"Glaubersalz zum Nachtisch"

Theatergruppe Erkshausen: Aufführung mit Schmackes

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Familienstreit: Die Ärztin würde gerne beschwichtigen. Von links: Andrea Asal, Silke Köberich, Andreas Heimbuch, Anja Löwenstein und Stefan Asal. Fotos: Susanne Kanngieser

Feinste Unterhaltung bot die Theatergruppe "Chaos GmbH" in Erkshausen. Sie zeigte drastisch-lustig, wie es bei einer Fastenkur im Sanatorium zugehen kann.

Schade, dass es beim Schauspiel keine Zugabe gibt. Obwohl die neue Komödie der Theatergruppe „Chaos GmbH“ des Vereins Lust am Dorf in Erkshausen im Normbereich war und etwa zwei Stunden dauerte, so hätte man dem turbulenten Treiben auf der Bühne noch wesentlich länger zusehen mögen.

„Glaubersalz zum Nachtisch“ hieß das Stück, in dem sieben Akteure am vergangenen Wochenende zeigten, was Amateurtheater kann, wenn man es mit Schmackes anpackt. Regisseurin Ute Kern bot mit ihren Darstellern feinste Unterhaltung.

Was man verpasst hat, wenn man nicht in den drei schnell ausverkauften Vorstellungen war? Es ging um Fasten, Fitness, Verweigerung und verpeilte Frauen. Amadeus Motzer (herrlich Ekel-Alfred-mürrisch und immer verweigernd: Stefan Asal) fastet mit Ehefrau Ellen (sehr sympathisch und immer um Ausgleich bemühend: Anja Löwenstein) und Schwägerin Marie (konsequent auf Krawall gebürstet: Silke Köberich) unfreiwillig in einer Kur. Trotzig hortet er Schokoriegel unter dem Bett und drückt sich vor der Gymnastik.

In diese Situation platzt Markus (hervorragend smart und elastisch: Andreas Heimbuch). Er soll mit Amadeus Zimmer und Bett teilen, wovon der natürlich überhaupt nichts hält. Er wird immer garstiger, auch, weil Markus mit seinem Charme so viel Erfolg bei Frauen hat. Unter anderem auch bei Schwester Monika (wunderbar naiv und unbedarft: Jessica Gehauf). Amadeus muss sich wegen seines aufsässigen Verhaltens mit Ellen und Marie einer „Therapiesitzung“ mit Dr. Schnabel (eine erstklassige Paraderolle für Andrea Asal) stellen.

Am Ende kommt es dicke: Natürlich ist der smarte Frauenliebling ein Betrüger und hat bei den Frauen in der Kurklinik abgesahnt. Alle sind ihm „auf den Schleim gegangen“. Nur Ellen ist entspannt: Sie hat das Geld vom Konto des mürrischen Ehemanns überwiesen. Im Dorfgemeinschaftshaus blieb kein Auge trocken. „Hören Sie doch bitte auf zu streiten!“ versuchte Klinikdirektorin Schnabel die krakeelenden und sich gegenseitig beschimpfenden Patienten zur Ordnung zu rufen. „Wer streitet hier?“ brüllte Amadeus Motzer sie an: „Wir reden immer so miteinander!“

Es waren diese und ähnlich gelungene Szenen, die zum Erfolg der drei Aufführungen beitrugen. Immer wieder wurde das Publikum in die Handlung einbezogen. Zum Beispiel bei der Entspannungsübung mit einem kräftigen „Ommmmm“. Joggend liefen die Darsteller durch den Zuschauerraum, machten richtig Dampf und sprachen die Besucher von der Bühne aus an.

Das schnelle Tempo der Inszenierung, der Wortwitz und auch die überzeugende Körpersprache der Darsteller ließen nur einen Schluss zu: Die Chaos GmbH machte ihre Sache so gut, dass der Begriff Amateurtheater in ihrem Fall auf den Prüfstand gehört. Ein starkes Stück, für das es stürmischen Beifall gab.

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