In der Sichtachse des Alheimerturmes

Überlegungen für Windpark zwischen Seifertshausen und Niedergude

Das Kulturdenkmal von oben: Der Alheimerturm ist für Generationen von Menschen im Altkreis Rotenburg beliebtes Ausflugsziel und Identifikationsobjekt. 
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Das Kulturdenkmal von oben: Der Alheimerturm ist für Generationen von Menschen im Altkreis Rotenburg beliebtes Ausflugsziel und Identifikationsobjekt. 

Lange herrschte Ruhe zum Thema Windkraft im Bereich der Stadt Rotenburg, jetzt kommt Bewegung ins Spiel.

Es geht um das Windfeld HEF 3 (Eichkopf), das im Teilregionalplan Energie ausgewiesen ist. Es liegt auf dem Höhenzug zwischen Seifertshausen und Niedergude, nördlich des Alheimers, des höchsten Berges im Altkreis Rotenburg, und umfasst 53 Hektar.

Die Firma Abo Wind mit Sitz in Wiesbaden möchte mit der Stadt einen Planungs- und Poolnutzungsvertrag über die städtischen Flächen innerhalb des Windfeldes abschließen. Weitere Flächen in diesem Windfeld gehören Hessen Forst, also dem Land, und privaten Waldbesitzern.

Insgesamt sei dort der Bau von sechs Windkraftanlagen möglich, auf städtischer Fläche allein drei bis vier, erklärt Abo Wind-Sprecherin Lena Fritsche auf Anfrage. Frühestens Ende 2023 könne man die Anlagen errichten. Die Stadt sei erste Ansprechpartnerin des Unternehmens.

Die Pläne waren dem Magistrat und den Fraktionsvorsitzenden bereits im Februar vorgestellt worden. Jetzt sollen die Kommunalpolitiker entscheiden, ob sie grundsätzlich mit der Planung eines Windparks auf den städtischen Flächen einverstanden sind und ob sie den Abschluss eines entsprechenden Vertrages unterstützen. Natürlich geht es auch ums Geld: Beim Bau von drei Windkraftanlagen könnte die Stadt jährlich mit Pachteinnahmen von etwa 300.000 Euro rechnen.

Der Ortsbeirat von Seifertshausen hat sich am Freitag einstimmig gegen den Vertrag ausgesprochen, berichtet Ortsvorsteher Hans Joachim Pohl. Der Wald und die Natur seien ohnehin schon stark geschädigt, da solle man nicht noch Windkraftanlagen errichten und dafür Wald roden, befand der Ortsbeirat. Pohl kritisiert, dass der Ortsbeirat seitens der Stadt nicht früher über das Ansinnen von Abo Wind informiert worden war.

Auch in der Gemeinde Alheim, mit der die Stadt Rotenburg eine interkommunale Zusammenarbeit pflegt und ein gemeinsames Baumanagement hat, hat man erst zufällig in der vergangenen Woche von dem Ansinnen der Firma Abo Wind gehört, erklärt Bürgermeister Georg Lüdtke. Der Ortsteil Niedergude liegt ebenfalls in Höhe des Windfeldes Eichkopf. Dieses war auch schon früher Thema im Alheimer Gemeindeparlament. Damals schätzte man den Bereich aus naturschutzrechtlichen und denkmalpflegerischen Gründen als „hochsensibel“ ein. Man habe nicht damit gerechnet, dass das Windfeld überhaupt in den Regionalplan aufgenommen wird, sagt Lüdtke.

Der Rotenburger Haupt- und Finanzausschuss behandelt das Thema heute, Dienstag, ab 18.30 Uhr im Bürgersaal im Bahnhof. Die Stadtverordneten entscheiden am Donnerstag, 4. Juni. Deren Sitzung beginnt um 19.30 Uhr, ebenfalls im Bürgersaal.

Neu ist die Idee, dort Windkraftanlagen zu errichten, nicht. Doch war das Windfeld während der Prüfungs- und Auslegungsphase den meisten Interessierten aus dem Blick geraten, weil es in der Nähe, besser der Sichtachse, des Alheimers mit seinem Turm liegt. Der nahe Turm ist Kulturdenkmal, was als Ausschlusskriterium für Windkraft galt.

Die Grundsatzdebatte, ob dort Windkraftanlagen hindürfen oder nicht, kann man sich durch den gültigen Teilregionalplan sparen. Dennoch wird der Bau der Anlagen nach einer Reihe von Kriterien überprüft, allen voran naturschutzrechtliche. Die Firma Abo Wind spricht auch nur von einem Vorschlag. Gegenüber der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium Kassel, ist sie noch nicht aktiv geworden. Das bestätigt RP-Sprecher Michael Conrad.

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald, dem es am liebsten wäre, wenn im Windfeld HEF 3 keine Anlagen errichtet würden, sieht die Anfrage pragmatisch: Grundsätzlich habe man keine Handhabe, den Bau zu verhindern. Das könnten nur das RP oder Gerichte. Wenn der Bau aber möglich und erlaubt werde, sei es besser, die Stadt bekomme die Pacht als etwa Hessen Forst.

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