Am anstrengendsten ist das Auf- und Abschirren

Auf Bebraer Hof verrichtet Johannes Kayßer Feldarbeit mit Pferden

Isis und Frieda im Einsatz: Acht Pferde sind das Ziel von Johannes Kayßer, damit er auch sechsspännig arbeiten kann, wenn eines der Tiere krank ist oder wegen Fohlens zeitweise ausfällt. Auf der Weide steht noch Wallach Heinrich. Im Winter will Kayßer mit den Pferden Holz rücken. Fotos: Schankweiler-Ziermann

Imshausen. Wie aus einer anderen Zeit: Der Bebraer Johannes Kayßer verrichtet seine Feldarbeit nicht mit einem Schlepper, sondern mit Pferden.

„Brrr, steh, Isis!“ Ruhig, aber bestimmt kommen die Kommandos von Johannes Kayßer. Am Zügel hat er Isis und Frieda, beide 13 Jahre alt. Mit den Kaltblütern zieht er ein Kleegrasstück ab. Dazu hat er an den modernen Vorderwagen eine Wiesenegge gehängt. Der Boden wird belüftet, Trockenes abgezogen und Maulwurfshügel geebnet - so wie beim Vertikutieren des heimischen Rasens.

Johannes Kayßer und sein Vater, Detlev Zernikow-Kayßer, bewirtschaften oben auf dem Tannenhof bei Imshausen 60 Hektar mit Tee- und Gewürzkräutern. Für den Kräuteranbau sind die Pferde besonders geeignet, erklärt der 27-Jährige, aber auch fürs Häufeln und Hacken von Kartoffeln zum Beispiel.

Kayßer ist, wie er sagt, nie gerne Schlepper gefahren. Die Arbeit mit den Pferden, mit lebenden Wesen, erfüllt ihn mit Freude. Er liebt den direkten Kontakt zur Erde beim Pflügen und hat in seinen Lehr- und Wanderjahren selbst zwei Jungpferde, eines in Vorpommern und eines in Oregon, USA, ausgebildet.

Enkeltauglich, so nennt Johannes Kayßer die Feldarbeit mit den Pferden. Er hat eine Vision für die Landwirtschaft auf dem Tannenhof, die für ihn nicht rückwärtsgewandt ist, sondern Zukunft hat.

Abschirren: Das ist die schwerste Arbeit für Johannes Kayßer.

Es ist wichtig, dass das Wissen, wie man mit Pferden arbeitet, nicht verloren geht. Denn die Pferde brauchen keinen Dieselkraftstoff, der nur in begrenzter Menge vorhanden ist. Die Tiere hinterlassen wertvollen Mist statt schädlicher Abgase, und sie sorgen selbst für ihren Nachwuchs. Im Gegensatz zu schweren Schleppern verdichten die Kaltblüter den Boden nicht, was seine Fruchtbarkeit erhält. Und beim Heumachen zum Beispiel werden weniger Tiere getötet, die sich im Gras aufhalten, die in der Silage aber tödlich sind für das Vieh, das das Futter frisst.

Am anstrengendsten ist das Auf- und Abschirren, erklärt Kayßer, denn hinter den Arbeitspferden herzulaufen wie einst, das ist nicht mehr notwendig. Zum Aufschirren und Anspannen eines Vierergespanns etwa benötigt der junge Mann rund 20 Minuten.

Auf dem Vorderwagen der Firma Hisko aus dem Siegerland kann er sitzen und alle üblichen Traktorgeräte anhängen.

Auf dem Kleegrasstück angekommen, hört man außer den Kommandos, dem gelegentlichen Schnaufen der über 900 Kilo schweren Pferde und den Geräuschen der Egge keinen Maschinenlärm. Ruhig ist es hier oben auf dem Tannenhof über Imshausen. Noch ist auch der Schlepper im Einsatz, doch Kayßer hat eine Vision: Dass sein Vater, der in zwölf Jahren in den Ruhestand geht, mit dem letzten Schlepper vom Hof fährt.

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