41-Jähriger war in Geldnot

Trauerkarten unterschlagen: Postbote aus Rotenburg zu Geldstrafe verurteilt

Rotenburg. Wegen Diebstahls und Verletzung des Postgeheimnisses hat der Strafrichter am Amtsgericht Bad Hersfeld einen Mann aus Rotenburg zu einer Geldstrafe verurteilt.

Konkret ging es am Dienstag um 19 Fälle, für die der 41 Jahre alte Mann zu der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt wurde.

Der Angeklagte, der zur Tatzeit als Zusteller bei der Deutschen Post arbeitete, hatte zuvor gestanden, zwischen Oktober 2014 und Juli des folgenden Jahres immer wieder Briefe unterschlagen zu haben, in denen er Bargeld vermutete. Dabei hatte der diebische Postbote gezielt nach Trauerkarten Ausschau gehalten, in denen üblicherweise auch eine finanzielle Zuwendung für die Hinterbliebenen steckt. Die Ausbeute des Rotenburgers war freilich mager: Auf kaum mehr als 20 bis 30 Euro bezifferte er gegenüber Richter Elmar Schnelle die gestohlenen Beträge, selbst im besten Fall dürften kaum mehr als 200 Euro zusammengekommen sein.

Denn neben der Trauerpost hatte der Briefträger auch mehrere Werbesendungen beiseite gebracht. „Ich schäme mich für das, was ich getan habe“, sagte der Rotenburger vor Gericht, der die Diebstähle mit „familiärem Druck“ begründete. Obwohl er sich seinerzeit schon im Verfahren der Privatinsolvenz befand, habe er weiter Schulden angehäuft. Im Familienleben mit seiner damaligen Freundin und deren beiden Kinder habe „das Geld hinten und vorne nicht gereicht.“ Eine Rechnung nach der anderen sei ins Haus geflattert, sagte der 41-Jährige, der nach eigener Einschätzung „nicht zu Unrecht“ auf der Anklagebank saß.

Ein Polizist berichtete von chaotischen Zuständen in der Wohnung des Rotenburgers. „Sie sind sehenden Auges in den Untergang gelaufen“, hielt Richter Schnelle dem Angeklagten in der Urteilsbegründung vor. Die Entscheidung, die dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprach, wurde im allgemeinen Einverständnis sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © dpa

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