euro.

Vermögensplan Strom und Wärme

Solarmodule: 60 000 Euro.
Tilgung von Krediten: 11 000 Euro.

Der Vermögensplan der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft AGLW umfasst 15 000 Euro, der des Technischen Rathauses 8000 Euro.

Insgesamt schließt der Vermögensplan der Stadtwerke, also der für Investitionen, mit 8,9 Millionen Euro ab. Der Erfolgsplan, also die laufenden Geschäfte, liegt im Ertragsbereich bei knapp sieben Millionen Euro, denen Aufwendungen von 6,1 Millionen Euro gegenüberstehen. Es wird mit einem Jahresgewinn von rund 840 000 Euro gerechnet. Die Abschreibungen liegen bei knapp zwei Millionen Euro, die Nettoneuverschuldung bei vier Millionen Euro.

Der Schuldenstand der Stadtwerke liegt 2022 bei 33 Mio. Euro. Fügt man diese Summe zur Gesamtverschuldung des Kernhaushalts von 26,6 Mio. Euro, liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in Rotenburg bei 4270 Euro. Das geht aus dem Haushaltsplanentwurf der Stadt hervor. (sis)

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