Beraten über das Wohl und Wehe der Stadt

Rotenburger Jungen: Ehemalige Geschäftsleute treffen sich täglich

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Sie kennen sich aus: Zum Stammtisch der Rotenburger Honoratioren gehören 14 Mitglieder, die allerdings nicht an jedem Morgen vollzählig ins „Moritz“ kommen. Die Teilnehmer beim Gesprächstermin von links Joachim Maul, Helmut Paulussen, Rupertus Apel, Rolf-Dieter Ermel und Dieter Rolfs.

Rotenburg. Sie treffen sich jeden Morgen um 11 Uhr und beraten das Wohl und Wehe Rotenburgs: 14 Herren, die das wirtschaftliche Geschehen der Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt haben.

An einem Ecktisch im Rotenburger „Moritz“ wird die Weltpolitik diskutiert, vor allem aber das Geschehen im Städtchen.

14 ehemalige Geschäftsleute gehören zu diesem Stammtisch, der sich vor 15 Jahren eher zufällig entwickelt hat. Rolf-Dieter Ermel hatte damals mit seiner Frau Gerti den Campingplatz bewirtschaftet. Hin und wieder kamen morgens Geschäftsleute auf einen schnellen Kaffee an den Fuldastrand, um Neuigkeiten auszutauschen.

Eine feste Runde 

Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine feste Runde, die bei kühlem Wetter ihre Treffen zunächst in den Backshop bei Ermels an der Poststraße, später in die Schloss-Confiserie verlegten. Nachdem das kleine Café geschlossen hatte, zog die Gruppe ins „Moritz“ um, erzählt Ermel.

Geballte Lebenserfahrung sitzt morgens am Stammtisch. Die Teilnehmer eint eine ähnliche Grundhaltung zum Leben: „Wir sind keine Sozialisten, aber sozial eingestellt“, erklärt Ermel. Und Rupertus Apel, ehemaliger Chef der traditionsreichen Metzgerei am Marktplatz, fügt hinzu: „Wir helfen, wo wir können.“

Es muss passen 

Eine ähnliche Grundeinstellung ist denn auch Voraussetzung, um Stammtisch-Mitglied zu werden. „Wer kommen will, muss in den Kreis passen. Wir haben auch schon Leute abgelehnt“, sagt Apel. Was aber nicht heißt, dass die Herren immer einer Meinung sind. Es wird oft hitzig diskutiert. „Da gibt es auch mal Spannungen“, räumt Apel ein.

An diesem Morgen trinken noch Helmut Paulussen - 41 Jahre Chef der Firma Brühl -, der ehemalige Bauunternehmer Joachim Maul (Schwarze Bau KG) und Obst- und Gemüsehändler Dieter Rolfs ihren Kaffee im „Moritz“.

Rolfs ist es auch, der ein ernstes Problem der Stadt anspricht. Er hat sein kleines Geschäft, das er zuletzt an der Brückengasse betrieb, 2007 geschlossen. „Die kleinen Geschäfte hatten keine Chance mehr“, sagt Rolfs. Der Verdrängungswettbewerb war zu groß. Und: „Die Leute haben mit den Füßen abgestimmt.“ Sprich, sie haben sich noch mehr den Supermärkten zugewandt.

Die Runde blickt mit Sorge auf Geschäftsaufgaben in der Stadt. Der Online-Handel spiele eine fatale Rolle, sind sich die Teilnehmer einig. Uneinigkeit herrscht allerdings, wenn man sie auf das Einkaufszentrum anspricht: Der eine meint, dass es Kunden in die Stadt zieht, der andere glaubt, dass Kunden von dort den Weg in die Stadt scheuen.

Was tun? „Wir brauchen Impulse“, sagt Rupertus Apel. „Wir müssen mehr im Bereich Touristik machen und uns besser vermarkten“, meint Ermel. Sie alle hätten gern eine Lösung für die Probleme in der Stadt. Denn sie sind Rotenburger Jungen. So wie der Konne. Die Figur steht auf dem Stammtisch und hört täglich Weltpolitik und Neues aus dem Städtchen.

Von Silke Schäfer-Marg

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