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Schwimmbad-Besuch wird deutlich teurer: Stadt Rotenburg vereinheitlicht und erhöht Eintrittskosten

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Von: Christopher Ziermann

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Der Sprung ins erfrischende Wasser wird in Rotenburg teurer – auch für Kinder. Das gilt nicht nur fürs Waldschwimmbad, sondern auch fürs Hallenbad.
Der Sprung ins erfrischende Wasser wird in Rotenburg teurer – auch für Kinder. Das gilt nicht nur fürs Waldschwimmbad, sondern auch fürs Hallenbad. © Wilfried Apel

Als das Rotenburger Parlament über die Erhöhung der Schwimmbad-Eintrittspreise debattierte, war das Wort Gerechtigkeit ein viel bemühter Begriff. Am Ende waren sich aber alle Abgeordneten einig: Für Hallenbad und Waldschwimmbad gelten künftig dieselben Preise, und die steigen deutlich.

Rotenburg - Auch Kinder von sechs bis 13 Jahren zahlen künftig wie die Jugendlichen für eine Tageskarte drei Euro – bislang waren es zwei Euro im Hallenbad und 2,20 Euro im Freibad. Saisonkarten für nur eines der beiden Bäder (bislang 82 Euro für Erwachsene) werden abgeschafft, es gibt nur noch Ganzjahreskarten für 175 Euro (bislang Kombi-Karte für 140 Euro). Eine Familien-Jahreskarte kostet 280 Euro statt bislang 200 Euro.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung und der Betriebsleitung des Bäderbetriebs hatte noch stärkere Preissteigerungen vorgesehen, die auf Vorschlag der UBR-Fraktion abgefedert wurden. Der Abgeordnete Wilfried Roß, der selbst jahrelange Erfahrung als Schwimmtrainer hat, sagte: „Die Erhöhung muss erfolgen. Es gab lange keine mehr und die Energiepreise sind stark gestiegen. Die Kosten für Familien würden aber nach dem Vorschlag der Verwaltung überproportional stark steigen – wir wollen Familien gerne fördern.“ Deswegen wurde der Preis für die Familienjahreskarte mit 280 Euro statt 350 Euro festgesetzt.

Saisonkarten werden abgeschafft

Bei einem weiteren Punkt wollte Roß der Argumentation der Verwaltung nicht folgen. Die Abschaffung der Saisonkarten solle die Erreichung des Zieles unterstützen, „eine möglichst auf das ganze Jahr verteilte hohe Besucherauslastung zu erreichen“. Dazu sagte Roß: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele nur eines der beiden Bäder nutzen und deshalb mit einer Jahreskarte nichts anfangen können.“ Als Entgegenkommen beschloss das Parlament, dass bei einer 12er-Karte im Vergleich zu Einzeltickets nicht nur ein, sondern zwei Besuche kostenlos sind.

Alle Fraktionen waren sich einig, dass man beim Thema Schwimmbadpreise leider in den sauren Apfel beißen müsse – beziehungsweise in mehrere. Einen dieser Äpfel wollte die SPD nicht akzeptieren. Markus Vöckel sagte: „Wenn wir an Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen denken – die trifft die Inflation besonders hart und sie profitieren nicht vom Angebot der Familienpreise.“ Deswegen schlug die SPD vor, den Eintritt nicht nur für Kinder unter sechs Jahren, sondern bis zum 11. Geburtstag kostenlos anzubieten. Die Bäder seien auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt, so die SPD.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jonas Rudolph meinte dazu, man habe zuerst nicht gegenüber den Badegästen, die auch aus anderen Kommunen kämen, eine Verantwortung, sondern in erster Linie gegenüber den Rotenburger Steuerzahlern. Der Betrieb der Bäder sei die größte und teuerste freiwillige Leistung der Stadt, die auch die subventionieren, die nicht Schwimmen gehen.

Stadt Rotenburg plant mit 900.000 Euro - nimmt aber wohl nur 400.000 durch Eintrittsgeld ein

Die Stadt kalkuliert dieses Jahr mit rund 900 000 Euro für den Bäderbetrieb. Dem gegenüber stehen geplante Einnahmen von rund 400 000 Euro Eintrittsgeld.

