Verantwortliche wollen keine Abwanderung

Rotenburger Studienzentrum: Kein Campus in Alheimer-Kaserne oder andernorts

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Frisch bezogen: Seit zwei Wochen ist Saskia Schumann, 19-jährige Steueranwärterin im 1. Lehrjahr, in den neuen Räumen im Bettenhaus II im HKZ untergebracht. Hinter ihr von links Dr. Martin Träger, Verwaltungsleiter des Studienzentrums Rotenburg und Silke Hartung, Referatsleiterin im Hessischen Ministerium der Finanzen sowie Ulrich Meier, Finanzdirektor des Klinikums Hersfeld-Rotenburg.

Das Rotenburger Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz soll weiter gestärkt werden - ohne einen Campus in der Alheimer-Kaserne. 

Aktualisiert am 22. August, 13.30 Uhr - Im Rotenburger Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz freut man sich über eine stetig steigende Zahl an Auszubildenden. Diese unterzubringen, stellt das Studienzentrum jedoch zunehmend vor Herausforderungen. Vorschläge, wie diese zu lösen seien, wurden zuletzt von der Jugendorganisation der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) sowie von Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald geäußert – unsere Zeitung berichtete. Doch beiden Ideen erteilen Vertreter des Studienzentrums sowie des Hessischen Finanzministeriums jetzt eine klare Absage.

„Einen wie von der DSTG-Jugend geforderten Campus in Gießen oder Kassel lehnen wir ab“, sagt Silke Hartung, Referatsleiterin im Hessischen Finanzministerium und dort unter anderem für die Unterbringung der Anwärter zuständig. Stattdessen solle der Standort Rotenburg weiter gestärkt werden. Und das möglichst zentral, also auch nicht, wie von Bürgermeister Grunwald vorgeschlagen, über eine Nutzung der ehemaligen Alheimer-Kaserne.

Setzen für den Standort Rotenburg alle Hebel in Bewegung: Unser Bild zeigt von links Silke Hartung vom Finanzministerium, Ulrich Meier, Finanzdirektor des Klinikums Hersfeld-Rotenburg,  sowie Birgit Friedenberger und Dr. Martin Träger vom Studienzentrum am Kicker in der Sky-Bar, die für die Studenten im HKZ eingerichtet wurde.

„Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkte wie damit verbundene erhebliche Investitionskosten, die Entfernung zum Studienzentrum und zeitliche Aspekte sowie die zukünftig wieder geringer werdenden Belegungszahlen sprechen gegen eine nachhaltige Nutzung der Kaserne durch die Finanzverwaltung“, erklären Silke Hartung und Dr. Martin Träger, Verwaltungsleiter des Rotenburger Studienzentrums unisono.

Im Falle einer Nutzung durch eine andere Einrichtung – wie zum Beispiel eine Zollschule – sei man selbstverständlich bereit, Kooperationen zu schließen und über gemeinsame Lehrveranstaltungen Synergien zu nutzen.

Der Anspruch: Ein Rundum-Sorglos-Paket für die Auszubildenden

Ein Rundum-Sorglos-Paket für seine Auszubildenden will das Rotenburger Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz, zu dem auch die Hochschule gehört, anbieten. Eine große Herausforderung, denn stetig steigende Studierendenzahlen sorgen bei den Organisatoren für anspruchsvolle Anpassungen. Schließlich gilt es, neben den Ausbildungsinhalten auch vom Wohnen über das Essen bis hin zu vielfältigen Freizeitangeboten weiter attraktiv zu bleiben.

Der größte Hörsaal am HKZ-Campus: Er hat 120 Plätze. Am Campus II in der BKK-Akademie gibt es maximal 130 Plätze und der größte Hörsaal am Hauptsitz des Studienzentrums an der Josef-Durstewitz-Straße – das Audimax – bietet 270 Zuhörern Platz.

„Dank der bereits seit 2017 andauernden Einstellungsoffensive haben wir in den vergangenen drei Jahren jeweils 650, 700 und in diesem Jahr sogar 800 junge Menschen für die Hessische Finanzverwaltung begeistert – damit absolvieren aktuell rund 1300 Anwärterinnen und Anwärter aus der Steuerverwaltung sowie der Justiz zeitgleich ihre Ausbildung oder ein duales Studium an unserem zentralen Ausbildungsstandort in Rotenburg“, berichtet Dr. Martin Träger, Kanzler der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (HHFR) und Verwaltungsleiter des Studienzentrums in Rotenburg.

Rotenburg bleibt weiter das Zentrum 

Dass das Interesse noch weitaus größer ist, weiß Silke Hartung, Referatsleiterin im Hessischen Finanzministerium, die unter anderem für die Organisationsentwicklung und Unterbringung zuständig ist. Auf die 800 Plätze in diesem Jahr habe es rund 4700 Bewerbungen gegeben, berichtet sie. „Rotenburg ist und bleibt das zentrale Eingangstor in die hessische Steuerverwaltung – der Standort Rotenburg wird auch zukünftig weiter gestärkt werden und zwar durch qualitativ hochwertige und für die Finanzverwaltung bedarfsgerechte Liegenschaften vor Ort“, sagt Hartung. 

