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Weltklasse-Artistik bei Sport & Show in Rotenburg: Organisator Hans Hantke im Interview

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Von: Christopher Ziermann

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Das Duo Minasov kommt nach Rotenburg. Dieses Bild entstand 2011 in Bad Hersfeld. Archi
Das Duo Minasov kommt nach Rotenburg. Dieses Bild entstand 2011 in Bad Hersfeld. © Friedhelm Eyert

Eines der größten Events der Region findet am übernächsten Wochenende wieder statt: Sport & Show lädt nach Rotenburg ein. Wir haben mit Organisator Hans Hantke gesprochen.

Rotenburg/Bad Hersfeld – Die beliebte Akrobatik Veranstaltung „Sport & Show“ musste aufgrund der Eindämmung der Corona-Pandemie bereits zweimal verschoben werden. Nun findet die, vor allem bei Familien beliebte und meist ausverkaufte Großveranstaltung in Rotenburg, endlich statt. Am 13. und 14. Januar 2023 können Zuschauer die langersehnte Show sehen. Das Programm soll so bunt und hochklassig wie in all den Jahren zuvor sein. Wir sprachen mit Hans Hantke über die herausfordernde Zeit und die Zukunft von „Sport & Show“.

Herr Hantke, nach zwei Jahren Pause – wie groß ist das Interesse an Sport & Show? Wie läuft der Vorverkauf?

Wir können sehr zufrieden sein. Es sind schon weit über 5000 der 6000 Tickets verkauft. Das ist besser als erwartet. Andere Veranstalter müssen sich teilweise mit 20 oder 30 Prozent weniger Zuspruch herumschlagen. Tickets für unsere Show im Januar gibt es jetzt nur noch für die Freitagabend- und Samstagabendshow. Der Samstagnachmittag ist ausverkauft.

Nehmen Sie uns mit in die beiden Corona-Winter - womit mussten Sie sich als Veranstalter auseinandersetzen?

2020 sind wir gerade so durchgekommen. Drei Wochen später waren alle Veranstaltungen verboten. Für Sport & Show 2021 stand dann im Oktober fest, dass es nicht klappt. Geplant hatten wir ganz normal. Die Akteure hatten sich aber auch bereit erklärt, dass sie bei einem Ausfall auch 2022 auftreten würden. Dann sind die Verordnungen aber im Herbst 2022 leider wieder strenger geworden und wir mussten deshalb im November erneut absagen.

Wie war das mit den verkauften Karten?

Für unsere Zuschauer gab es kein Risiko, weil sie die Karten entweder zurückgeben oder für den nächsten Veranstaltungstermin behalten konnten. Wir haben keine Gutscheine ausgestellt, sondern das Geld erstattet.

Anfang dieses Jahres waren Großveranstaltungen unter Auflagen erlaubt. Warum kam das für Sie trotzdem nicht infrage?

Wir hätten nur 250 Zuschauer in die Halle lassen dürfen. Das hätte bei Weitem nicht für schwarze Zahlen gereicht. Unser Etat liegt bei weit über 100.000 Euro und kommt ausschließlich durch den Kartenverkauf und Sponsoren zustande.

Hat der Verein Sport & Show auch staatliche Unterstützung bekommen?

Nein! Das war für uns nicht möglich, weil wir keinem Verband angehören. Corona-Hilfen für Vereine wie uns gab und gibt es nicht. Und Verbände nehmen uns nicht auf, weil unsere Diversität mit Sport, Comedy, Musik und Artistik zu groß ist. Das ganze Risiko liegt also beim Verein.

Hans Hantke ist der Organisator von Sport & Show. Das Bild entstand 2014.
Hans Hantke ist der Organisator von Sport & Show. Das Bild entstand 2014. © Friedhelm Eyert

Wie schlimm hat es den Verein denn finanziell getroffen?

Wir mussten keine Ausfallgelder zahlen. Das gilt bei höherer Gewalt, wozu auch eine Pandemie zählt. Wenn das nun allerdings noch mal passieren würde, müssten wir zahlen. Viele Künstler fixieren das mittlerweile in den Verträgen, dass gezahlt werden muss, wenn die Absage kurzfristig erfolgt.

Also sind dem Verein durch die Absagen gar keine Kosten entstanden?

Doch, in geringem Umfang natürlich schon. Die Tickets waren gedruckt, auch die Wartung des Online-Ticketsystems kostet Geld. Und natürlich auch die Abwicklung der Rückzahlungen an die Zuschauer, um die sich die Sportagentur Speed sehr gut gekümmert hat, die für den Verein auch den Internet- und Telefonvorverkauf durchführt. Auch das ist eine Leistung, die der Verein natürlich bezahlen muss.

Sport & Show ist Ihr Baby. Was haben Sie alles zu tun, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen?

