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Stadträte mit Tränen verabschiedet:  Ursula Ender tritt noch mal ans Rednerpult, Rotenburg trauert um Klaus Troch

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Von: Christopher Ziermann

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Mit einem Appell an die Abgeordneten, zum Wohle der Bürger und nicht ihrer Parteien Politik zu machen, verabschiedete sich die Erste Stadträtin Ursula Ender.
Mit einem Appell an die Abgeordneten, zum Wohle der Bürger und nicht ihrer Parteien Politik zu machen, verabschiedete sich die Erste Stadträtin Ursula Ender. © Ziermann, Christopher

Das Schicksal schreibt mitunter tragische, aber zugleich ergreifende Geschichten. Die offizielle Verabschiedung der Ersten Stadträtin Ursula Ender (79, CDU) und des Stadtrats Klaus Troch (71, SPD) ging am Donnerstag in der Rotenburger Stadtverordnetenversammlung mit Tränen, Umarmungen und großer Dankbarkeit einher.

Rotenburg – Die schwer erkrankte Ursula Ender trat dabei selbst ans Rednerpult. Klaus Troch konnte nicht vor Ort sein – er starb noch in der Nacht, nachdem er ebenso wie Ender von den Abgeordneten einstimmig mit einem Ehrentitel bedacht worden war.

Für einen Moment spielte Parteipolitik im höchsten politischen Gremium der Stadt keine Rolle. Die Betroffenheit im Bürgersaal war förmlich greifbar – und angemessen bei zwei Menschen, die die Stadt Rotenburg über Jahrzehnte mitgeprägt haben. Nach den Ehrungen und Reden bat Markus Vöckel um eine Sitzungsunterbrechung, damit sich alle Anwesenden erst einmal sammeln konnten. Denn danach musste es zwangsläufig mit dem Tagesgeschäft weitergehen.

„Wir verabschieden zwei Menschen, die ein großes Loch reißen – in menschlicher, fachlicher und politischer Hinsicht“, sagt Bürgermeister Christian Grunwald (CDU), der einige Male mit seiner Stimme zu kämpfen hat. Troch und Ender hatten ihre Ämter wegen ihrer Erkrankungen niedergelegt. Daher kommt das Thema mit der Nachbesetzung der Magistratsposten auf die Tagesordnung der Sitzung. Den langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Klaus Troch, der bis zu seinem Ruhestand 2011 unter anderem die Polizeistation Bad Hersfeld geleitet hatte, bezeichnet der Bürgermeister als „väterlich-politischen Ratgeber“.

Troch hatte Grunwald bei dessen Amtsantritt 2012 in seiner Funktion als Parlamentsvorsitzender vereidigt. Dieses Amt hatte er auch inne, als die Fuldastadt in der Schutzschirm-Zeit schwere politische Entscheidungen treffen und als der Einzug der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in der Alheimer-Kaserne moderiert werden musste. Zwischen Grunwald und Troch hatte es durchaus auch starke politische Meinungsverschiedenheiten gegeben. Der Bürgermeister bezeichnet den SPD-Mann in seiner Rede als einen Menschen des Ausgleichs, der seinen Standpunkt dabei „niemals laut, doch immer fachlich fundiert“ vertreten habe. Troch wird vom Parlament zum Ehrenvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung ernannt.

Mit einer langanhaltenden Umarmung bedankte sich Bürgermeister Christian Grunwald. Alle Anwesenden spendeten stehend Applaus.
Mit einer langanhaltenden Umarmung bedankte sich Bürgermeister Christian Grunwald. Alle Anwesenden spendeten stehend Applaus. © Christopher Ziermann

Bei Ursula Ender hebt Grunwald hervor, dass sie mit ihrem politischen Engagement in einer „insbesondere für Frauen schwierigen Zeit“ begonnen und sich in der Männerwelt stets behauptet habe. Die CDU-Politikerin war auch die erste Frau, die in Rotenburg das höchste Magistratsamt nach dem Bürgermeister bekleidet hat. Dafür wird sie zur „Ehren-Ersten-Stadträtin“ ernannt.

„Wir wollten eigentlich 2024 gemeinsam aus unseren Ämtern ausscheiden. Du bist für mich ein politisches Gesicht, das in Rotenburg mit der Queen vergleichbar ist. Du hast stolz und aufrecht stets der Stadt gedient“, sagt Grunwald. Er hebt auch sein enges persönliches Verhältnis zu Ursula Ender hervor. Auch Parlamentsvorsteher Thomas Nölke (SPD) spricht seinen Dank aus.

Die Geehrte selbst tritt nun ans Rednerpult und sagt, dass es in den zurückliegenden 30 Jahren auch viel Ärger gegeben habe. „Ich hoffe, dass das in Zukunft etwas besser wird, denn wir arbeiten alle zum Wohle unserer Bürger und nicht zum Wohle unserer Partei. Darüber müssen wir uns im Klaren sein.“ Es falle ihr sehr schwer, das Amt aufzugeben, doch es gehe leider aus gesundheitlichen Gründen nicht anders. „Ich danke allen, die mich angerufen haben oder die mir Zuspruch geleistet haben. Vielen Dank.“

Die Nachfolger in Magistrat und Parlament

Neuer Erster Stadtrat ist Claudius Nölke (CDU). Reiner Wollrath (SPD) und Eva Pippert (CDU) wechseln vom Parlament in den Magistrat. Walter Heckmann (SPD) und Wolfang Ritter (CDU) rücken in die Stadtverordnetenversammlung nach. 

Als Stadtverordnetenvorsteher vereidigte Klaus Troch (SPD) 2012 Bürgermeister Grunwald (CDU). Archivfoto: Jörg Steinbach
Als Stadtverordnetenvorsteher vereidigte Klaus Troch (SPD) 2012 Bürgermeister Grunwald (CDU). Archivfoto: Jörg Steinbach © Archivfoto: Jörg Steinbach

Rotenburg trauert um Klaus Troch: SPD-Politiker nach Krankheit verstorben

30 Jahre lang hat Klaus Troch zu den bedeutendsten politischen Mandatsträgern der Stadt Rotenburg gehört. Nun ist er im Alter von 71 Jahren gestorben. Der Lispenhäuser hat auch außerhalb der ehrenamtlichen Stadtpolitik Ämter bekleidet, die sich auf das Leben der Menschen in der Region auswirkten.

Klaus Troch
Klaus Troch © Archivfoto: Marcus Janz

In seinen letzten fünf Berufsjahren leitete Troch bis 2011 die Polizeistation Bad Hersfeld. Auch zuvor hatte er als Dienstgruppenleiter in Hessisch Lichtenau, Sontra und Rotenburg sowie in der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg leitende Funktionen inne.

Ab 1993 saß Troch für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung, ab 1997 war er Stellvertreter und ab 2001 Stadtverordnetenvorsteher. 2016 wechselte er als Stadtrat und Zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters aus dem Parlament in den Magistrat.

In der SPD wurde er besonders für seine Hilfsbereitschaft und Loyalität geschätzt, obwohl er nicht immer entsprechend seiner Partei abstimmte. 2019 übernahm er in einer personell schwierigen Situation des SPD-Ortsvereins Lispenhausen dort den Vorsitz. Sein Heimatdorf lag ihm stets ganz besonders am Herzen.

Der dreifache Vater und zweifache Großvater einer sportbegeisterten Familie hat bis zuletzt in der Beachvolleyball-Truppe der TG Lispenhausen mitgespielt. Außerdem sang er im Chor und wanderte gerne. (Christopher Ziermann)

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