Weihnachtsmarktverein kämpft mit Idealismus gegen Widrigkeiten – Fläche schrumpft

Rotenburger Weihnachtsmarkt: Blick hinter die Kulissen

Glitzernde Monde und Sterne: Die bestaunten Uta Bernhard-Ehrlich und Heike Jacob, rechts. An den Ständen des Weihnachtsmarktes in Rotenburg gibt es immer wieder vieles zu entdecken. Foto: Meyer

Rotenburg. Dass der beliebte Rotenburger Weihnachtsmarkt von einem Verein organisiert wird, ist kaum bekannt. Ein Blick hinter die Kulissen.

Es fehlt ihnen offenbar ein wenig Anerkennung für ihre Arbeit: Ursula Hieronymus und Klaus Rückert, die Vorsitzenden des Rotenburger Weihnachtsmarktvereins, beklagen, dass sie im Bewusstsein der Rotenburger praktisch nicht vorkommen und dass es immer schwieriger werde, die Ansprüche des Marktes durchzusetzen.

Seit elf Jahren gibt es den Verein, der alljährlich den Weihnachtsmarkt organisiert. 30 Mitglieder hat die Organisation - alle haben Stände auf dem Markt. Die Stadt wollte den Markt damals aus Kostengründen nicht mehr organisieren, da sind die Händler eingesprungen, erzählt Ursula Hieronymus. Der neu gegründete Verein kaufte der Stadt die Buden ab, hält sie seither instand und ist für Auf- und Abbau sowie die Versorgung mit Elektrizität zuständig. Außerdem werden Miete und Gestattunggebühr für den Marktplatz an die Stadt überwiesen.

30 000 bis 35 000 Euro lässt sich der Verein dies jährlich kosten. Lediglich das Wahrzeichen des Marktes, die große Weihnachtspyramide, wird noch von städtischen Mitarbeitern aufgebaut.

Die Marktbeschicker zahlen Standgeld, Kunsthandwerker dabei weniger als Ess- oder Getränkebuden, erklärt Ursula Hieronymus. Für Anbieter, die zum ersten Mal nach Rotenburg kommen wollen, gibt es einen „Schnupperpreis“, das heißt, sie zahlen einmal weniger als den üblichen Satz.

Auch für das Rahmenprogramm ist der Weihnachtsmarktverein verantwortlich. In diesem Jahr musste auf eine Attraktion wie den Mittelalterbereich verzichtet werden. „Aus Platzgründen“, wie die Vereinsvorsitzenden berichten. War schon in der Vergangenheit die Fläche um die Jakobikirche verkleinert worden - weil es eine Feuerwehrzufahrt geben sollte, wie es hieß - wurde die Fläche im hinteren Marktbereich weiter reduziert. „Aus Rücksicht auf Anlieger“, berichten sie.

Hieronymus und Rückert machen keinen Hehl daraus, dass sie diese Entwicklung mit Sorge betrachten. Der Weihnachtsmarkt müsse attraktiv bleiben, sind sie überzeugt. Nur dann kämen weiterhin viele Besucher in die Stadt. Und davon profitierten alle Gewerbetreibenden in Rotenburg.

Üblicherweise ist der Markt an den Wochenenden besonders gut besucht. Deshalb lehnt der Verein auch eine kürzere Marktdauer ab. „Die Fixkosten bleiben, ob wir nun zwei oder drei Wochen geöffnet haben“, sagt Hieronymus. Allerdings würde bei einer Verkürzung ein attraktives Wochenende wegfallen - der Markt könnte nicht mehr kostendeckend betrieben werden.

Trotz der Steine, die ihnen hin und wieder im Weg liegen, setzen sich die Mitglieder des Vereins gern für den Weihnachtsmarkt ein. „Man braucht viel Idealismus“, sagt Ursula Hieronymus. „Und den haben wir“, ergänzt Klaus Rückert.

Von Silke Schäfer-Marg

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