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Rotenburg wird für hunderte Studenten zum Zuhause auf Zeit

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Von: Christopher Ziermann

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Das Hochhaus in der Durstewitz-Straße gehört drei Jahre lang zum Alltag der beiden Studenten Simon Vater und Sara Muminovic.
Das Hochhaus in der Durstewitz-Straße gehört drei Jahre lang zum Alltag der beiden Studenten Simon Vater und Sara Muminovic. © Christopher Ziermann

Studieren in Rotenburg: Wie das Studentenleben in der Fuldastadt ist, zeigt ein neuer Imagefilm des Studienzentrums. Außerdem berichten zwei junge Menschen über ihre Erfahrungen.

Rotenburg – Wie ist das, wenn man als junger Mensch aus der Metropolregion Rhein-Main ins beschauliche Rotenburg kommt? Ist die Fuldastadt für die zahlreichen Absolventen des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz als Wohnort etwas, das man während der Ausbildung oder des Studiums eben hinnehmen muss?

Für Sara Muminovic aus Nidderau bei Hanau und Simon Vater aus Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt ist es genau anders herum.

„Die Atmosphäre hier und das Miteinander machen das Studium so schön“, sagt Simon Vater. Sara Muminovic meint sogar: „Ich bin Fan von Rotenburg.“

Beide absolvieren ihr Studium im Fachbereich Steuer und hätten auch die Möglichkeit gehabt, das heimatnah in Frankfurt zu tun, wo es wegen der hohen Anwärterzahlen seit einigen Jahren auch einen Campus gibt.

Aber Simons Schwester und eine Freundin von Sara, die beide schon in Rotenburg die Schulbank gedrückt hatten, legten ihnen die Kleinstadt in Nordhessen wärmstens ans Herz. „Hier studieren wir mit weniger Stress als in Frankfurt.

Man kommt sonntags oder montags an und fährt freitags wieder nach Hause – es gibt eine klare Trennung zwischen Ausbildungsphase und Privatleben“, sagt der 24-jährige Simon. Die 21-jährige Sara fügt hinzu: „Es gibt einen sehr hohen Zusammenhalt.

Wir haben Zimmer nebeneinander, treffen uns in den Aufenthaltsräumen, unternehmen etwas zusammen – das ist viel schöner, als jeden Tag zu pendeln. Und die Ausbildung ist hier sehr menschlich und freundlich.“

Gute Aussichten aus dem 12. Stock

Beiden gefällt die Rotenburger Altstadt, der Schlosspark und dass die Fulda mitten durch die Stadt fließt. Dabei kommen sie auch in den Genuss von Anblicken, die Einheimische gar nicht unbedingt kennen: Sonnenaufgänge mit Ausblick aus dem 10. Stock, wo Sara im Hochhaus in der Josef-Durstewitz-Straße lange ihr Zimmer hatte, oder gar ein Morgen über den Wolken im 12. Stock des HKZ, wo Simon eine zeitlang gewohnt hat.

Diesen Ausblick auf Rotenburg (links im Bild die katholische Kirche) hat Sara Muminovic aus ihrem Zimmer im Hochhaus an der Josef-Durstewitz-Straße.
Diesen Ausblick auf Rotenburg (links im Bild die katholische Kirche) hat Sara Muminovic aus ihrem Zimmer im Hochhaus an der Josef-Durstewitz-Straße. © Christopher Ziermann

Für die Freizeitgestaltung macht das Studienzentrum zahlreiche Angebote: Fitnessstudio, Schwimmbad, Kegelbahn, zahlreiche Sportkurse – und zum Feiern lädt der Beat-Keller ein. All das war zwar in der Corona-Zeit auch nicht immer möglich, wurde aber möglich gemacht, sobald es ging.

Angesprochen auf die Kneipe Pappa Joe an der Alten Fuldabrücke, die als Stammlokal der Finanzhochschüler gilt, schmunzeln die beiden. „Da sind wir vielleicht nicht die richtigen Ansprechpartner. In der Corona-Zeit war da nicht immer geöffnet und das Phänomen Pappa Joe ist bei uns gar nicht so aufgekommen. Aber wir kennen es aus Geschichten der älteren Jahrgänge.

