Grunwald: Wehklagen passt nicht zur Wirklichkeit

Bürgermeister zur Stadtentwicklung in Rotenburg: "Jeder ist ein Imageträger"

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Besuchermagnet: Der Mehrgenerationenspielplatz im Heienbach hat sich zu einer touristischen Attraktion entwickelt.

Die Übernachtungszahlen sind super, aber viele Rotenburger sprechen vor allem über den Leerstand. Bürgermeister Christian Grunwald im Interview über Stadtentwicklung und Störfeuer.

Stadtumbau, Stadtentwicklung – das gehört zusammen in Rotenburg. Die Planungen und Absprachen mit übergeordneten Behörden laufen. Doch das scheint in der Stadt nicht anzukommen. „Es herrscht ein Wehklagen, das nicht der tatsächlichen Situation entspricht“, sagt Bürgermeister Christian Grunwald.

Herr Grunwald, der Bau der Fußgängerhängebrücke hat viele Hürden genommen, das Konzept für den Stadtumbau liegt in Wiesbaden zur Genehmigung – und in den sozialen Netzwerken heißt es nur „Aber der Leerstand“. Macht Sie das sauer?

Sauer nicht. Aber ich verstehe die reduzierte Wahrnehmung vieler Rotenburger nicht und auch nicht deren negative Einstellung zu ihrer Heimatstadt. Stadtentwicklung bedeutet, dass man die Stärken der Stadt herausarbeiten muss. Rotenburgs Stärke ist der Tourismus in all seinen Facetten. Unsere Übernachtungszahlen sind super und können sich noch steigern – wenn nicht die Rotenburger selbst öffentlich ihre Stadt niedermachten. Man muss sich klarmachen: Jeder Rotenburger ist Imageträger der Stadt.

Leerstand, besonders im Steinweg, ist nun mal ein deprimierender Anblick.

Deshalb planen wir mit der MER ja auch die Umgestaltung des Steinwegs zum Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. Das ist aber ein Gesamtprojekt, da müssen auch Grundstückeigentümer mitziehen. Klar ist: Rotenburg ist kein gottgegebener Gewerbe- und Einzelhandelsstandort. Das, was sich an Geschäften etabliert hat, ist die Folge von Angebot und Nachfrage. Es fehlt aber auch nichts in Rotenburg. 

An kleinen Geschäftchen, die nicht einmal über Kundentoiletten und einen Sozialraum verfügen, ist kein Investor interessiert. Da wäre es Sache der Eigentümer, die Gebäude umzuwidmen, aus ehemaligen Geschäftsräumen etwas anderes zu machen.

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald

Aber das kostet Geld. Besonders ältere Eigentümer wollen nicht mehr investieren.

Da muss ich aber auch mal ganz klar sagen: Eigentum verpflichtet. Wer über Jahrzehnte immer nur Geld mit Immobilien verdient und von der Substanz gelebt hat, der hat auch der Allgemeinheit gegenüber eine Verpflichtung. Auch die Denkmalschutzbehörde ist gefragt: Es muss Druck ausgeübt werden auf die, die nichts zum Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude unternehmen – nicht Druck auf die, die investieren. Die MER berät außerdem, wie und wo man sich für die Fachwerksanierung Unterstützung holen kann.

Warum dauert es eigentlich so lange, bis Projekte umgesetzt sind?

Nehmen wir die Pläne für Bootsrutsche am Wehr und Fuldaufergestaltung: Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann.Münden gibt derzeit keine Genehmigung, weil man beschlossen hat, in den nächsten Jahren erst mal Bestandsaufnahme zu machen. Das Amt blockiert uns jetzt. 

Schwierig ist es auch, Grundstücke für die Stadtentwicklung zu bekommen – für private und öffentliche Bauten. Wir müssen hart verhandeln, weil wir öffentliches Geld ausgeben. Manche Eigentümer satteln bei den Preisen drauf, wenn die Stadt kaufen will, und bremsen so die Gesamtentwicklung. Gesetzliche Vorgaben und Auflagen einzuhalten, braucht natürlich auch viel Zeit.

Frustrieren lassen Sie sich davon nicht?

Nein. Damit gehen wir um. Und es läuft auch eine Menge: Der Mehrgenerationenspielplatz zum Beispiel ist zum kreisübergreifenden Publikumsrenner geworden, die Wanderwegebeschilderung läuft, der Schaukelwald wird demnächst eingeweiht. Wir sind die erfolgreichste touristische Arbeitsgemeinschaft in der Grimm-Heimat. All das gehört bereits zur positiven Stadtentwicklung. Ich würde mir daher wünschen, dass die Menschen noch mehr mit Vertrauen und Aufbruchstimmung zu diesem Prozess beitragen.

Zur Person

Christian Grunwald (41) ist seit 2012 Bürgermeister der Stadt Rotenburg. Er war im September 2011 gewählt und 2017 im Amt bestätigt worden. Der in Rotenburg aufgewachsene und der CDU angehörende Verwaltungschef ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er ist auch Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg. 

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