„Alternativen ernsthaft prüfen“

Geplante HKZ-Verlagerung: Rotenburger Magistrat schickt Fragenkatalog ans Klinikum

In einem dreiseitigen Brief an das Klinikum Hersfeld-Rotenburg übt der Magistrat der Stadt Rotenburg scharfe Kritik an den jüngsten Entwicklungen im kommunalen Klinikverbund.

Die Rotenburger Kommunalpolitiker kritisieren die geplante HKZ-Verlagerung nach Bad Hersfeld.

Rotenburg – Insbesondere der kürzlich von der Gesellschafterversammlung beschlossenen Schließung der akutmedizinischen Abteilung des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) in Rotenburg sieht der Magistrat „mit Sorge und Bestürzung“ entgegen, heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt und an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Landrat Dr. Michael Koch (CDU), sowie die Geschäftsführer Rolf Weigel und Dr. Tobias Hermann gerichtet ist.

In dem von Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) und acht Stadträten unterzeichneten Brief fordern die Magistratsmitglieder die Klinikumleitung auf, Alternativvorschläge „mit der dazugehörigen Ernsthaftigkeit“ zu prüfen, und werfen zahlreiche Fragen auf. Einige davon hatten Stadtpolitiker bereits im Haupt- und Finanzausschuss direkt nach der Menschenkette am 8. September gestellt. Koch, Weigel und Hermann hatten sich an dem Tag den Fragen des Gremiums gestellt, aber aus Sicht der Rotenburger Politiker diverse Fragen nicht ausreichend beantwortet.

Mit dem dreiseitigen Brief erhofft sich der Magistrat nun Antworten, vor allem rund um die Übernahme des HKZ vor vier Jahren durch das kreiseigene Klinikum. Etwa ob der sich im Jahr 2016 neu konstituierte Aufsichtsrat den notariellen Kaufvertrag kannte, ob der Vertrag eine Bestandsgarantie für das HKZ beinhalte und ob in dem Papier Investitionen für den HKZ-Standort auf dem Rotenburger Hausberg festgeschrieben worden seien. Der Magistrat möchte auch wissen, ob bei inhaltlichen Verstößen Vertragsstrafen vorgesehen seien.

Noch im Juni 2019, beim Hessentag in Bad Hersfeld, habe Martin Ködding, der damalige Geschäftsführer, in einem HR-Interview den Umzug von Orthopädie und Psychiatrie nach Rotenburg als „unumgänglich für den Fortbestand des Klinikums in Gänze erklärt und diesen Umzug nochmals beteuert“. Heute, gut ein Jahr später, sollten diese Pläne „nur noch Schall und Rauch sein, was unsererseits absolut nicht nachvollziehbar ist.“

Die Stadtverantwortlichen bringen auch ihren Unmut darüber zum Ausdruck, was sich aus ihrer Sicht seit der Kommunalisierung der renommierten Herzklinik in Rotenburg zum Negativen verändert habe. So habe der „Raubbau am HKZ“ mit der Verlagerung der „gewinnbringenden Stroke Unit“ und dem Aufbau einer Kardiologie am Klinikum in Bad Hersfeld begonnen. Stroke Unit ist der Fachbegriff für eine auf die Behandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisierte Station. „Allein diese beiden Fachabteilungen hätten mehr als zur Stärkung des Standortes HKZ beitragen können und gegebenenfalls das HKZ buchhalterisch aus dem Defizitbereich geführt“, schreiben die Magistratsmitglieder. Im HKZ erwirtschaftete Gewinne hätten dann im Klinikkonzern zum Ausgleich von Verlusten oder für Neuinvestitionen zur Verfügung stehen können. „Hier wäre eine Win-Win-Situation entstanden, die scheinbar nicht einmal seitens der Verantwortlichen angedacht wurde“, heißt es weiter.

Zudem fragt der Magistrat, warum die Kardiologie vom Klinikum nicht wieder an das HKZ „zurückgeführt“ werde. „Wurden diesbezüglich Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestrebt oder ernsthaft in Erwägung gezogen?“

Die Stadtvertreter prangern zudem an, dass es noch keine Aussagen über eine Folgenutzung der HKZ-Immobilie gebe. Klinikum-Geschäftsführer Rolf Weigel hatte im Interview mit unserer Zeitung am Montag gesagt, dass es dafür noch zu früh sei. Das Klinikum, dem das HKZ gehört, habe „ein substanzielles Interesse daran“, dass das Gebäude sinnvoll weitergenutzt werde. „Deshalb muss in Rotenburg niemand die Sorge haben, dass wir dort ausziehen und uns nicht mehr um unsere Immobilie kümmern“, so Weigel.

Von Sebastian Schaffner

Rubriklistenbild: © HNA-Archiv

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