Rabattierungen seien eine politische Entscheidung – man könne bezüglich des sozialen Treffpunkts ja auch für freien Eintritt von Rentnern plädieren. Rudolph schloss mit einem Seitenhieb ab. „Ich frage mich immer, wo bei der SPD die Stringenz in der Sozialpolitik ist. Wir haben im vergangenen Jahr alle Grundbesitzer mit Millionenbeträgen für die kommenden Jahre entlastet“, sagte er in Anspielung auf die Abschaffung der Straßenbeiträge.

Dem Argument des SPD-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Münscher, mit dem kostenlosen Eintritt bis zehn Jahre fördere man auch das Schwimmenlernen, stellten sich UBR und CDU entgegen. Auch Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) wies darauf hin, dass diese Verantwortung bei Schulen und Vereinen liege und es kürzlich noch mal ein großes Angebot mit zusätzlichen Kursen im Hallenbad gegeben habe. Wilfried Roß gab zu bedenken: „Mit sieben oder acht Jahren können viele Kinder eben noch nicht so sicher schwimmen. Wenn die alleine im Wasser sind, bürden wir unseren Schwimmmeistern eine riesige Verantwortung auf.“ Letztlich blieben die SPD-Abgeordneten mit ihrem Vorschlag im Parlament allein, stimmten dem Gesamtantrag aber dennoch zu.

Bürgermeister Grunwald wies auf die Ferienpassaktion der Stadt hin, in deren Rahmen Kinder bis 14 Jahre das Freibad ohnehin zum vergünstigten Preis von 1,10 Euro besuchen könnten.

Nachgebühr und Feierabendkarten entfallen

Bislang galten für Hallenbad und Freibad unterschiedliche Preise. Schwimmen unterm Hallendach war etwas günstiger. Auch gab es unterschiedliche Preisstrukturen für verschiedene Gruppen und Zeiten, was die Buchführung beim Bäderbetrieb und in der Verwaltung aufwendig machte. Die neue Preisstruktur soll einfacher und transparenter sein. Sie gilt ab 1. Juni.

- Nachgebühr im Hallenbad: Die Nachgebühr für Zeitüberschreitungen im Hallenbad entfällt – die Eintrittskarte gilt nun grundsätzlich für den gesamten Tag.

- Feierabendkarten: Feierabendkarten werden nicht mehr angeboten, da die Besucher „vergleichbare Kosten wie normale Besucher“ verursachen.

- Gruppenkarten: Gruppenkarten werden nicht mehr angeboten – sie sind ohnehin genauso teuer wie 12er-Karten.

- Unternehmen und Vereine: Bislang führen die Bäderbetriebe Listen über Einzelbesuche für Vereine, Einrichtungen und Unternehmen, die ihren Angestellten und Mitgliedern vergünstigten oder kostenlosen Eintritt finanzieren. Darunter sind zum Beispiel die Polizeistation, die Firma Neumayer Tekfor und die Sozialen Förderstätten. Die Bundespolizei zahlt hingegen eine monatliche Pauschale im „mittleren vierstelligen Bereich“. Solche Pauschalen können auch andere Akteure mit der Stadt verhandeln, einzelne Listen werden aber nicht mehr geführt.

- Rettungskräfte: Die aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Rotenburgs haben weiterhin freien Eintritt, ebenso wie die Aktiven der Ortsverbände von DRK, THW und DLRG. Sie erhalten außerdem die Familienjahreskarten zum halben Preis.

- Juleica-Card: Inhaber einer Juleica-Card bekommen nicht mehr pauschal freien Eintritt, da der Besitz einer solchen Karte „nicht zwangsläufig mit dem Dienst an der Allgemeinheit gleichgesetzt werden kann“. Mit Tätigkeitsnachweisen können Juleica-Karteninhaber aber kostenlose Jahreskarten beantragen.

Die neuen Preise

- Kinder und Jugendliche von sechs bis 17 Jahren und Personen mit einem Behinderungsgrad von mehr als 50 Prozent: Tageskarte 3 Euro, 12er-Karte 30 Euro, Jahreskarte 100 Euro.

- Erwachsene: Tageskarte 4,50 Euro, 12er-Karte 45 Euro, Jahreskarte 175 Euro.

- Familien: Tageskarte 12 Euro, Jahreskarte 280 Euro.

Von Christopher Ziermann

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