Ich organisiere das Programm, bin Vorsitzender des Vereins und Pressewart und kümmere mich, genau wie alle anderen Vereinsmitglieder, um die Gewinnung von Sponsoren. Moderiert habe ich die Show 40 Jahre lang und früher war ich auch noch Schriftführer. Gott sei Dank hat der Verein mit Heide Aust eine hervorragende Schatzmeisterin, die unsere Finanzen voll im Griff hat, wiewohl sich alle unsere Vereinsmitglieder mit unglaublich viel Engagement und Begeisterung für die Show einsetzen.

Worauf kommt es Ihnen bei der Zusammenstellung des Programms an?

Mir ist wichtig, dass auch einheimische Gruppen bei uns die Gelegenheit erhalten, auf großer Bühne aufzutreten. Das sind diesmal zum Beispiel die Rope Skipper aus Melsungen, die TPC-Streetdance-Crew aus Fulda und die Sportakrobaten der TG Lispenhausen. Dann müssen natürlich absolut hochklassige Nummern dabei sein, wie zum Beispiel das Duo Focus oder das Duo Minasov, die beide auf der Welt-Showbühne zu Hause sind. Unsere Schwerpunkte Comedy, Artistik, Akrobatik, Varieté, Sport und Musik sollten abgebildet sein. Dabei muss ich natürlich auch auf die Kosten achten. Gagen, Anreise, Catering, Übernachtungen verursachen hohe Kosten. Und allein die GEMA kostet einen fünfstelligen Betrag. Einzelakteure, kleine und große Gruppen sollen sich abwechseln. Außerdem soll der Auf- und Abbau zwischen den Nummern möglichst schnell und geräuschlos funktionieren.

Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf verschiedene Branchen ist in den zurückliegenden drei Jahren immer wieder berichtet worden. Wie sieht es bei den Künstlern aus?

Es gibt durchaus auch Gruppen, die aufgehört haben. Das weiß ich aber eher von anderen Veranstaltern. Die Künstler, die ich angesprochen habe, sind alle noch aktiv. Aber natürlich haben zum Beispiel Sport- und Gesangvereine gelitten. Ich hoffe, dass sich da nun auch einiges wieder aufbaut. Bei unserer Show kommen traditionell auch viele Künstler aus dem Ausland. Dort waren die Einschränkungen oft nicht so groß wie bei uns - zum Beispiel in Dänemark und Osteuropa.

Sie sind 77 Jahre alt und selbst Sie werden nicht jünger. Wie sieht es mit Sport & Show perspektivisch aus?

Man sollte nie sagen, dass etwas nicht mehr geht. Das ist der größte Fehler, den ältere Menschen oft machen. Solange etwas Spaß macht und man körperlich dazu in der Lage ist, sollte man aktiv sein. Es zwickt auch bei mir hier und da, das ist doch normal. Aber ich würde gerne noch das 50. Mal Sport & Show organisieren. Das wäre eigentlich 2024 gewesen, nun durch Corona aber erst 2026. Dann wissen Sie ja, wie alt ich dann wäre.

Sind Sie denn schon an einer Übergabe dran?

Nein, noch nicht. Wenn ich es absehen kann, werde ich natürlich jemanden aufbauen. Ob es jemand aus unserem Verein ist, kann ich nicht sagen. Aber natürlich muss man eine Übergabe machen. Ich brauche für die Vermittlung zu Künstlern praktisch keine Agenturen, weil ich so viele Kontakte aufgebaut habe in den vergangenen Jahrzehnten. Viele Künstler melden sich auch von sich aus bei uns, weil sie sich gegenseitig auf unsere Show aufmerksam machen. Da kommt zum Beispiel auch schon mal eine Anfrage aus Argentinien bei uns an. Nur ganz selten mal, zum Beispiel bei Gruppen aus Osteuropa, arbeite ich mit Agenten zusammen, weil es da zum Beispiel um die Sprache und vertragliche Regelungen gehen kann.

Wie gut wird es Ihnen gelingen, abzugeben?

Gut, denke ich. Ich habe diese Aufgabe lange gemacht und ich habe sie gut oder weniger gut gemacht, das müssen andere beurteilen. Und neue Leute werden das dann auch leisten können. Da muss man Vertrauen haben, dass es gut wird, auch wenn vielleicht etwas anders. Nun freue ich mich aber erst einmal auf unsere kommende Show! (Christopher Ziermann)

Zur Person

Hans Hantke (77) wurde in Limburg/Lahn geboren und ging nach dem Schulabschluss zum Bundesgrenzschutz in Bad Hersfeld. Danach absolvierte er ein Volontariat bei der Fuldaer Zeitung und kam 1973 zur Hersfelder Zeitung, wo er die Sportredaktion aufbaute. 2007 ging er in den vorzeitigen Ruhestand. Die Idee für Sport & Show hatte er 1974 nach einem Gespräch mit dem damaligen Hohenrodaer Bürgermeister Eberhard Fischer, der seine Sporthalle in Ransbach überregional vermarkten wollte. Von 1975 bis Anfang der 90er-Jahre fand die Show in Ransbach statt, dann in der Obersberghalle in Bad Hersfeld. Seit 2017 findet das Event in der Göbel Hotels Arena in Rotenburg statt.

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