Rotenburgs Bürgermeister mahnt: Stadt nicht schlecht reden

Leerstand als Dauerbrenner: Schon 2012 sollte das Problem in Angriff genommen werden. Unser Archivbild zeigt Bürgermeister Christian Grunwald mit der Vorsitzenden der Vereinigung Handel, Handwerk und Gewerbe, Kerstin Bier vor einem ehemaligen Fotogeschäft am Steinweg. Archivfoto: Steibach

Rotenburg. Leere Geschäfte, leere Fachwerkhäuser - in Rotenburg besteht Handlungsbedarf. Das sieht man auch Stadtparlament so und befürwortet die Initiative von Bürgermeister Christian Grundwald.

Einstimmig hat das Rotenburger Stadtparlament deshalb den ersten Schritt zur Gründung einer städtischen Marketing- und Entwicklungsgesellschaft unternommen. Zunächst soll eine Geschäftsplan aufgestellt werden, in dem die strategischen, operativen und finanziellen Chancen für die Gründung der Gesellschaft untersucht werden. Der Plan soll Grundlage sein für eine endgültige Entscheidung über die Gesellschaftsgründung.

Bürgermeister Christian Grunwald hatte einen entsprechenden Antrag gestellt und will damit auch sein Wahlkampfversprechen einlösen, sich für ein professionelles Marketing in der Stadt einzusetzen. Bei seiner Antragsbegründung nahm er kein Blatt vor den Mund: Niemand anderes als die Rotenburger selbst mit ihrem geänderten Konsumverhalten trügen dazu bei, dass das bestehende Einzelhandelsangebot in Rotenburg abnimmt.

Deshalb könnten auch nur die Rotenburger wieder anfangen, „ihre Bücher nicht bei Amazon, sondern bei Berges oder seit Neuestem bei Peter Kusian im Bücher-Outlet zu kaufen“, sagte Grunwald. Sie sollten die Veranstaltungen im Bürgersaal besuchen und damit erleben, was die Stadt an kulturellem Programm zu bieten hat. Und die Rotenburger sollten nicht ständig selbst nur schlecht über die Stadt sprechen und die guten alten Zeiten herbeiwünschen.

In einem schleichenden Prozess seien die Rotenburger aus einer selbstverständlich mitwirkenden in eine selbstverständlich konsumierende Haltung übergegangen. Was nicht mundgerecht präsentiert werde oder was nicht neuer, größer, spektakulärer sei, werde nicht mehr wahrgenommen, kritisierte Grunwald.

Er nahm den Einzelhandel nicht aus: Statt in den Laden oder in Werbung zu investieren, das Angebot zu verändern oder auch nur flexible Öffnungszeiten einzuführen, erwarteten so einige, dass die Stadt tätig werde, um die Läden zu füllen. Beim Stadtmarketing gehe es aber nicht um einen Frühstücksdirektor, der nach Maßgabe der Einzelhändler auf städtische Kosten deren Werbung mache.

Nötig sei vielmehr eine professionelle Struktur, die es ermögliche, Hauseigentümer, Einzelhändler, Institutionen, Stadtverwaltung und Bürger so zu aktivieren, dass eine positive Entwicklung in der Stadt und den Stadtteilen möglich ist. Weil die Stadt finanziell endlich wieder handlungsfähig sei, könne das Projekt in Angriff genommen werden.

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