Es begann beim Tanztee mit Heißgetränk 

Seit 70 Jahren verbunden: Ehepaar Gerlach aus Rotenburg feiert Gnadenhochzeit

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Hochzeit 1947: Hans in britischer Marineunform, Hanne im von der Schwester geliehenen Brautkleid.

Rotenburg/Bebra. Eine Liebe, die bereits seit 70 Jahren hält: Ehepaar Gerlach aus Rotenburg zeigt, dass es möglich ist. Diese Woche feierten Hanne und Hans Gerlach das Fest der Gnadenhochzeit.

Als Hanne und Hans sich 1947 vor stolzen 70 Jahren in der Jakobikirche das Ja-Wort gaben, war der Krieg gerade zwei Jahre beendet. Hanne hatte ihr Brautkleid von der Schwester geliehen, er trat in britischer Marineuniform vor den Traualtar. Die Uniform hatte der Bräutigam, weil er beim britischen Minenräumdienst beschäftigt war und er keinen anderen Anzug hatte. „So war das damals“, erzählt Hanne Gerlach (92).

Gefeiert wurde in der Alten Landvogtei, wo ihre Familie damals lebte. Es gab Gulasch, extra aus Bremen organisiert und sehr lecker. „Es war schwierig, etwas Ordentliches zu essen zu bekommen“, erinnert sie sich. Dass es Pferdefleisch war, wussten die 30 Gäste nicht. Eine wunderbare Feier sei es gewesen. Ein Vetter und sein Freund spielten Klavier und es wurde viel getanzt.

Tanztee mit Heißgetränk

Kennengelernt hatten sich die beiden ein Jahr zuvor, als die junge Frau in anderer Begleitung zum Tanztee mit Heißgetränk bei Else Küllmer eingeladen war. Da kam Hans mit zwei anderen herein, so adrett im weißen Hemd und in seiner Marineuniform, von der er die Rang-Abzeichen entfernt hatte. „Der könnte dir gefallen“, dachte die junge Frau, und ihm ging es genauso. Den ganzen Abend tanzten die beiden zusammen und sprachen übers Skifahren.

Hanne Gerlach ist in der Nähe von Schmalkalden geboren, kam aber noch als Kleinkind mit den Eltern nach Bebra, wo der Vater als Elektroingenieur bei der EAM beschäftigt war. Als sie sieben Jahre alt war, zog die Familie in eine der oberen Wohnungen in der Alten Landvogtei im Steinweg (heute VR-Bankverein). Hanne lernte nach der Schule Hauswirtschaft, schloss aber die Schule in Bad Hersfeld wegen eines Disputs mit dem Lehrer nicht ab.

Freuen sich, einander zu haben: Hans (93) und Hanne (92) Gerlach. Foto:  Mörchen/nh

Hans Gerlach ist in Weiterode geboren und in Bebra als Sohn eines Lokführers aufgewachsen. Er war während des Krieges bei der Marine und bekam deshalb nach 1945 keinen Studienplatz in seinem Wunschfach Jura. So lernte er zunächst Tischler, bevor er ab 1949 - schon Vater des ersten Sohnes Ulrich - in Frankfurt Berufsschullehramt studieren konnte. Abends arbeitete er nebenher bei einem Schreiner, der auf einer zerstörten Weinhandlung seine Werkstatt eingerichtet und mit einem Dach versehen hatte. Unter diesem Dach wohnte Hans und musste zum Ausgleich keine Miete zahlen. Zu Hause verdiente Hanne sich die Milch fürs Kind mit dem Verziehen von Rüben und Kartoffellesen bei Blackerts. Noch während des Studiums kam der zweite Sohn, Rolf, zur Welt.

Erst als Hans Gerlach an der Berufsschule in Bebra anfing, besserte sich die finanzielle Lage der jungen Familie, die zusammen mit den Schwiegereltern weiter in der Landvogtei wohnte, wo es an Platz nicht mangelte.

Mit viel Eigenleistung und einem Dachstuhl aus Elektromasten bauten die Gerlachs am Alten Feld - damals Rotenburger Stadtrand - ein Haus, das sie 1954 bezogen. Dann wurden noch zwei Söhne geboren: Klaus und Michael - inzwischen war Hans Oberstudienrat und später Stellvertretender Schulleiter in Bebra.

Ums Skifahren ging es beim Kennenlernen, und Skifahren blieb für die gesamte Familie immer eine besondere Freude. Als Weihnachtgeschenk für alle fuhr man viele Jahre über Silvester auf die Rießerkopfhütte, zusammen mit Hans und Hedwig Baroke. Die beiden Hans’ gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Skiclubs Kreis Rotenburg im Jahr 1968. Mit Sondergenehmigung fuhr Gerlach sogar mit Schülern auf Klassenfahrt zum Skifahren nach Garmisch.

Jeden Abend Kartenspiel

Bis heute wohnen Hans und Hanne in ihrem Haus zusammen mit der Familie des jüngsten Sohnes. Beide sind froh, dass sie einander und ihre große Familie haben. Jeden Abend spielen sie Karten, sogenannte Zank-Patience, und haben dabei viel zu lachen. Zum späten Frühstück kommen bis heute gerne die Kinder, Schwiegertöchter und neun Enkel. Nicht zu vergessen: die drei Urenkel.

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