Breites Alternativangebot

Viele evangelische Gemeinden verzichten auf den Weihnachtsgottesdienst

Die Kulisse für einen Weihnachtsgottesdienst trotz Corona bietet die Rotenburger Jakobikirche. Auf dem Marktplatz finden mehrere Veranstaltungen statt.
+
Die Kulisse für einen Weihnachtsgottesdienst trotz Corona bietet die Rotenburger Jakobikirche. Auf dem Marktplatz finden mehrere Veranstaltungen statt.

Viele evangelischen Gemeinden in Hersfeld-Rotenburg haben sich wegen Corona gegen Präsenzgottesdienste entschieden. Die Weihnachtsbotschaft soll trotzdem alle erreichen.

Hersfeld-Rotenburg – Die Gottesdienste finden in vielen Gemeinden des Landkreises in den evangelischen Kirchen nicht statt. Das gilt zum Beispiel für die Stadt- und Johanneskirche in Bad Hersfeld, für Bebra und Heringen. Dagegen gibt es in Rotenburg ein breites Angebot an Präsenzgottesdiensten. Aber auch dort kann nicht wie sonst der Gemeindegesang eine andächtige oder fröhliche Stimmung erzeugen, sondern lediglich die Orgel.

„Es ist zwar fast alles anders als sonst, aber eine ganz wichtige Sache nicht: die Botschaft von Weihnachten. Gott wird Mensch im Kind in der Krippe, und das wird auch dieses Jahr die Menschen erreichen“, ist sich die Rotenburger Dekanin Gisela Strohriegl sicher. „Wichtig ist, dass nicht einfach etwas ausfällt. Wo es möglich ist, finden mit strengem Hygienekonzept Präsenzgottesdienste statt. Und anderswo haben sich die Gemeinden sehr viel einfallen lassen, um die Menschen auch ohne einen Gottesdienst in der Kirche trotzdem mitzunehmen“, sagt der Bad Hersfelder Dekan Frank Hofmann.

Alternativen vom Krippenweg bis zur Andacht für zuhause

So wurde zum Beispiel rund um die Haunetaler Kirche ein Krippenweg aufgebaut, der schon vor Weihnachten rege besucht wird. Es gibt sehr kurze Gottesdienstformate mit Lesung und Gebet im Freien und auch die Hausandachten, die zum Beispiel an Wäscheleinen vor den Kichen hängen, finden laut Hofmann großen Anklang. Aber: Das Erleben von Gemeinschaft werde im Vergleich zu „normalen“ Weihnachtsfesten wohl vielen fehlen.

Darin sieht der katholische Pfarrer Bernhard Schiller aus Bad Hersfeld auch eine Chance, zumindest für die Zukunft. „Es ist nichts schönzureden an den Umständen, unter denen wir alle miteinander solidarisch leiden. Vielleicht gelingt es uns, ein neues Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die bisher normal gewähnten Gottesdienstfeiern ein Geschenk sind.“

Katholische Gottesdienste im Landkreis finden statt

Ein Weihnachtsfest in Corona-Zeiten könne in manchen Bereichen auch den Druck herausnehmen aus den Überforderungen im Alltag, die die Vorweihnachtszeit und das Weihnachtsfest oft mit sich bringen. Man könne sich ganz auf das Zentrum des Glaubens konzentrieren und vielleicht dafür sorgen, „dass das Christkind ganz neu hereintritt“. Die katholischen Gottesdienste im Landkreis finden, wie berichtet, statt. Schiller hofft, dass sie vielleicht sogar noch intensiver werden als sonst, trotz der Einschränkungen – denn alles, wo sich derzeit Menschen begegnen können, sei etwas Kostbares.

Als eine „Botschaft gegen die Angst vor Corona, die gestiegene Härte im Umgang miteinander und die soziale Ungerechtigkeit hier und anderswo“ bezeichnet Pröpstin Sabine Kropf-Brandau die Geburt des Kindes im Stall in Bethlehem – Gott ist schon gekommen, so laute die christliche Botschaft zu Weihnachten. Gegen die Härte in der Welt verkünde der Engel: „Fürchtet euch nicht!“

Festlich geschmückt lädt die Bad Hersfelder Stadtkirche zur Andacht und zum Innehalten ein. Sie ist geöffnet, auch wenn dort keine Gottesdienste stattfinden.

