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Straßensanierung im Haselgrund: Radweg wird doch nicht gesperrt

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Von: Christopher Ziermann

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Freude im Haselgrund: Obwohl die frohe Kunde, dass der Radweg doch geöffnet bleibt, am Nachmittag schon die Runde gemacht hatte, kamen über 50 Bürger zum Fototermin mit unserer Zeitung am R5 bei Schwarzenhasel – schließlich war auch Weltfahrradtag. Das Verbotsschild für Fahrräder links im Bild, das schon in Position gebracht worden war, kann nun wieder abgebaut werden.
Freude im Haselgrund: Obwohl die frohe Kunde, dass der Radweg doch geöffnet bleibt, am Nachmittag schon die Runde gemacht hatte, kamen über 50 Bürger zum Fototermin mit unserer Zeitung am R5 bei Schwarzenhasel – schließlich war auch Weltfahrradtag. Das Verbotsschild für Fahrräder links im Bild, das schon in Position gebracht worden war, kann nun wieder abgebaut werden. © Christopher Ziermann

Radfahrer haben nun zwischen Lispenhausen und dem Haselgrund während der Sanierung der Landesstraße doch freie Fahrt – jedenfalls grundsätzlich.

Lispenhausen/Schwarzenhasel – Der Wirtschaftsweg, der zugleich auch der Radweg R5 und als Umleitungsstrecke für Busse und Einsatzfahrzeuge ausgewiesen ist, bekommt eine Ampel, die für einen 700 Meter langen Abschnitt den Verkehr regelt. Zunächst hatte die Stadt Rotenburg vergangene Woche mitgeteilt, dass der Radverkehr dort untersagt wird. Das hatte zu Protesten in der Bevölkerung geführt.

„Es gibt viele Einwohner im Haselgrund, die mit dem Rad zur Arbeit fahren – ich auch“, sagt Dr. Martin Oechsner. Der medizinische Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses lebt in Erkshausen. Einige hätten sich gerade für die Zeit der Bauarbeiten neue E-Bikes angeschafft oder ihre Räder mit Anhängern aufgerüstet, um zum Beispiel den Einkauf in Lispenhausen ohne die mit dem Auto nötigen Umwege erledigen zu können. Auch beim Stadtradeln seien die Haselgrunder vorn mit dabei.

Zahlreiche Bürger haben sich zusammengetan und bei der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, der Stadtverwaltung und auch bei Landespolitikern auf eine Lösung gedrängt. „Überall wird über den ökologischen Fußabdruck geredet. Da geht eine monatelange Sperrung eines Fahrradweges völlig gegen den Trend“, sagt Oechsner.

Nun gibt es aber doch eine Lösung, wie Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald am Freitag mitgeteilt hat. Er legt Wert darauf, dass sich darum mitnichten erst seit dem Protest aus der Bevölkerung bemüht worden sei. Erst bei einem Vorort-Termin mit Hessen Mobil und der Verkehrspolizei der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg am Freitagmorgen sei sich allerdings endgültig darauf verständigt worden, dass – mit Augenmerk auf die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer – auch Fahrradfahrer den Weg mit der Ampelanlage nutzen dürfen. „Wer eine Strecke für den Verkehr freigibt, ist auch verantwortlich, wenn etwas passiert. Das kann man nicht schnell mit einem Achselzucken genehmigen – letztlich hafte ich als Bürgermeister“, sagt Grunwald. Er weist nachdrücklich darauf hin, dass eine rote Ampel auch für Radfahrer unmissverständlich bedeute, dass sie warten müssen. Die Einhaltung der Regeln werde kontrolliert. Er betont noch einmal, dass der Weg trotz Ampel für Autofahrer absolut tabu ist. Nur wenn sich alle an die Regeln halten, könne die Durchfahrt für Radfahrer offenbleiben. „Wer bei Rot fährt, trägt auch die Schuld, wenn es zum Unfall kommt.“

Ein Teilstück des Radweges auf Höhe der Mühle ist so eng, dass dort ein Bus und ein Fahrrad nicht gleichzeitig passieren können. Hessen Mobil hat dort zwar Ausweichbuchten gebaut – eine Ampel ist aber laut Grunwald auch für den Verkehr von Rettungsfahrzeugen und Bussen nötig, weil es dennoch zu Begegnungsverkehr kommen kann. Die Sensoren der Ampel sollen auch Radfahrer erkennen und dann auf Grün springen – außer natürlich, wenn schon von der anderen Seite her ein Verkehrsteilnehmer die Engstelle passiert.

Grunwald bedankt sich bei Polizei und Hessen Mobil, dass die Genehmigung möglich gemacht wurde. Alleine hätte die Stadt das nicht entscheiden können.

Kommentar von HNA-Redakteur Christopher Ziermann

Die monatelange Baustelle zwischen Lispenhausen und Schwarzenhasel wird den Bürgern im Haselgrund einiges abverlangen. Sie ist aber dringend nötig, und das nicht erst seit gestern. Der Zustand der Landesstraße, die auch eine Verbindung nach Waldkappel und in den Werra-Meißner-Kreis ist, ist skandalös schlecht. Deshalb sind nun Pragmatismus, Geduld und Vernunft gefragt – von allen Seiten.

Die offizielle Umleitung von über 30 Kilometern übersteigt die Grenze des Zumutbaren. Dort schafft die Stadt Rotenburg Abhilfe mit der Öffnung von Feldwegen für Autofahrer. Selbstverständlich ist das nicht – und erfordert nun die Vernunft der Bürger. Mal eben doch über den Haseler Berg von Schwarzenhasel nach Lispenhausen fahren, vielleicht nachts um halb 3, in der Hoffnung, dass man nicht erwischt wird – damit würde man allen Mitbürgern einen Bärendienst erweisen.

Und Gleiches gilt natürlich auch für Radfahrer. Rot heißt Rot, heißt Stehenbleiben und auf Grün warten. Auch wenn man es eilig hat.

Ob die Nutzung des Radweges trotz Bus- und Rettungsfahrzeugeverkehr erst auf Druck der Bevölkerung möglich gemacht wurde oder ob man schon vorher dran war, ist letztlich egal. Öffentlich war nicht bekannt gewesen, dass man um eine Lösung bemüht ist. Zumindest die Kommunikation war zunächst unglücklich und der Aufschrei in der Bevölkerung daher verständlich.

Stichwort Umweltschutz, Stichwort E-Bikes – Radwege sind schon lange nicht mehr nur für Ausflügler und die wenigen besonders Sportlichen da, die auch schon früher und auch aus den hügeligen Tälern zur Arbeit geradelt sind. Die Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel nimmt von Jahr zu Jahr zu. Eine monatelange Sperrung wäre mitnichten nur ein kleines Übel einer großen Baustelle gewesen. Gut, dass das nun mit dem Pragmatismus der Behörden abgewendet wird. Geschadet hat der Protest der Haselgrunder sicher nicht. (Christopher Ziermann)

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