Der Geldbeutel ist leer

Rotenburger JGS-Abiturjahrgang will wieder mit Partys und Events loslegen

Die Abiturientinnen und Abiturienten der JGS haben derzeit leere Kassen. Die rund 3500 Euro, die bislang auf dem Jahrgangskonto sind, werden nicht reichen. Der Hauptgrund dafür ist – natürlich – die Corona-Pandemie. Unser Foto zeigt von links Kekona Schölzchen, Calantha Siel, Lenja Susdorf und Johanna Leinweber
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Die Abiturientinnen und Abiturienten der JGS haben derzeit leere Kassen. Die rund 3500 Euro, die bislang auf dem Jahrgangskonto sind, werden nicht reichen. Der Hauptgrund dafür ist – natürlich – die Corona-Pandemie. Unser Foto zeigt von links Kekona Schölzchen, Calantha Siel, Lenja Susdorf und Johanna Leinweber.

Beim Abitur an der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule geht es traditionell nicht nur um die allgemeine Hochschulreife.

Rotenburg – Die Abi-Jahrgänge der JGS tragen zum gesellschaftlichen Leben in der Fuldastadt bei. Dabei geht es auch darum, mit Dingen wie Partys, Waffelverkäufen und Weihnachtsmarkt-Ständen Geld für die zahlreichen Aktivitäten in den letzten Wochen der Schulzeit einzunehmen.

Neben dem Abi-Streich ist es allem voran der Abi-Ball, der ordentlich Geld kostet. Was macht der Abi-Jahrgang 2022 in einer Zeit, wo zumindest bislang coronabedingt im Grunde nichts erlaubt war? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Die 18-jährige Calantha Siel (Sterkelshausen) und die drei 17-Jährigen Kekona Schölzchen (Rotenburg), Lenja Susdorf (Oberellenbach) und Johanna Leinweber (Erkshausen) berichten von zahlreichen Hürden. Die allererste Abi-Party ist nun für Dezember im Las Vegas geplant. Außerdem hat der Jahrgang beim Abi-Ball im Sommer geholfen und den Red Castle Run mit Streckenposten unterstützt. „Sonst mussten wir uns auf Getränkeverkäufe bei schulinternen Veranstaltungen beschränken“, berichtet Johanna Leinweber. Dazu gehörten Ehemaligen-Treffen und Verabschiedungen von Abschluss-Jahrgängen. Der Verkauf von Kuchen und Waffeln wurde von Corona-Vorschriften verhindert.

Das Zwischenresultat: Der Kontostand beträgt lediglich rund 3500 Euro. Nötig sind bis zu 10.000 Euro, schätzen die vier jungen Frauen. Der Abschlussjahrgang 2022 braucht nicht so viel Geld wie sonst üblich. Er besteht aus gerade mal rund 30 Schülerinnen und Schülern. Grund dafür ist der Wechsel von G8 zurück auf G9. Nächsten Sommer absolvieren nur die das Abitur, die sich für den Schulabschluss in zwölf Jahren entschieden haben. Die geringe Schülerzahl bedeutet aber auch eine große Herausforderung, denn eigentlich muss so wirklich jeder bei den Veranstaltungen mit anpacken.

„Es ist einfach nichts“

Als kleines Mädchen habe sie immer gedacht, dass mit 16 oder 17 Jahren das Leben so richtig losgeht, erzählt Johanna Leinweber. Doch dann kam Corona. „Es ist einfach nichts. Das Gefühl von Gemeinschaft ist uns komplett genommen worden“, sagt sie. Gut sei natürlich, dass man durch die vielen Monate im Homeschooling gelernt habe, sich selbst zu strukturieren, meint ihre Mitschülerin Lenja Susdorf. Für die Einschränkungen, mit denen sie leben mussten, haben die beiden auch Verständnis. „Aber die Konstanz hat gefehlt. Viele Entscheidungen kamen kurzfristig und waren nicht richtig durchdacht. Und was die sozialen Kontakte angeht, war die Corona-Zeit einfach eine Katastrophe“, sagt Lenja Susdorf. Klar ist für die beiden jungen Frauen: Die durch Corona verlorene Zeit bekommen sie nicht zurück.

Die vier Schülerinnen fühlen sich in der Corona-Zeit alleingelassen. Das betrifft nicht nur den Unterricht, sondern auch das Drumherum. So will zum Beispiel in Rotenburg niemand Räume für den Abi-Ball vermieten. Das liegt unter anderem daran, dass die Aftershow-Partys in den vergangenen Jahren auch schon mal aus dem Ruder liefen. Deswegen hatte der Abi-Ball im Sommer im Lokschuppen in Bebra stattgefunden – wir berichteten. Bei all den pandemiebedingten Einschränkungen, für die die Abiturientinnen Verständnis haben, würden sie sich mehr Unterstützung wünschen. Normalerweise können die Abi-Jahrgänge ja zum Beispiel schauen, wie es ihre Vorgänger machen. Dieses Vorbild fehlt nach anderthalb Jahren Corona.

Lenja Susdorf sagt: „Die Schule und auch die Leute bei der Stadt wissen, was die Abitur-Jahrgänge in Rotenburg normalerweise machen. Wir haben viele Verbote bekommen, aber keiner hat uns bei der Suche nach Alternativen geholfen.“ Und so haben die Schüler nun, wo grundsätzlich wieder mehr erlaubt ist, die Hoffnung, dass auch die Unterstützung wächst. Sie wollen zum Beispiel einen Sponsoren-Lauf organisieren – stehen dabei aber auch vor dem Problem, dass für die Zeitschrift Abi-Kaktus ebenfalls zahlreiche Sponsoren nötig sind. Und die Unternehmen seien ja auch nicht in der Situation, bei jedem Anlass mit Geld um sich werfen zu können.

Johanna Leinweber, Lenja Susdorf, Kekona Schölzchen und Calantha Siel haben einen Appell: „Wenn wir irgendwo zu Veranstaltungen etwas beitragen können, machen wir das sehr gerne. Wir arbeiten selbst an Events, aber wenn es jemanden gibt, der auf uns zukommt, freuen wir uns.“

Kontakt: qphase024@gmail.com

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