Alheimer-Kaserne

Rotenburger Flüchtlingseinrichtung: Bürger kritisieren zu geringe Polizeipräsenz

Volles Haus: Etwa 700 Rotenburger besuchten die Bürgerversammlung zur künftigen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Donnerstag in der Sporthalle der Verwaltungsfachhochschule. Moderator Lars Henning Metz ließ die Bürger, hier Stadträtin Elvira Walter-Rosner, zu Wort kommen. Foto: Meyer

Rotenburg. Höhnisches Gelächter der etwa 700 Zuhörer erntete Hessens ranghöchster Polizeibeamter Jürgen Diehl in der Bürgerversammlung am Donnerstag zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Rotenburg.

Er hatte das Sicherheitskonzept der Polizei vorgestellt und dabei verkündet, dass zunächst lediglich eine Streife mit zwei Beamten zusätzlich in Rotenburg vorgesehen ist.

Diese Streife solle zu „Brennpunktzeiten“, also vom frühen Nachmittag bis in die Abendstunden, im Bereich der Alheimer-Kaserne vor Ort sein. Allerdings könne die Präsenz bei Bedarf erweitert und verdichtet werden. Diehl verwies in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit mit der Polizeidienststelle in Bad Hersfeld, der Autobahnpolizei und den operativen Einheiten vor Ort. Außerdem stünden Beamte der Bereitschaftspolizei im Notfall zur Verfügung. Zu einer „zweiten Welle“ könnten auch Beamte aus Homberg, Melsungen und Eschwege angefordert werden. Die Gefährdungslage werde tagesaktuell bewertet.

Unter Applaus des übrigen Publikums erklärte der Rotenburger Manfred Müller: „Das ist mir zu wenig. Wir wollen eine Aufstockung der Polizei in Rotenburg, damit wir weiter in Ruhe hier leben können.“ Müller traf damit die Stimmung. Das Thema Sicherheit nahm einen breiten Raum in der dreistündigen Bürgerversammlung ein. Ängste und Sorgen, aber auch der Wille, die neue Situation zu meistern und den Flüchtlingen zu helfen, waren spür- und hörbar.

Polizeiinspekteur Diehl erklärte, auch mit Hundertschaften könne man nicht alle Risiken ausschalten. Nötig sei die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Man habe Erfahrung, und alle denkbaren Szenarien seien durchgespielt. Bei der Polizeidirektion Bad Hersfeld sei außerdem ein Koordinator fest angesiedelt, der sich ausschließlich mit der Erstaufnahmeeinrichtung befasse.

Zuvor hatte der Gießener Regierungspräsident Dr. Lars Witteck die Pläne für die neue Einrichtung in der Alheimer Kaserne vorgestellt und viele Details zur Unterbringungsproblematik geschildert. Neue Unterkünfte sind demnach dringend notwendig. Dennoch sei Ziel, so sagte auch Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, die Obergrenze von 900 Flüchtlingen in Rotenburg zu halten.

Bürgermeister Christian Grunwald appellierte mit Blick auf diese Zahl an die Verantwortlichen bei Land und Bund: "Wir brauchen nicht nur gute Worte, wir brauchen auch sichtbare Taten."

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