„Trump wäre der Horror“

Amerikanerin aus Breitenbach fiebert US-Präsidentenwahl entgegen

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Stimmt sich mit der HNA auf die US-Präsidentenwahl ein: Dr. Carole Ann Janßen-Ellrich aus Bebra-Breitenbach, hier zu sehen im heimischen Garten vor ihrem Teich.

Breitenbach. Die US-Präsidentenwahl wird weltweit mit Spannung erwartet. Wir haben eine Amerikanerin aus Breitenbach gebeten, die Lage einzuschätzen. "Trump wäre der Horror", sagt sie.

Luftlinie lebt Dr. Carole Ann Janßen-Ellrich etwa 6500 Kilometer von ihrer Heimat Baltimore in Maryland entfernt. Schon 1973 verließ die inzwischen 70-Jährige die USA. Und dennoch fühlt sich die Amerikanerin, die im Bebraer Stadtteil Breitenbach lebt, ihren Landsleuten derzeit ganz nah.

Grundwissen fehlt 

„Trump als Präsident wäre eine Horrorvision. Er steht für alles, was bei uns verkehrt ist“, sagt Janßen-Ellrich. Der Milliardär ist in ihren Augen kein Politiker. Sein Umgang ist rüpelhaft und vulgär - schwer vorstellbar auf internationalem Parkett. Es fehle ihm jegliches Grundwissen. Ihre Schwester, die weiter in den USA lebt, habe ihr das im jüngsten Gespräch bestätigt. Bei einer Fernseh-Debatte habe ein Gremium die Wahrhaftigkeit der Aussagen beider Kandidaten überprüft. Resultat: 34 teilweise hanebüchene Fehler bei Trump, nur drei Schnitzer bei Clinton. Hinzu kommt, dass Trump ein offener Befürworter des weiteren privaten Waffenbesitzes ist.

„Ich hoffe auf einen klaren Sieg für sie. Allerdings habe ich daran meine Zweifel“, erklärt die Breitenbacherin. Das hat mehrere Gründe. Ein großes Problem sei, dass Clinton eine Frau ist. „Viele Frauen in den USA gönnen einer Frau keinen solchen Posten - noch trauen sie ihn ihr zu. Und Männer wollen häufig per se nur einen Mann als Präsident“, betont Janßen-Ellrich.

Ehemann als Makel 

Als weiteren Nachteil sieht sie an, „dass Amerikaner oft pauschal urteilen.“ Somit habe Hillary den Makel, dass ihr die Affäre von Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton vor fast 20 Jahren mit der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky noch anhaftet. Umgekehrt seien die frauenfeindlichen Äußerungen von Trump, die als Videomitschnitt aus dem Jahr 2005 Anfang Oktober bekannt gemacht wurden, öffentlich fast schon vergessen.

Weitere Wählerstimmen hat die Demokratin die E-Mail-Affäre gekostet, in der das FBI ermittelt. Von 2009 bis 2013 soll sie viele dienstliche E-Mails über eine private Mail-Adresse abgewickelt haben.

„Das war naiv, aber Hillary hat daraus gelernt. Trump ist hingegen unbelehrbar, einfach ein pathologischer Narziss“, nimmt die Doktorin der Anglistik kein Blatt vor den Mund. Auch die Trump University, die er vor Jahren geschaffen hat, bringt ihm keinen Vorteil. Im Gegenteil: „Abschlüsse dort sind nicht das Papier wert, auf die sie gedruckt werden. Er rühmt sich zwar damit, aber wie bei allem geht es ihm hier nur um sein Geld“, meint Janßen-Ellrich.

Hausaufgaben gemacht 

Clinton hält sie indes für „absolut geeignet“ als Präsidentin. Als Senatorin in New York und bis 2013 US-Außenministerin habe sie stets „ihre Hausaufgaben gemacht“. Ihr Auftreten sei selbstbewusst und souverän. Sie wird viel Beteiligung von ihren europäischen Verbündeten erwarten. Zu Hause würde die Demokratin den von Barack Obama eingeschlagenen Weg fortsetzen. Wichtige Punkte seien hier der Umweltschutz und „Obamacare“. Das ist die große Gesundheitsreform. „Meine Bekannten in Amerika glauben mir gar nicht, wie gut unsere Absicherung hier in Deutschland funktioniert.“

Jetzt hofft die Lehrerin im Ruhestand auf Hillary Clinton als Obamas Nachfolger. Die zehn Wahlmännerstimmen ihres Heimatstaates Maryland sind ihr so gut wie sicher. Absurd findet sie, dass Trump angekündigt hat, eine Niederlage nicht akzeptieren zu wollen. Er glaube, mit Geld könne sich alles regeln. Die Stimme von Dr. Carole Ann Janßen-Ellrich bekommt er sicher nicht.

Zur Person 

Dr. Carole Ann Janßen-Ellrich (Jahrgang 1946) wurde in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geboren und wuchs in den USA auf. Sie studierte Anglistik und schloss ihr Studium erst mit Magister und später Doktortitel in Kanada ab.

Über Karlsruhe fand sie 1981 den Weg nach Rotenburg. 20 Jahre führte Janßen-Ellrich dort eine Werkstatt für Bleiverglasungen. Die Amerikanerin unterrichtete Englisch an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg, an den Beruflichen Schulen Bebra und Bad Hersfeld und ist weiter tätig an der Volkshochschule.

Janßen-Ellrich hat eine Tochter und ist mit Hans Gerd Ellrich verheiratet, mit dem sie in Breitenbach lebt. Ihre Hobbys sind Gitarrespielen, Garten, Tauchen und Reisen.

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