Rotenburg

Ruhestand: Geschichtsverein verabschiedet sich ins Archiv

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Start mit viel Enthusiasmus: Unser Archivbild zeigt die 2014 Verantwortlichen von links Doris Lemke, Bürgermeister Christian Grunwald, Albert Deist, Martin Ludwig, den damaligen Stadtverordnetenvorsteher Klaus Troch, Hauptamtsleiter Ralf Wassermann, vorn die damalige Vorsitzende Haide Schreiber, Klaus -Peter Paulus und Reinhard von Bodelschwingh.

Der Geschichtsverein wird das Rotenburger Stadtarchiv künftig nicht mehr betreuen - aus Altersgründen. Nun übernimmt die Stadt die Regie. 

Die meisten der bisherigen Mitarbeiter wollen sich aus Altersgründen zurückziehen, erklärte der Schatzmeister des Vereins und Archivmitarbeiter Klaus-Peter Paulus auf Anfrage. Trotz mehrfacher Nachfrage in Versammlungen des Vereins habe sich niemand gefunden, der die Arbeit übernehmen wollte. „Wir haben sechs Jahre durchgehalten, aber nun ist es genug“, sagte Paulus. Die Stadt sei schon vor einem Jahr darüber in Kenntnis gesetzt worden.

Zwei Mitarbeiter würden bei Bedarf im Archiv weiter ehrenamtlich unterstützend mitwirken, allerdings nicht mehr verantwortlich und mit Schlüsselgewalt. Grundsätzlich habe die Arbeit sehr viel Spaß gemacht und sei eine gute Sache gewesen, erklärte Paulus. „Wir waren alle überrascht, welche Schätze dort zu finden sind.“

Besucher erkundigten sich oft nach persönlichen Erinnerungen

Nicht die großen Anfragen, etwa zur Geschichte der Landgrafen, seien von Besuchern nachgefragt worden. Vielmehr hätten sich die meisten Fragen um die vergangenen einhundert Jahre gedreht. Es habe sich eher um das Leben der einfachen Leute und die Überprüfung von persönlichen Erinnerungen an Orte und Zusammenhänge gehandelt. 

Die Stadtverordnetenversammlung hat sich am Donnerstag einstimmig für eine Weiterführung des Archivs in Eigenregie ausgesprochen. Alternativ hätte man das Archiv dem Kommunalen Archivverbund beim Landkreis übertragen können. Das würde jedoch jährlich etwa 70 000 Euro kosten.

Die Stadt wird keine neuen Mitarbeiter einstellen

Möglich wäre auch eine Übertragung an das Hessische Landesarchiv. Doch auch dort wäre mit erheblichen Kosten zu rechnen. Die Kostenberechnungen für eine Stunde Arbeit liegt ja nach Aufwand und Qualifikation der handelnden Person zwischen 37,20 (Einlagerung in Regalanlagen) bis hin 68,50 Euro (Digitalisierung). Außerdem müssten Interessierte dann nach Marburg fahren, um Geschichtliches nachzuschlagen.

Das Archiv in Eigenregie weiterzubetreiben, kostet die Stadt etwa 2000 Euro pro Jahr an Sach- und 23 000 Euro an Personalkosten. Die Stadt wird dazu keinen Mitarbeiter neu einstellen, es werde eine Umbesetzung geben, erklärte Bürgermeister Christian Grunwald gegenüber der HNA.

Geschichtsverein-Mitglieder sollen Verdienstnadel erhalten

Er dankte am Donnerstag den engagierten Helfern des Geschichtsvereins für ihren unermüdlichen Einsatz und kündigte an, dass Doris Lemke, Klaus-Peter Paulus, Albert Deist und Reinhard von Bodelschwingh die Verdienstnadel der Stadt erhalten sollen. 

Sie seien eingesprungen, als die Stadt unter dem Schutzschirm das Archiv nicht mehr in Eigenregie führen konnte. Grunwald sagte: Sie haben ihren Ruhestand nun mehr als verdient. Martin Ludwig kümmert sich weiter um die Kirchengeschichte.

Im Namen der Stadtverordneten dankte Sitzungsleiterin und stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Christiane Ringer dem Quartett für die Arbeit. 

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