UBL/Bürgerherz und SPD gegen Schließung

Scharfe Kritik am Dialyse-Aus in Rotenburg: „Das ist Raubbau am HKZ“

Das Dialysezentrum, unser Foto zeigt den Eingang, hat zwar einen anderen Träger als das Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) – trotzdem befürchtet die Kreistagsfraktion UBL/Bürgerherz nun massive Nachteile für die Fachklinik in Rotenburg.
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Das Dialysezentrum hat zwar einen anderen Träger als das Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) – trotzdem befürchtet die Kreistagsfraktion UBL/Bürgerherz nun massive Nachteile für die Fachklinik in Rotenburg.

Mit scharfen Worten kritisieren die Kreistagsfraktion UBL/Bürgerherz und die SPD Rotenburg die geplante Schließung des Dialysezentrums am Herz- und Kreislaufzentrum zum 30. Juni.

Rotenburg –Bürgerherz schreibt in einer Pressemitteilung, die Entscheidung sei „im Windschatten von Corona und den Umzugsplänen des Klinikums“ verkündet worden, die SPD spricht von einer „Nacht- und Nebelaktion“. Die Schließung treffe nicht nur ambulante Patienten. Auch die kardiologische Reha für Dialysepatienten am HKZ breche damit weg und würde das Angebot des HKZ schwächen, so UBL/Bürgerherz. Dasselbe gelte für die Herzchirurgie, die die Dialyse vor Ort benötige. „Mit der kurzfristigen Ankündigung möchte man sich offenbar einer öffentlichen Auseinandersetzung entziehen.“

Die Schaffung von vollendeten Tatsachen und der schleichende Abbau der Gesundheitsversorgung im Landkreis würden sich fortsetzen, wenn es wirklich zur Schließung der Dialyse kommen sollte, heißt es in der Pressemitteilung. „Hat man denn nichts aus dem erkennbaren Wählerwillen bei den Kommunalwahlen gelernt?“ Der Radikalumbau des Klinikums war das große Thema des Landrat-Wahlkampfs, den Amtsinhaber Dr. Michael Koch (CDU) deutlich gegen SPD-Herausforderer Torsten Warnecke verlor. „Welche Auswirkung die Schließung des Dialyse-Zentrums auf die integrierte Behandlung der Patienten am HKZ insgesamt haben wird, darüber verliert man kein Wort“, kritisiert der Vize der Kreistagsfraktion und Gesundheitssprecher Tim Schneider.

Die Argumente, die vor gut zwei Jahren zum Erhalt der Dialyse geführt hätten, würden immer noch gelten: wohnortnahe ambulante Versorgung im ländlichen Raum genauso wie das Alleinstellungsmerkmal des HKZ mit dem Angebot der kardiologischen Reha für Nierenkranke. Auch die Herzchirurgie brauche die Möglichkeit der Dialyse vor Ort.

Kritik auch an den Verantwortlichen im Landkreis

Auch wenn das Zentrum nicht vom Landkreis, sondern dem Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) betrieben wird, kritisiert UBL/Bürgerherz auch den Kreis. Man sieht die Verantwortlichen „in der Pflicht und auch in der Lage“, Einfluss zum weiteren Bestehen am HKZ zu nehmen. Die Kreistagsfraktion fragt: „Wurden Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung des Klinikums vorab in Kenntnis gesetzt? Die Gremien müssen zwingend bei allen wesentlichen Änderungen von Leistungsangeboten einbezogen werden.“ Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Schülbe will wissen, „ob manche der Amtsträger hier nur zuschauen oder dem Raubbau sogar zustimmen“.

Landrat Dr. Michael Koch sagt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass man die Entscheidung des KfH bedauere. Sie komme aber nicht überraschend. Auch er erinnert daran, dass es bereits 2018 Bestrebungen gab, den „dauerhaft defizitären Standort“ aufzugeben, was durch „intensive Verhandlungen und Zugeständnisse“ abgewandt worden sei. Dass das keine Dauerlösung sein würde, sei zu erwarten gewesen. „Wichtig ist und bleibt, dass auch in Zukunft alle betroffenen Patienten eine gute Betreuung durch entsprechende medizinische Angebote erhalten.“ Das hatte der Betreiber vom KfH in seiner Pressemitteilung vergangene Woche zugesagt.

Die Rotenburger SPD kritisiert, die nur leicht rückläufigen Patientenzahlen würden eine so weitreichende Entscheidung nicht rechtfertigen. „Die Patienten, die durch ihre Krankheit ohnehin schon stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind, müssen dann dreimal wöchentlich zusätzliche Fahrzeit nach Bad Hersfeld in Kauf nehmen“, so der Fraktionsvorsitzende Sebastian Münscher. Die Zahl der ambulanten Dialysepatienten sei seit 2018 nur von 34 auf 28 gesunken. Die SPD fragt, warum im Zuge der Neustrukturierung die Dialyse nicht am Standort Rotenburg zusammengeführt werde. „Diese Diskussionen über Alternativen müssen geführt werden, bevor die Rotenburger wieder vor vollendeten Tatsachen gestellt werden.“ (Christopher Ziermann)

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