Verein "Gegen das Vergessen - Für Demokratie"

Spannende Begegnungen: Neues Buch des Rotenburger Autors Kurt Meyer

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Sie ziehen auch weiterhin an einem Strang: Die nach dem gleichnamigen Verein benannte Reihe gegen das Vergessen – für Demokratie soll in der Jakob-Grimm-Schule fortgesetzt werden. Schulleiterin Sabine Amlung, links, sagt: „Die Tradition der Gespräche in dieser Reihe ist für unsere Schule unschätzbar wertvoll. Für die Schüler waren die Veranstaltungen immer besondere Erlebnisse, weil sie mit bekannten Menschen in Kontakt kamen, denen sie sonst nicht begegnet wären. Die Schule ist sehr dankbar dafür.“ Kurt Meyer, rechts, hat ihr ein Buch überreicht. 

Rotenburg. 20 Jahre, 20 Menschen, 20 Begegnungen: Kurt Meyer, ehemaliger Lehrer der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule (JGS), beschreibt sie in seinem neuen Buch. 

Kurt Meyer, der dieses Buch der Schule praktisch zum Geschenk macht, ist auch Mitglied des bundesweiten Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie“.

 „Kommt, reden wir zusammen“ heißt das rund 250 Seiten umfassende Werk und zitiert damit eine Zeile des Gedichts von Gottfried Benn. Zusammen mit Schülern reden, das war es auch, was sich die Gäste der Jakob-Grimm-Schule der vergangenen 20 Jahre gewünscht hatten. Kurt Meyer hatte diese jährlichen Begegnungen Gegen das Vergessen – für Demokratie ins Leben gerufen und auch nach dem Verein benannt.

Spannende Menschen mit bewegender Geschichte sind so in der Aula auf Generationen von Schülern getroffen, für die Demokratie und Freiheit eine Selbstverständlichkeit sind. Und die lernen durften durch Gespräche, durch Textpassagen und Erinnerungen, dass ihre Lebensform eben nicht selbstverständlich ist und dass sie immer wieder neu verteidigt werden muss. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck war da, Ministerin Renate Schmidt, Hanna-Renate Laurien, Ralph Giordano und Rainer Eppelmann – um nur einige aufzuzählen. „Bei all meinen Anfragen, die sich durch persönliche Begegnungen ergeben hatten, habe ich nur einmal eine Ablehnung bekommen“, erzählt Kurt Meyer. Und die war einem persönlichen Umstand geschuldet – nicht Meyers Initiative.

Begegnungen mit Menschen zu schaffen, auch mit berühmten, mit Menschen, „die im öffentlichen Leben stehen, die Besonderes erlebt haben und ihre Lehren daraus weiterzugeben gewillt und in der Lage sind“, wie Meyer schreibt, war immer Ziel seiner Initiative, um schulische Inhalte mit Lebenszusammenhängen zu verbinden, denn nur so sei wahres Lernen möglich.

Alle Schüler erreicht?

Glaubt er, dass er mit diesen Begegnungen alle Schüler erreicht hat? Als Lehrer hat er bescheidene Ansprüche, sagt er. Nicht alles müsse sofort überprüfbar und messbar sein. Er hofft, dass so mancher Jugendlicher durch die Begegnungen inspiriert wurde, dass sich langfristig etwas in seinem Denken bewegt hat. Dass er die Reihe 1998 in der Schule ins Leben gerufen hat, sieht er mit dem Blick von heute als Gegenpol zu unserer „Erregungsgesellschaft“: „Man muss in allen Lebensituationen Traditionen schaffen.“

Der frühere Geschichtslehrer plädiert für historisches Bewusstsein: „Historische Kenntnisse sind unabdingbar für die Erkenntnis der Gegenwart.“

Meyer erinnert an die Referenten mit persönlichen Eindrücken und Erinnerungen an Gespräche, lässt sie selbst zu Wort kommen durch eigene Texte oder Texte ihrer Vorfahren – zum Beispiel Marianne Meyer-Krahmer, die Tochter von Carl Goerdeler, der nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 von den Nazis ermordet worden war. Er kommt zu Wort mit seinen Visionen aus der Todeszelle heraus über ein neues Europa, das friedlich zusammenlebt und Nationalismus hinter sich lässt – beklemmend aktuell, weil es wieder Kräfte gibt, die dieses Europa ablehnen und torpedieren wollen.

Das Titelbild des Buches stammt von Martin Schaub, einem ehemaligen Kunstlehrer der JGS und zeigt seine Version des Sisyphus’: Immer weitermachen – trotz und mit der Geschichte. Überhaupt die Kollegen: Kurt Meyer erinnert in seinem Vorwort an alle, die ihn durch die vergangenen beiden Jahrzehnte. bei der Reihe Gegen das Vergessen – für Demokratie unterstützt haben, auch beider Vor- und Nachbereitung dieser Begegnungen. Die Tradition wird auch in diesem Jahr fortgesetzt.

Kurt Meyer: „Kommt, reden wir zusammen“. Jenior-Verlag Kassel, Zwölf Euro. Erhältlich auch in der Buchgalerie Berge am Steinweg in Rotenburg.

Zur Person

Dr. Kurt Meyer wurde 1945 in Ludwigslust in Mecklenburg geboren. Er ist Sohn des Generalmajors der Waffen-SS Kurt Meyer (Panzermeyer), mit dem er sich literarisch in seinem Buch „Geweint wird, wenn der Kopf ab ist“ auseinandergesetzt hat. Seine schulische Heimat fand Meyer 1961 im Internat Herrmann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein. 

Ab 1966 studierte er Deutsch und Geschichte. 1972 heiratete er Brigitte Christ und kam als Referendar zur Jakob-Grimm-Schule, wo er – unterbrochen von einem fünfjährigen Aufenthalt in Bogota – bis zur Pensionierung 2010 blieb. Meyer war lange Jahre Lehrerausbilder und engagiert sich in der Stiftung Imshausen und im Verein Gegen das Vergessen – für Demokratie. Das Ehepaar Meyer lebt in Rotenburg. 

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