Versteckte Details: Die Forderungen der Rotenburger Resolution beim HR

Starke Bildsprache: So beginnt der Beitrag der Hessenschau über die Rotenburger Forderungen zur Erstaufnahmeeinrichtung in der Alheimer-Kaserne. In einem dunklen Zimmer wird Geld über den Tisch gereicht. Darauf steht ein kleines Fußballfeld – Symbol für den Sportplatz auf dem Kasernengelände, für den sich die Stadtverordneten Kunstrasen und Flutlicht wünschen. Screenshot: Hessischer Rundfunk

Rotenburg. Der HR hat über eine Rotenburger Wunschliste zur Flüchtlingsunterkunft berichtet. Wir dokumentieren die Vorwürfe, die für Empörung gesorgt haben, und klären, was dahinter steckt.

Im dunklen Zimmer wird Geld übergeben. Auf dem Tisch stehen ein Miniatur-Fußballfeld, eine Brücke, zwei Einkaufswagen - Symbole für die Forderungen der Stadtverordneten. „Hinter den Kulissen und jetzt auch ganz offen: Geschacher in Rotenburg“, sagt HR-Reporter Franco Foraci.

Doch was steckt hinter den Forderungen, mit denen sich die Kommunalpolitiker die Unterstützung bei der Flüchtlingsunterbringung vom Land versüßen lassen wollen, wie es auf hessenschau.de heißt? Studioleiter Thomas Kreutzmann gibt zu, dass der Beitrag Details ausblendet. Wir dokumentieren sie:

Franco Foraci

„Die Wunschliste ist lang“: Stimmt, sie umfasst 17 Punkte, von denen Foraci vier herausgreift. Falsch ist jedoch, dass Fuldabrücke und Fördergeld „auf der Wunschliste ganz oben stehen“, wie der HR behauptet. Da geht es vielmehr um die Öffentlichkeitsarbeit, Hilfe für das Meldeamt, Streetworker, Unterstützung ehrenamtlicher Initiativen, mehr Polizisten und Hilfe für die Feuerwehr. Auch ein Spielplatz für die Flüchtlinge und ein Buswendeplatz an der Kaserne stehen auf der Wunschliste. Doch das berichtet der HR nur verkürzt. Denn: „Diese Ansätze gehen bisher fast unter.“ Beweise für diese Behauptung bleibt der Sender schuldig.

„Dafür erwartet die Stadt sozusagen Bonbons vom Land“: Es geht um folgende Wunschliste, deren direkten Bezug zu den Flüchtlingen der Foraci in seinem Beitrag Frage stellt:

• Dritte Fuldabrücke: Sie ist für die Nutzung der Kaserne nach den Zeiten der Flüchtlingsunterkunft unerlässlich, sagt Stadtverordnetenvorsteher Klaus Troch. Das hätten die Bemühungen um eine zivile Nachnutzung gezeigt. Deshalb hat Ministerpräsident Bouffier den Bau der Brücke auch schon längst versprochen, doch die Planung stockt. Daran haben die Stadtverordneten mit der Resolution erinnert. „Das darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Bürgermeister Christian Grunwald. Das habe er auch alles dem HR erklärt (Stichwort: „Früher an später denken“), doch es wurde herausgekürzt.

• Ortsumgehung Lispenhausen: Auch sie gehört zur Verkehrsanbindung der bald ehemaligen Kaserne. Denn ohne neue Bundesstraße 83 keine Fuldabrücke.

• Kunstrasenplatz plus Flutlichtanlage: Ja, das fordern die Stadtverordneten für den Kasernen-Sportplatz. Allerdings geht es ihnen dabei vor allem um die Flüchtlinge, denn den Zusatz „zur ganzjährigen Nutzung für die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung sowie für städtische Vereine“ ignoriert der HR-Bericht. Dass es also um eine Sportmöglichkeit für die Flüchtlinge und ihre Integration in die Stadt geht, sei in Wiesbaden schon positiv kommentiert worden, sagt Grunwald: „Wir machen uns Gedanken über die Einbeziehung der Menschen.“

• Förderung eines künftigen City-Outlets: Die Investoren, die ein Outlet in leerstehenden Geschäften einrichten wollen, sehen die Entwicklung mit der Asylunterkunft mit Sorge, sagt Grunwald. Die Einrichtung sei damit durchaus ein Hindernis für die Stadtentwicklung, die durch eine entsprechende Förderung gemildert werden könne. Zumal Rotenburg keine Extrawurst verlange: „Wir wollen ja nichts, wofür es nicht schon eine Förderung gebe, sondern nur eine erleichterte Aufnahme in bestehende Förderprogramme.“

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Foto: HR/Andreas Frommknecht

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