So wolle man die hohe Qualität der fachtheoretischen Ausbildung in der Finanzverwaltung weiterhin sicherstellen. „Einen wie von der Jugendorganisation der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) geforderten Campus in Gießen oder Kassel lehnen wir daher ab“, sagt Hartung. Die in Rotenburg zentral organisierte Ausbildung solle durch Abwanderungen nicht zersiedelt werden. „Das bekommen wir ansonsten auch nicht mehr vernünftig verwaltet“, sagt Verwaltungsleiter Martin Träger.

"Win-Win-Situation" mit Campus III im HKZ  

Auch große Universitäten würden dies schließlich nicht tun. Damit Rotenburg als Standort mit seiner familiären Atmosphäre, tollen Rahmenbedingungen und der guten Vernetzung der Auszubildenden und Studierenden untereinander noch attraktiver werde, werde dort alles getan: Mit dem Campus III im Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) habe man in diesem Jahr eine neue, moderne Campuslösung geschaffen. Mit Unterrichtsräumen, Hörsälen, Dozentenzimmern und natürlich den Zimmern für die Auszubildenden sei dort nun alles vor Ort, was einen eigenen Campus ausmache. 

Ulrich Meier, Finanzdirektor des Klinikums Hersfeld-Rotenburg, spricht von einer Win-Win-Situation: „Nach der Schließung der Orthopädie ist das eine ideale Zwischennutzung, von der sowohl das HKZ als auch das Studienzentrum profitieren“, sagt Meier. Das Nebeneinander von Patienten und Studenten funktioniere hervorragend – die Räumlichkeiten würden so optimal genutzt.

Eigener Mensabereich: Auch den haben die Anwärter des Studienzentrums im HKZ für ihre tägliche Verpflegung.

Neben den 200 Räumen, die das Studienzentrum in den Stockwerken 6 bis 13 im Bettenhaus I bereits seit 2017 angemietet hat, kommen seit August 65 Zimmer im Bettenhaus II hinzu. „Diese zusätzliche Anmietung würden wir auch gerne in den kommenden Jahren fortsetzen“, sagt Martin Träger. Darüber hinaus sei mittelfristig ein zusätzlicher Bettenbedarf von weiteren 100 Betten ermittelt worden. „Wir werden das ausschreiben und hoffen, eine Lösung möglichst nahe dem Hauptcampus an der Hochschule zu finden“, sagt Silke Hartung. Denn dort wolle man in verschiedene Projekte auch kräftig investieren und diese Infrastruktur solle schließlich für möglichst viele Anwärter nutzbar sein. 

Ein Campus-Kino, Fitnessräume mit Geräten auf dem neuesten Stand, spezielle Sportkurse und kostenfreies W-lan in allen Rotenburger Liegenschaften sind nur einige Dinge, die laut Hartung und Träger für eine „sehr hohe Anwärterzufriedenheit sorgen“. Ziel sei es, in Rotenburg auch künftig ein bei allen beliebtes Rundum-Sorglos-Paket anzubieten.

Hintergrund: Das gehört zum Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz

Unter dem Dach des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz sind vier Einrichtungen angesiedelt: die Hessische Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (früher Verwaltungsfachhochschule), die Landesfinanzschule Hessen mit Sitz im Rotenburger Schloss, die Ausbildungsstätte für den mittleren Justizdienst sowie die Zentralverwaltung. 

Gegründet wurde das Studienzentrum im Januar 2006. Seinen Sitz hat das Zentrum an der Josef-Durstewitz-Straße. Für das Rotenburger Stadtbild prägend und von Weitem sichtbar ist das 13-stöckige Hochhaus, in dem die hessische Landesverwaltung seit 1973 aus- und fortbildet. 1978 bekam das Hochhaus einen Anbau, in dem sich noch heute das Auditorium – der größte Hörsaal mit 270 Plätzen – und ein Freizeitbereich mit Sporthalle, Schwimmbad und Kegelbahn befindet. 

Nach einer Erweiterung und einer Modernisierung im Jahr 2005 stehen im Hauptgebäude und drei Nebengebäuden des Studienzentrums 760 Betten zur Verfügung. Da die Studentenzahlen in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen sind, gibt es mit dem Campus II, zu dem die BKK-Akademie und das Hotel Silbertanne zählen, mit 140 Betten und dem Campus III im Herz- und Kreislaufzentrum – gemeinsam mit dem Göbel’s Hotel – mit 320 Betten, extra dafür angemietete weitere Standorte in Rotenburg. Zudem gibt es Anmietungen im Kreisjugendhof und dem Posthotel Rotenburg.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, Ulrich Meier sei Geschäftsführer des HKZ. Das ist nicht korrekt: Meier ist Finanzdirektor des Klinikums Hersfeld-Rotenburg. Wir haben den Fehler korrigiert.

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