Figuren aus Sandstein und Zement

Rotenburger Skulpturen schmücken Gärten in Deutschland und Nachbarländern

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Nacharbeiten: Sabine Marotzke, links, und ihre Mitarbeiterin Tanja Wagner befassen sich noch einmal mit den Drachenfiguren, die die Künstlerin Renate Wandel für „Sir Williams“ entworfen hat. Wandel arbeitet seit 2001 mit dem Unternehmen zusammen.

Rotenburg. Im Rotenburger Unternehmen "Sir William" werden Skulpturen für Gärten gegossen. Inhaberin Sabine Marotzke hat vor 25 Jahren den Umgang mit Kunst zum Beruf gemacht. 

„Buddha ist auf dem absteigenden Ast“, stellt Sabine Marotzke lakonisch fest. Die 57-jährige gebürtige Bremerin fertigt in ihrem Unternehmen „Sir William“ dekorative Figuren für Gärten an – zunächst auf Gut Boxerode bei Solz, seit 1998 in Rotenburg. Auch diese Figuren sind dem Mode-Geschmack unterworfen. Deshalb ist Buddha inzwischen bei ihren Händler-Kunden kaum noch gefragt.

Für Sabine Marotzke ist das kein Problem, längst hat sie ihr Angebot um „Modern Art“, erweitert. Es finden sich nun neben Klassikern wie Büsten, Torsos oder Drachen schlichte, stilisierte Figuren und klare Formen, entworfen von Künstlern aus ganz Deutschland, in ihrem Katalog. Das Spektrum der Gartenkunst ist ähnlich weit gefächert wie Marotzkes Leben selbst.

Galerien aufgebaut

Kunst war immer schon ein wichtiges Thema für sie, wenngleich sie ihre Brötchen zuvor als Marketingdirektorin bei einer Bausparkasse verdient hatte. Gemeinsam mit ihrem damaligen Lebenspartner baute sie 1992 die Galerie Skulptura in Bad Hersfeld auf sowie den Skulpturen-Garten in Boxerode. Dort richtete sie 1994 auch in einem ehemaligen Schweinestall das Wintergartentheater ein, ein Abo-Theater mit 80 Plätzen. Gastspiele gaben hier Lotti Huber oder Michael Mittermeier – damals noch kein Superstar in der Comedy-Szene.

Terracotta zum Start

Und dort betrieb sie auch einen Handel mit edlen toskanischen Terracotta-Figuren und -Gefäßen, die von Künstlern entworfen waren. Zunächst sehr erfolgreich, dann verkam Terracotta zu billiger Massenware aus Fernost – der Marktwert sank. Sabine Marotzke orientierte sich um und entdeckte die englische Gartenkunst für sich. Doch wegen der enormen Kursschwankungen lohnte sich der Import britischer Steinfiguren auf Dauer nicht.

Ran an die Figuren: Manuel Wolf, links, und Hans-Jürgen Kornfeld gießen das Sandstein-Zementgemisch in die mit Latex ausgelegte Formen.  

Marotzke entschied sich dafür, die Figuren selbst herzustellen. In der Küche auf Gut Boxerode baute sie ihre erste Form, der unzählige folgten. In diese Formen wird ein Gemisch aus Zement, gemahlenem Sandstein, Farbpigmenten und einer Prise „Geheimmischung“ gefüllt. So entstehen also Hundeköpfe, Fische, phantastische Tierwesen, kurz, alles, was der Kunde fordert, oder was Marotzke spannend und schön findet. Die Formen werden nach originalen Lehmfiguren von Künstlern hergestellt.

Neu ist, dass nun auch passende Stelen bei „Sir Williams“ gegossen werden. In die Figuren können Stahlstifte gegossen werden, die sie mit den Stelen verbinden.

Ganz glatt verlief jedoch weder Marotzkes privater Lebensweg noch ihre geschäftliche Laufbahn. Nach einem Tiefschlag startete sie 1998 in Rotenburg neu. Inzwischen arbeiten acht Männer und Frauen bei „Sir Williams“ in der Werkstatt im Heienbach. „Wir sind Marktführer in Deutschland“, sagt Marotzke selbstbewusst. „Wir sind das einzige und das teuerste Unternehmen, das die hochwertigen und witterungsbeständigen Figuren ohne Naht in Handarbeit fertigt.“ Handarbeit, aber dennoch einfach zu vervielfältigen: „Ich möchte Kunst bezahlbar und so für jeden erreichbar machen“, sagt Sabine Marotzke.

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