Das ist schon die Kneipe, über die am meisten geredet wird“, sagt der 24-Jährige. Aber auch die Biermanufaktur im Schlosspark kommt bei den Studenten sehr gut an.

In Rotenburg verbringen sie, aufgeteilt auf drei Phasen, zwei Drittel ihres dualen Studiums. Die übrige Zeit der drei Jahre arbeiten sie in den Finanzämtern, die sie eingestellt haben. Rotenburg wird in diesem Lebensabschnitt zum Zuhause. Es entstehen zahlreiche Freundschaften – zum Beispiel bei Kino- oder Pizza-Abenden. Simon hat hier auch seine Freundin kennengelernt.

Studenten haben 40-Stunden-Woche

Aber: Die Studenten müssen auch richtig schuften. „Wir werden während unseres Studiums ja auch bezahlt und die Erwartung ist natürlich, dass wir auch etwas machen. Man hat genug Zeit zum Lernen, aber man muss sich auch dransetzen“, sagt Simon.

Der neu gestaltete Innenhof des Studienzentrums ist eine der zahlreichen Aufenthaltsmöglichkeiten.
Der neu gestaltete Innenhof des Studienzentrums ist eine der zahlreichen Aufenthaltsmöglichkeiten. © Christopher Ziermann

Von einer 40-Stunden-Woche müsse man ausgehen – je nach Anspruch aber auch noch einiges mehr. „Viele glauben immer, dass wir so viel mit Mathe zu tun haben. Aber es ist eher das Juristische, das eine großen Teil unserer Ausbildung einnimmt.

Der Gutachtenstil, den man dabei anwenden muss, ist für viele von uns eine große Herausforderung“, sagt Sara. Und in Drucksituationen ist es eben die freundliche Atmosphäre, die den jungen Menschen ihr Studium erleichtert. Wer Hilfe brauche, bekomme die am Studienzentrum auch.

Das passt in das gesamte Bild von Rotenburg, das die 21-Jährige und der 24-Jährige zeichnen. Die Einheimischen seien stets zuvorkommend und freundlich, sie grüßen – „Man hat das Gefühl, hier kennt jeder jeden. Und auch wir werden nicht wie Fremde behandelt“, sagt Sara Muminovic.

Eine Atmosphäre, die auch der jüngst vorgestellte Imagefilm des Studienzentrums transportieren will. Sara und Simon gehören zu den Schauspielern im rund vierminütigen Video-Clip.

Studienzentrum hat Imagefilm gedreht

Das Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz hat im vergangenen Herbst einen Imagefilm gedreht, der nun veröffentlicht worden ist.

Das Video, das etwas über vier Minuten dauert, soll die Unsicherheiten der jungen Leute zu Beginn, die Herausforderungen im Laufe der Zeit und ihre gemeinsamen Erfolge darstellen.

Wie läuft das Leben am Campus, was machen die Studenten und Auszubildenden in ihrer Freizeit, wie wird gelernt und gelehrt? Gedreht hat den Film die Produktionsfirma Studio Weichselbaumer aus Passau.

Die Darsteller sind ausschließlich Absolventen, Angestellte und Dozenten. Insgesamt wollten 140 von ihnen mitmachen – ins Video geschafft haben es neben Sara Muminovic und Simon Vater noch drei weitere junge Leute. Der Film hat einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet. Er ist zu finden auf dem Youtube-Kanal „Studienzentrum Rotenburg“.

So viele Menschen studieren in Rotenburg

Im Fachbereich Steuer hat das Studienzentrum derzeit 938 Studenten (gehobener Dienst). Rund 30 Prozent von ihnen absolvieren ihr Studium an den Campus-Standorten in Frankfurt. Die Landesfinanzschule hat im Fachbereich Steuer 234 Auszubildende (mittlerer Dienst). Im Fachbereich Rechtspflege absolvieren aktuell 279 ihr Studium. Den mittleren Justizdienst streben 155 Auszubildende an. Insgesamt hat das Studienzentrum also 1606 Anwärterinnen und Anwärter.

(Christopher Ziermann)

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