Gäste feierten "Sternstunde der deutschen Geschichte"

Viel Freude an der Einheit bei Bürgerfest in Bosserode

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25 Jahre Tag der Deutschen Einheit: den feierten in großer Runde beim Festakt in Bosserode – von links – die Bürgermeister Manfred Stein (Dankmarshausen) und Jochen Hohmann (Dippach), Ortsvorsteher Heinrich Meier (Hönebach), die Bürgermeister Dieter Platzdasch (Großensee) und Werner Hartung (Gerstungen), Ortsvorsteher Erwin Körzell (Bosserode), Kreisbeigeordneter Helmut Miska, Bürgermeister Alexander Wirth, Europaparlamentsmitglied Martina Werner (Niestetal), Ortsvorsteher Michael Kaufmann (Obersuhl), Bürgermeister René Weisheit (Berka), Landtagsabgeordneter Dieter Franz (Wehretal) und Alt-Ortsvorsteher Walter Gliem (Obersuhl). (Ganzes Foto per Klick auf den Pfeil)

Bosserode. Bei der Gedenkveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit vor 25 Jahren feierten die Menschen in Bosserode das Wunder der Freiheit.

„Glück auf!“, spielte die Obersuhler Blasmusik. „Freiheit!“, sang der Mädchenchor der Blumenstein-Schule Obersuhl (BSO). Und zusammen mit den BSO-Blechbläsern stimmten die aus den umliegenden Werratalgemeinden nach Bosserode Gekommenen die deutsche Nationalhymne an. Musikalische Schlaglichter eines Tages voller Begegnungen und glücklicher Erinnerungen, der mit einem ökumenischen Festgottesdienst und dem Aufsteigen von Friedenstauben begann und einem fantastischen Feuerwerk endete.

Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth war es vorbehalten, Junge, die „die Grenze“ nur aus Erzählungen kennen, Alte, die sie hautnah erlebt haben, und Bürger des Volkes, die sie vor einem Vierteljahrhundert gemeinsam überwunden haben, in der Bosseröder Mehrzweckhalle am Nationalfeiertag zum Festakt „25 Jahre Deutsche Einheit“ zu begrüßen: „Wir feiern eine Sternstunde deutscher Geschichte, eine friedliche Überwindung einer Grenze, die Europa in zwei Teile geteilt hat!“

Dr. Michael Militzer

Als erster Ehrengast ergriff Dr. Michael Militzer, Vorstandsvorsitzender des Eisenacher Automobilzulieferers MITEC AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Gerstunger AE-Group, das Wort. In sehr persönlichen, eindringlichen Worten schilderte er, wie er als Dreijähriger mit seiner Familie 1951 von Steinbach-Hallenberg nach Kleinensee geflohen ist, wie diese in Sontra zunächst „nicht gleich mit offenen Armen empfangen“ wurde, wie Mutter und Großmutter über Land fuhren, Korsagen aus Amerika verkauften und damit den Lebensunterhalt für die Familie verdienten, und wie der Vater dank der Bürgschaft eines Bauern eine Dreh- und eine Fräsmaschine kaufen und damit den Grundstein für die spätere Cornberger Firma OMS legen konnte, die vor der Wiedervereinigung 21 Beschäftigte zählte.

Mit Blick auf die in großer Zahl in Deutschland ankommenden Flüchtlinge stellte der 67-Jährige - gerade als ehemaliger Flüchtling - fest: „Wir sollten sie moderat reinlassen, integrieren und ihnen eine Chance geben, dann werden wir erleben, wie sie uns helfen, und wie wir davon profitieren!“

Noch eine Schippe drauflegen

Zweite Rednerin war die Europaabgeordnete Martina Werner. Die SPD-Politikerin betonte, dass die friedliche „Öffnung des Eisernen Vorhangs“ ein Paradebeispiel für die mögliche friedliche Lösung eines Konflikts sei. Dies müsse man auch auf EU-Ebene immer wieder verinnerlichen und mit Geduld für friedliche Lösungen streiten.

Was die Angleichung der Lebensbedingungen in Ost und West anbelange, meinte die Niestetalerin, die die Politik von Willy Brandt und Egon Bahr und den großen Mut der Menschen in der ehemaligen DDR würdigte: „Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen, wir müssen noch eine Schippe drauflegen!“

Von Wilfried Apel

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