Gemeinsam in der Startelf

Vater und Sohn: Beim TV Braach kicken gleich zwei Burmänner

Der Garten ist wieder zum Trainingsplatz geworden: Rainer und Jan Burmann. Dem Wald auf dem Südhang in Rotenburg ist in Jans Kindheit so mancher Fußball zum Opfer gefallen. 
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Der Garten ist wieder zum Trainingsplatz geworden: Rainer und Jan Burmann. Dem Wald auf dem Südhang in Rotenburg ist in Jans Kindheit so mancher Fußball zum Opfer gefallen. 

Was motiviert einen Fußballer dazu, als 49-Jähriger nach fast 18 Jahren Pause auf den Dorf-Fußballplätzen wieder die Knochen hinzuhalten?

Für Rainer Burmann war es der Anreiz, mit seinem Sohn Jan auf dem Platz zu stehen. Natürlich beim TV Braach – dem einzigen Verein, für den der Vater je gespielt hat. Trainer Lars Schneider ist voll des Lobes für das Duo. „Beide gehören technisch zu den besten Spielern, die wir haben“, sagt er. Um den 19-jährigen Jan möchte er in den kommenden Jahren eine verjüngte Mannschaft aufbauen.

Vielleicht wäre auch der Sohn sein Leben lang seinem Heimatverein treu geblieben, bei dem er mit fünf Jahren bei den Bambini begann. Doch viele seiner Mitspieler hörten damals auf. Es folgte eine Spielgemeinschaft mit dem SV Rotenburg.

Als in der D-Jugend auch noch der SC Lispenhausen hinzukam, wechselte Jan lieber zur SG Breitenbach und später als B-Jugendlicher schließlich mit Gastspielerlaubnis zur SG Wildeck. Dort fehlten ihm und seinem Team in der A-Jugend 2018/19 nur fünf Punkte zur Gruppenliga-Meisterschaft. Doch schon in der Rückrunde hatte Jan eigentlich lieber bei den Männern in Braach gespielt.

„Die Fahrerei war einfach auf Dauer zu viel. Der TV Braach war der erste Verein, bei dem ich ein Probetraining gemacht habe. Und auch der einzige, weil einfach alles gepasst hat“, sagt Jan. Die Großeltern leben bis heute in Braach, sein Opa Jürgen ist der Meister der Platzbewässerung.

„Ich bin super lieb aufgenommen worden. Es hat sich immer einer von den älteren Spielern um mich gekümmert, ich stand nie alleine am Rand. Das kannte ich so von Leuten in meinem Alter nicht. Wenn man da neu in eine Gruppe kommt, sind viele erst mal nicht so offen“, sagt der Linksfuß über das Klima in der Braacher Mannschaft, die fast ausschließlich aus Spielern jenseits der 25 besteht. Viele sind sogar älter als 30 und haben Kinder.

Sein Vater hatte nie den konkreten Plan, mal mit Sohn Jan gemeinsam auf dem Platz zu stehen. „Das war eher ein Wunsch von ihm. Er war von kleinauf beim Altherren-Training dabei“, erzählt Rainer Burmann, der konditionell voll auf der Höhe ist. Beim Joggen hat sein Sohn bis heute keine Chance gegen ihn.

Der 49-Jährige hörte zwar nach Jans Geburt bei den Braacher Männern auf, auch weil er auf dem Südhang in Rotenburg gerade ein Haus baute. Er hielt sich aber neben dem Joggen und dem Altherren-Training mit Tennis, Rad- und Skifahren fit.

„Das ist Wahnsinn. Wenn ich selbst in Rainers Alter noch so fit bin, dann hab ich’s gepackt“, sagt der 36-jährige Spielertrainer Lars Schneider über Rainer Burmann. Der war in der Reserve sofort ein Fixpunkt – kaum einer ist dort so ballsicher. Kein Wunder – vor 20 Jahren hat Rainer Burmann mit seinem TV Braach nur knapp den Aufstieg in die Bezirksliga verpasst.

In der Rückrunde 2018/19 klappte es zunächst nicht mit dem angepeilten Vater-Sohn-Spiel. Denn Jan war sofort Stammkraft in der Ersten. „Zweikampfstark, körperlich viel weiter als die meisten in seinem Alter, sehr schnell, technisch vielleicht der beste Spieler, den ich habe“ – so charakterisiert Coach Schneider seinen Youngster.

In der Hinrunde 2019/20 standen die beiden dann mehrmals zusammen auf dem Platz. Das erste Spiel in der Reserve, dann in der Ersten, deren Torschützenliste Jan mit vier Treffern anführt.

Er hat in der Jugend schon als Stürmer, dann im Mittelfeld und bei Wildeck schließlich in der Innenverteidigung gespielt. „Dann hatten wir vor dem Tor in der Hinrunde Probleme. Da hab ich Frank vorgeschlagen, es im Sturm zu versuchen“, erzählt Jan Burmann. Der damalige TV-Trainer Frank Bergmann fand den Vorschlag gut. Und es funktionierte. Kurios war der 6:1-Sieg in Ronshausen, bei dem die Burmanns von Anfang an spielten. Es lief super. Jan erzielte den 2:1-Führungstreffer – doch Mutter Irina musste gleich zweimal über den Platz sprinten, weil sich zuerst der Ehemann und dann der Sohn verletzte.

Derzeit sind beide fit. Wegen Corona musste in den vergangenen Wochen wie früher der Garten als Trainingsplatz herhalten. Heute fliegen aber kaum noch Bälle in den angrenzenden Wald. Das Duo kann sich den Ball gemeinsam mühelos mehr als 100 Mal ohne Bodenkontakt zuspielen.

Ob Burmanns nach Corona wieder zusammen für den TV Braach auflaufen, hängt auch davon ab, wohin es den Abiturienten im Herbst verschlägt. „Ich kann mir gut vorstellen, weiter für Braach zu spielen“, sagt Jan. Das wird Lars Schneider gerne hören.

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