„Gott hat sich längst für uns entschieden, von Anbeginn an. Das gilt es zu begreifen und zu glauben. Und diese Botschaft wird auf vielfältige Art und Weise erklingen – auch in diesem Jahr.“ Weihnachten finde statt, obwohl vor dem Hintergrund anhaltend hoher Inzidenzwerte, überforderter Krankenhäuser und starker Verunsicherung in den Gemeinden viele Kirchenvorstände entschieden haben, auf analoge Gottesdienste zu verzichten. „Gottes Wort findet seinen Weg“, ist sich Pröpstin Kropf-Brandau sicher.

Das unterstreicht auch Dekanin Strohriegl, die außerdem die große Kreativität auch der Pfarrer und Kirchenvorstände lobt, die die Präsenzgottesdienste abgesagt haben. „Von Angeboten im Internet über die Andachten zum Mitnehmen und den Weihnachtsbus, der in der Johanneskirchengemeinde Alheim fährt – es gibt viele tolle Ideen, die umgesetzt werden.

In Rotenburg finden acht Gottesdienste statt

In vielen großen Orten im nördlichen Landkreis finden keine evangelischen Präsenzgottesdienste statt, weil sich die Kirchenvorstände dagegen entschieden haben. Für folgende Gemeinden wurden unserer Zeitung bis gestern Nachmittag allerdings Zeiten und Anmeldemodalitäten gemeldet:

  • Rotenburg
  • Marktplatz: 15 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr, 18 Uhr
  • Jakobikirche: 22.30 Uhr
  • Stiftskirche und Martin-Luther-Kirche: 15.30 Uhr, 16.30 Uhr und 17.30 Uhr jeweils kurzer Gottesdienst und Krippenspiel in der Tüte zum Mitnehmen
  • Martin-Luther-Kirche: Heilige-Nacht-Gottesdienst 0 Uhr (Heimweg ist trotz Sperrstunde erlaubt)
  • Anmeldungen jeweils unter kichengemeinde-rotenburg.de oder unter Tel. 0 66 23/73 68
  • Mündershausen
  • 19 Uhr Heiliger Abend im Dorf, Anmeldung unter Tel. 0 66 23/73 68 oder über das Internet.
  • Braach
  • 15-17.30 Uhr: Offene Kirche. Die Kirche kann gruppenweise als Familie besucht, es können mitgebrachte Kerzen angezündet und Briefe oder Bilder für das Christkind mitgebracht werden. Keine Anmeldung erforderlich. 17 Uhr: Pfarrer Berger spricht Weihnachtssegen vor der Kirche.
  • Baumbach
  • Es gilt von 11 bis 18 Uhr dasselbe Angebot wie in Braach.
  • Heinebach
  • 15.45 und 17 Uhr Gottesdienst in der Kirche, Anmeldung bei Udo Grenzebach unter Tel. 0 56 64/15 06 oder grenzegast@aol.com.
  • Der Kirchenvorstand entschied erst gestern Abend nach Redaktionsschluss final, ob die Veranstaltungen stattfinden. Falls sie abgesagt wurden, wird das morgen in unserer Zeitung mitgeteilt.
  • Imshausen
  • 17 Uhr: Straßenkreuzung Imshäuser Straße/Vor dem Hirschloh. Anmeldung nur für Imshäuser bei Herrn Stockmeyer oder Pfarrer Gottesleben.
  • Richelsdorf
  • 16 Uhr: Autogottesdienst auf dem Reitplatz. Einfahrt über den Schotterplatz, Anmeldung bei Pfarrer Janosz König unter Tel. 0 66 27/91 50 06 5, per WhatsApp an 01 76/51 42 31 98 oder per E-Mail an pfarramt2.wildeck@ekkw.de.
  • Nentershausen
  • 16 und 17.30 Uhr auf dem Marktplatz, Anmeldebögen wurden über den Gemeindebrief verteilt.
  • Dens
  • 18 Uhr vor der Kirche. Anmeldebögen wurden über den Gemeindebrief verteilt.
  • Bauhaus
  • 18 Uhr bei Baurs auf dem Hof. Anmeldebögen wurden auch hier über den Gemeindebrief verteilt.
  • Rockensüß/Königswald
  • An jeweils drei Plätzen im Ort finden zehnminütige Andachten statt.
  • Cornberg
  • 17.15 Uhr: Kurzgottesdienst auf dem Marktplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.