18-Jährige wird Straßenkinder betreuen

Victoriasee statt Fulda: Rotenburgerin geht für Freiwilligendienst nach Tansania

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Lässt die heimischen Gefilde hinter sich: Sina Jacob muss ab September auf den vertrauten Anblick der Fulda verzichten. Sie geht für einen Freiwilligendienst nach Tansania in die Stadt Bukoba, direkt am Victoriasee.

Rotenburg/Tansania. Sina Jacob wollte schon immer mal nach Afrika. „Und ich finde, dass wir wegen der Folgen des Kolonialismus eine Verantwortung gegenüber den Menschen dort haben“, sagt sie.

Als die 18-jährige Rotenburgerin vor ihrem Abitur über ihre Zukunft nachdachte, war schnell klar: Sie möchte, wenigstens für eine Zeit lang, den Menschen in Afrika helfen. Ab dem 2. September wird sie mit Weltwärts, dem Freiwilligendienst des Entwicklungsministeriums, ein Jahr in Tansania verbringen.

„Dass es ausgerechnet Tansania geworden ist, ist Zufall. Ich habe jede Menge Bewerbungen verschickt“, sagt die Abiturientin. Mit der Wahl ist sie nun aber glücklich. Das sechstgrößte Land Afrikas gehört zwar weiterhin zu den ärmsten der Welt, wirtschaftlich macht es aber Fortschritte. „Und man muss sich dort keine Sorgen um seine Sicherheit machen.“ Einige ihrer Freunde hätten zwar trotzdem etwas Angst um sie, aber die 18-Jährige freut sich einfach nur, dass sie bald die heimischen Gefilde an der Fulda gegen den Victoriasee tauschen kann. Die 90 000-Einwohner-Stadt Bukoba, die für zwölf Monate das Zuhause von Sina Jacob sein wird, liegt direkt am drittgrößten See der Welt. „Schwimmen kann man darin aber nicht – zu viele Krokodile“, sagt sie.

Die Rotenburgerin wird ein Projekt für Straßenkinder betreuen, Erste-Hilfe-Kurse geben und die Einheimischen über AIDS und andere Krankheiten aufklären. Gemeinsam mit einem anderen jungen Freiwilligen, den sie bei einem Vorbereitungswochenende schon kennengelernt hat, wird sie sich eine Wohnung teilen. Von den Mitarbeitern von Weltwärts wird die 18-Jährige auf ihr Freiwilligenjahr vorbereitet, unter anderem mit einem einwöchigen Seminar gleich nach der Landung in Tansania. Sie muss aber auch selbst etwas tun. „Ich lerne Swahili, so gut es geht. Englisch spricht in Tansania kaum jemand.“ Dafür hat sie sich Hilfe von einem Kenianer geholt, der in Bad Hersfeld lebt.

Sina Jacob macht keinen Hehl daraus, dass ihre Entscheidung für einen Freiwilligendienst auch etwas damit zu tun hat, dass sie noch nicht weiß, was sie studieren möchte. Wie viele andere Schüler, die schon nach zwölf Jahren Schule Abitur machen, nutzt sie deswegen den frühen Schulabschluss für eine Auszeit vom Lernen. Dass sie dafür so weit weg von ihrer Heimat und ihren Freunden sein wird, macht ihr keine Sorgen. „Es gibt ja Internet. Ich glaube nicht, dass ich Heimweh bekomme.“

Außerdem unternehmen auch die Freiwilligen oft etwas miteinander. „An Weihnachten wollen wir vielleicht nach Sansibar“, sagt die 18-Jährige. Auch das im Nordosten von Tansania gelegene Kilimandscharo-Massiv könne während der 24 Urlaubstage ein Reiseziel sein. Aber in erster Linie geht es Sina Jacob ums Helfen, nicht um Abenteuer.

Spenden nötig

Die Weltwärts-Freiwilligen müssen 25 Prozent der Kosten ihres Afrika-Aufenthalts über Spenden akquirieren. Weitere Infos dazu auf der Internetseite von Sina Jacob: www.voluntaryservicetanzania.wordpress.com

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