Wechsel zum Regierungspräsidium

Leiter Thomas Baader verlässt Erstaufnahmeeinrichtung Rotenburg

Als er nach Rotenburg kam, war er nur wenige Tage später für 800 geflüchtete Menschen verantwortlich. 

Ein Block, ein Stift, ein Diensthandy und ein Telefonverzeichnis mit wichtigen Nummern – diese Grundausstattung überreichten zwei Mitarbeiter des RP Gießen Thomas Baader, als er am 11. August 2015 zur Kaserne in Rotenburg kam. Ein Büro könne er sich suchen, sagten sie noch und verwiesen mit großzügiger Armbewegung in Richtung Kaserne. 

Das also war der Startschuss für den Leiter der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. „14 Tage später standen 800 Leute vor der Tür“, fasst Baader die Entwicklung zusammen. Für ihn begann die spannendste und schönste Zeit seiner Beamtenlaufbahn: der Aufbau einer Einrichtung, die im Vorfeld auf keine große Begeisterung in der Bevölkerung gestoßen war, die sich aber in den fünf Jahren ihres Bestehens zu einem weitgehend akzeptierten Bestandteil der Stadt entwickelt und viele Menschen zu ehrenamtlichen Engagement veranlasst hat. Baader, der die Einrichtung nun verlässt, hat daran sicher einen nicht unerheblichen Anteil. 

Das bescheinigte ihm bei einer kleinen Abschiedsfeier auch der zuständige Dezernatsleiter Manfred Becker. Baader und sein Team hätten die Einrichtung in der ehemaligen Alheimer-Kaserne zu einem vorbildlichen Standort gemacht – immer unter der Prämisse: Da kommen Menschen, denen wir helfen müssen. Baader selbst ist durchaus zufrieden, kritisiert aber auch, die Entwicklung des Standorts sei erheblich gestört worden durch die Diskussionen um dessen Dauerhaftigkeit. Die Umnutzung als Zollschule oder – wie nun beschlossen – als Ausbildungsstandort für die Bundespolizei habe dazu beigetragen, dass Pläne nicht umgesetzt werden konnten: Die Umgestaltung des ehemaligen Offizierskasinos zu einem Haus der Begegnung etwa, der Ausbau der medizinischen Abteilung mit einer kleinen Klinik, der Bau eines Spielplatzes („Eigentlich ein Muss“), ein barrierefreies Wohngebäude – all das wird es nicht mehr in der Kaserne geben, in der aktuell rund 400 Menschen untergebracht sind. 

Ehrenamtliche Unterstützung der Flüchtlinge wird weiter gebraucht, meint Baader, wenn auch die professionelle personelle Infrastruktur ausgeweitet wurde. Das hat auch dazu geführt, dass Thomas Baader inzwischen weniger persönlichen Kontakt zu den Bewohnern hat. Zu Beginn seiner Tätigkeit vor fünf Jahren sei das noch anders gewesen – wie so vieles in diesem Ausnahmezustand, als viele Flüchtlinge kamen. 

Der 65-Jährige, der zum Regierungspräsidium Kassel wechseln wird, erzählt gern, wie er mit Bürgermeister Christian Grunwald und Pfarrer Lars Niquet Betten für die Flüchtlinge aufgebaut hat, wie freundschaftlich-professionell der Umgang mit den Dienstleistern, etwa dem DRK, war zu einer Zeit, „in der man etwas bewegen konnte, ohne vorher 100 Leute zu fragen“. Pionierzeit. Für Thomas Baader wird es zunächst keinen Ersatz geben. Sein Stellvertreter Andreas Hobbie leitet die Einrichtung, die bald durch eine Schule der Bundespolizei abgelöst werden soll

Zur Person

Thomas Baader (65), aufgewachsen in Lauterbach, hat seine Verwaltungsausbildung beim Vogelsbergkreis gestartet und wechselte 1995 zum RP Gießen. Er absolvierte ein Studium für den gehobenen Dienst und ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium. Letzteres habe ihm besonders in Rotenburg geholfen, sagt er. Den Aufbau und die Leitung der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung übernahm Baader 2015. Über den Ruhestand hinaus wird er beim RP Kassel weiterarbeiten. Baader ist verheiratet und hat zwei erwachsene Adoptivtöchter. Er ist auch staatlich geprüfter Skilehrer und Bergführer.  

Eine glatte 1 im Deutsch-Abitur, ein Abi-Schnitt von 1,6: Das hat Sadaf Dourandish in Rotenburg geschafft, die vor vier Jahren noch kein Wort Deutsch konnte.

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