Publikum in Rotenburg begeistert

Sean Taylor sang beim Sofaconcert über Trump, Brexit und die Liebe

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Mit Hut und Schmirgelsound: Der englische Singer-Songwriter Sean Taylor überzeugte das Sofaconcert-Publikum im Wasserkraftwerk mit Folk, Soul und Blues. 

Mit Sean Taylor zum Auftakt der neuen Sofaconcerts-Saison bewies Conny Haag-Lorenz im Rotenburger Wasserkraftwerk ihr sicheres Gespür für Ausnahme-Interpreten.

Rotenburg – Der Mann aus London mit schwarzem Hut und Gitarre begeistert das Publikum, das auf zwei Sofas und Bierbänken im Innenhof des Wasserkraftwerks eng beieinander sitzt, von der ersten Minute mit lässigem Groove der anspruchsvollen Musik.

Der im „sunny London“ lebende Sänger und Gitarrist, der mit Robert Cray, John Fogerty und den Neville Brothers schon auf der Bühne stand, ist überaus rege und aktiv. Sieben Alben hat der Mitdreißiger schon produziert, viele Tourneen durch Europa und Amerika gemacht und zuletzt acht Konzerte in neun Tagen in Deutschland gegeben.

Rotenburg ist die letzte Station. Doch diesem Mann merkt man keine Müdigkeit an. Da haucht einem ein versierter Gitarrist und ausdrucksstarker Sänger jazzigen Bar-Blues ins Ohr oder singt beim „Texas Boogie“ mit Schmirgel-Sound auf den Stimmbändern. Wie wohltuend weit weg ist das von dem blutleeren R&B-Sound, der seit Jahren als Soul angepriesen und verkauft wird.

Hier greift die Musik noch ins Herz und bringt die Seele ins Schwingen. Keinen Augenblick reduziert der Mann die Intensität seines Auftritts. Dabei sind seine Texte, auch gerne mal politisch wie bei „Dear Donnie“ über Donald Trump oder „This is England“.

Taylor ist authentisch. Er glaubt, was er singt. Seine besondere Art des Picking zeichnet sein überaus virtuoses Gitarrenspiel aus. Die Songs besitzen ausgefeilte Melodien und raffinierte Arrangements. Herrliche Balladen auf der einen Seite und kräftig, groovende Songs auf der anderen Seite füllen das Spektrum dieses packenden Singer-Songwriters. Taylors handgemachte, authentische Musik kennt keine Grenzen: Folk, Soul und Blues treffen punktgenau ins Herz. Es sind Songs, bei denen sich Welten öffnen und das Bilderkino im Kopf angeht.

Sehr rootsig und soulig rockt sich Taylor mit seinem angenehmen Timbre und virtuoser Fingerfertigkeit durch das Programm. Taylor ist ein Komponist spannender Songs, versierter Akustikgitarrist mit ausdrucksstarker Stimme und ein überaus sympathischer mit gutem englischem Humor ausgestatteter Entertainer. Nach dem Liebeslied kommt ein Song über die andere Seite der Liebe. „Die Heirat?“, schmunzelt er.

Das englische Wetter, der Brexit – es lästert sich herrlich mit Sean Taylor, die Zuhörer liegen ihm zu Füßen. Besonders stark ist der Engländer, wenn er in seinen Liedern ein bisschen die Handbremse anzieht und sich an langsamen Balladen abarbeitet. Das Publikum erklatscht sich Zugaben nach diesem seelenvollen Sofaconcert.

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