Fulda ist Anziehungspunkt

Trotz Corona: Rotenburger feiern ein bisschen Strandfest

Das Strandfest muss wegen Corona ausfallen – es gibt also keine zigtausend Lichter im Schlosspark, kein fröhliches Wiedersehen am Wehr. Oder doch?

Nur wenige Besucher im Schlosspark sind am Samstagabend so gut ausgestattet wie diese Gruppe, die auf dem beleuchteten Bollerwagen mit Rotenburger Stadtwappen alles dabei hat, was man so zum „Überleben“ braucht. 

Es ist dieses einzigartige Strandfest-Gefühl, das alte und junge Rotenburger jedes Jahr am ersten Juli-Wochenende packt. Junge Menschen im Studium oder der Ausbildung kommen nach Hause, um ihre Freunde zu treffen. Rotenburger Fahnen werden ausgepackt, Häuser werden mit Wimpeln in den Farben der Fuldastadt dekoriert. Und 2020? Findet das Fest nicht statt – aber das Gefühl ist trotzdem da.

Denn auch in Corona-Zeiten wollen die Rotenburger dieses erste Juli-Wochenende nicht ganz ohne ihr Strandfest verstreichen lassen. Viele halten an dem fest, was mal möglich war.

Ole Deist, Marius Wunike und Sven Strauchmann zum Beispiel. Die drei jungen Männer der Freizeitmannschaft SC Hütte laufen auch am Freitagabend fünf Kilometer in ihren schwarz-grünen Trikots durch die Stadt. Normalerweise nehmen sie in einer Fünfer-Gruppe am Strandfestlauf teil. Was sie sonst noch vorhaben an diesem Wochenende? Draußen sitzen, Freunde treffen. Mit Abstand. Und den Schmuck vermissen. „Das Strandfest-Feeling geht verloren“, sagen sie und bedauern, dass die Stadt nicht die Straßen oder zumindest das Rathaus geschmückt hat.

Sven Strauchmann (von links), Marius Wunike und Ole Deist verzichten auch 2020 nicht auf ihren Lauf über fünf Kilometer quer durch die Stadt.

Viele Rotenburger haben sich das dagegen nicht nehmen lassen: Zahlreich wurden Häuser und Grundstücke für das traditionelle Fest dekoriert. Auch Geschäfte in der Breitenstraße erinnern mit den Rotenburger Farben an das Fest.

In der Scheunengasse sitzen Thomas und Brigitte Tegethoff. Ihr Haus am Rainchen ist ein echter Hingucker: Die Rotenburger Fahne und ein Wimpel in den Farben der Stadt hängen. Mit Steffen Kiel und Manfred Schmidt trinken sie ein Feierabend-Bier. Dieser Standort wird beibehalten während der anderen Tage des etwas anderen Strandfests. Am Samstag wird gegrillt. „Da sind mehr Leute da“, sagt Manfred Schmidt.

Steffen Kiel (von links), Brigitte Tegethoff, Manfred Schmidt und Thomas Tegethoff genießen das „etwas andere Strandfest“ vor der eigenen Haustür.

Im Bermuda Dreieck, da, wo sich am Freitagabend normalerweise tausende Menschen tummeln, bleibt es dieses Jahr vergleichsweise still. Die Schlosssklause hat ihren Außenbereich ausgedehnt. Es gibt keinen Platz mehr für den, der nicht reserviert hat. Überhaupt sind an diesem Wochenende Cafés, Gaststätten und Restaurants sehr gut besucht. Ein Glück, nach der langen Corona-Zeit.

Am Samstag ist es ruhig in Rotenburg. Spaziergänger und Radfahrer sind unterwegs. Viele bleiben nicht, um einzukaufen, obwohl der Einzelhandel am sogenannten Aktionstag bis 17 Uhr geöffnet hat.

Später am Abend sind wieder die Plätze in den Restaurants und Kneipen reserviert, Jugendliche und jung gebliebene treffen sich auch am Wehr. Der Fluss ist Anziehungspunkt.

Und es werden Lichter gelegt. Überall in der Stadt, in Gärten, Restaurants und natürlich auch im Schlosspark. Da, wo sonst 20 000 Lichter erstrahlen, sind es an diesem Wochenende nur wenige, die mit ihren Lichtern eine Botschaft vermitteln. Ein bisschen Strandfest-Gefühl konservieren. Für nächstes Jahr. Hoffentlich.

Die Wassersportfreunde Rotenburg starten am Sonntagabend mit drei beleuchteten Booten zum Mini-Bootskorso. Auch der Boots Corso Club (BCC) hat sich angekündigt. Beim ersten Strandfest 1927 waren die Boote auf der Fulda die Hauptattraktion. Unser Foto zeigt von links Markus Holzhauer, Hannah Hoppert, Rolf und Martin Heise sowie Tobi Zülch.

Rubriklistenbild: © Susanne Kanngieser

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