Wochenendporträt

Fasziniert vom Bodenkorn: Viola Schade aus Lispenhausen forscht zu Erdverkabelung

Bodenkundlerin Viola Schade aus Lispenhausen.
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Da hängt viel dran: Bodenkundlerin Viola Schade ist fasziniert vom lebendigen Organismus, der die Erde ausmacht. Die junge Frau aus Lispenhausen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Göttingen und forscht aktuell über die Auswirkungen von Erdverkabelung.

Eine Handvoll Boden ist für Viola Schade ein ganzer Kosmos. Ein belebter Körper, den es zu wertschätzen gilt.

Lispenhausen – Die im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen aufgewachsene junge Frau kann darin lesen, indem sie zum Beispiel die Korngrößen untersucht. Die Erforschung des ganz Kleinen trägt zum ganz Großen bei: Viola Schade untersucht in einem Team die Auswirkung von Erdverkabelung auf Agrarböden. Das Thema ist aktuell. Es geht um die 380kV-Leitung, die auch durch den Kreis Hersfeld-Rotenburg führt.

Die 30-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin gehört zur Abteilung Agrarpedologie der Universität Göttingen. Wenn sie sagt, sie muss aufs Feld, heißt das, sie arbeitet auf der Lehr- und Versuchsstation Klostergut Reinshof bei Göttingen an einem Feldversuch.

Ihr Abitur hat die Lispenhäuserin 2009 an der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg gemacht und schon damals eine ungewöhnliche Forschungsarbeit vorgelegt: „Der Haselgrund unter dem Einfluss des Bibers – eine szenariobasierte Landschaftsbewertung“. Sie entwickelte ein Szenario, wie sich die Landschaft dort unter dem Einfluss des Bibers verändern wird. Damals war die Ansiedlung von Bibern im Fuldatal noch Zukunftsmusik. „Aber er wird kommen“, sagt die junge Wissenschaftlerin. Und hat wohl Recht. Tatsächlich hat sich jetzt schon eine Biberfamilie an der Fulda nur wenige Meter unterhalb der Haselmündung angesiedelt.

Ihre Leidenschaft für Ökologie und Nachhaltigkeit führt Viola Schade auch auf ihr Elternhaus zurück. „Wir haben in der Familie immer darüber diskutiert. Ökologie war uns der Rede wert“, sagt sie. Und Nahrung aus dem eigenen Garten empfand sie als Privileg.

Viola Schade ist nach dem Abitur zum Studium in ihre Geburtsstadt Göttingen zurückgezogen. Dort hat sie den neuen interdisziplinären Studiengang Ökosystemmanagement belegt, der auf der Basis von Geologie Agrar- und Forstwissenschaft integriert. Noch während ihrer Bachelorarbeit entdeckte Viola Schade: „Der Boden ist das Medium, mit dem ich mich beschäftigen möchte. Hier trifft alles zusammen: Wirtschaft, Ernährung, Klima.“

Bodenkunde ist nun ihr Spezialgebiet, auch ihren Master hat sie darin gemacht. Nun strebt sie die Promotion an. Aktuell gehört sie zu einem Team, das auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern erforscht, wie sich die Erdverkabelung auf Böden auswirkt. Die 380kV-Leitung war ursprünglich komplett als Freileitung vorgesehen. Im Energieleitungsausbaugesetz wurde dann ein Vorrang für Erdverkabelung im Gleichstrombereich und eine Erprobung der Technik im Drehstrombereich vorgeschrieben. Das soll auf Pilotstrecken geschehen. Das Bundesbodenschutzgesetz fordert, dass dabei so bodenschonend wie möglich vorgegangen wird. Dazu muss erforscht werden, wie sich der Bodenkörper durch Bau und Betrieb der Erdverkabelung verändert. Untersucht werden physikalische und chemische Parameter wie die Struktur des Bodens, die Wasser- und Temperaturdynamik, sein Nährstoffhaushalt und das Ertragspotenzial.

Der Feldversuch läuft in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Tennet, auch parallel zur Bauphase. Ziel der Forschungen sei auch eine Minimierung der Folgeschäden.

Während der Arbeitsphasen, die im Homeoffice erledigt werden können, ist Viola Schade wieder zurückgekehrt nach Lispenhausen, wo sie sich das Haus ihrer Großeltern gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten neu einrichtet. Natürlich lässt sie auch dort der Boden nicht los. „Ich wühle im Garten“, erzählt sie und hält daran fest. „Boden ist existenziell. Mit ihm darf man nicht gewinnmaximierend umgehen.“

Und sie spricht Klartext: „Konventionell betriebene landwirtschaftliche Flächen sind oft ökologische Wüsten.“ Das ist nämlich schon erforscht. (Silke Schäfer-Marg)

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