Über 6000 Kilometer

24-jähriger Rotenburger fährt mit dem Fahrrad von Sizilien bis ans Nordkap

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Alles Lebensnotwendige mit an Bord: Johannes Böcker hat auf seiner Tour auch in Rotenburg Station gemacht. Sein Vater hat ihn von Waiblingen bei Stuttgart, wo die Familie Verwandte hat, bis in die Heimatstadt begleitet. 

Eine Tour durch ganz Europa, und das nur mit seiner Muskelkraft: Der 24-jährige Rotenburger Johannes Böcker hat sich die wohl größte Herausforderung seines Lebens selbst ausgesucht.

Über tausende Kilometer ist er derzeit mit dem Fahrrad von Sizilien ans Nordkap unterwegs. Dass er lieber unkonventionell reist, stellte Johannes 2015 fest, als er mit einem Freund bei einer mehrtägigen Wanderung die Alpen überquerte. „Man sieht einfach mehr und erlebt alles intensiver, wenn man zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist“, sagt der Physiotherapeut. 

Wenn er sich etwas ansehen will, kann er jederzeit spontan Pause machen. Und weil seine nächste große Tour „so richtig lang“ sein sollte, entschied er sich diesmal fürs Fahrrad als Transportmittel. Von einer Radreise bis Shanghai hielt ihn die unsichere Situation in Usbekistan und Turkmenistan ab. Schließlich entschied er sich dafür, Europa von Süd nach Nord zu durchqueren. „Ich wollte vor allem Gegenden von Italien und Skandinavien kennenlernen, wo ich bisher noch nicht war.“

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Anderthalb Jahre lang hat er sich auf die mindestens 6000 Kilometer lange Reise vorbereitet und 6000 Euro in seine Ausrüstung investiert – und das, obwohl er von der Fahrradwelt Bebra gesponsert wird und sein Rad so zu einem vergünstigten Preis bekam. Dafür hat er für die Reise nur 1500 Euro für Essen, Eintritte und Unterkünfte einkalkuliert. Er kommt deswegen vergleichsweise günstig weg, weil er auch beim Übernachten auf Komfort verzichtet: Er schläft im Zelt und manchmal auch bei Fremden, die über eine App kostenlose Schlafmöglichkeiten anbieten.

Wenn er mal Gesellschaft hat, ist das für den 24-Jährigen mehr als nur eine willkommene Abwechslung. Denn die größte Herausforderung auf seiner Reise war bisher nicht etwa eine 20 Kilometer lange Bergauffahrt in den Alpen mit 1700 Höhenmetern, sondern die Einsamkeit. „Es ist schwierig, damit zurechtzukommen. Wenn man alleine im Zelt liegt, hat man zu viel Zeit zum Nachdenken.“ Dass er sich alleine auf die Reise gemacht hat, sei trotzdem die richtige Entscheidung gewesen. So kann er sich ganz alleine so lange quälen, bis er nicht mehr kann.

Denn auch sportlich vollbringt er Höchstleistungen. Bis zu seinem Zwischenstopp in Rotenburg vergangene Woche hatte er im Durchschnitt 84 Kilometer am Tag zurückgelegt und 850 Höhenmeter überwunden – und das bei einem Fahrrad, das mit sämtlichem Gepäck 48 Kilogramm wiegt. Er fährt auch bei Dauerregen und hat sich bisher außer bei der Fährfahrt von Sizilien ans italienische Festland erst ein einziges Mal nicht mit der eigenen Muskelkraft bewegt: Der San-Bernadino-Pass in der Schweiz war gesperrt – nur mit dem Bus ging es weiter.

Auch wenn er sich oft quälen muss, hat der Rotenburger bisher jeden Tag genossen, sagt er. Die hügelige Toskana hat es ihm ebenso angetan wie die Freundlichkeit der Italiener. Als er eine Schraube verloren hatte und deswegen in eine Fahrradwerkstatt kam, standen sofort vier Mechaniker um ihn herum. 

Und als er gerade über die deutsche Grenze gefahren war und auf einer Sitzbank bei Lörrach eine kurze Pause einlegte, unterhielt sich ein Rentner lange mit ihm und fragte ihn neugierig über seine Reise aus. Dann verabschiedete er sich, kehrte aber einige Minuten später wieder zurück und drückte ihm 100 Euro in die Hand – „falls du doch mal ein Hotel brauchst“.

Johannes Böcker berichtet regelmäßig über seine Reise ist seinem Blog

Zur Person

Johannes Böcker ist in Rotenburg aufgewachsen und hat 2014 an der JGS Abitur gemacht. Nach einem Jahr mit Praktika zur Berufsorientierung begann er in Kiel eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, die er 2018 abschloss. Sein Arbeitgeber Holstein Reha hat ihm für die Reise ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub gegeben.

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